November war für Aktionäre alles andere als trist

von Redaktion

Fast drei Prozent haben die Kurse der wichtigsten deutschen Aktien im November zugelegt. Zwischenzeitlich gab im Deutschen Aktienindex Dax mit 13 374 Zähler sogar ein neues Jahreshoch.

Vom eigentlich tristen November war an der Börse nichts zu sehen. 2019 zählt mit einem Kursplus bislang rund 25 Prozent zu einem der besten Börsenjahre seit 2009. Dazu beigetragen haben auch die wieder besseren Ergebnisse der Unternehmen im dritten Quartal, wie die Beratungsgesellschaft EY in einer Analyse feststellt. Nach einem schwachen ersten Halbjahr hätten die Dax-Konzerne im dritten Quartal wieder an Fahrt gewonnen, sagt EY-Chef Hubert Barth. „Die meisten Konzerne konnten ihren Umsatz steigern, auch die Gewinne stiegen bei der Mehrheit der Unternehmen“. Damit haben sich die deutschen Top-Konzerne unter dem Strich besser entwickelt als von Vielen erwartet – Ausnahmen ausgeklammert.

Im Schnitt kletterte der Umsatz der 30 Dax-Firmen im dritten Quartal um sieben Prozent, der Gewinn vor Steuern und Zinsen allerdings schrumpfte um acht Prozent auf knapp 27 Milliarden Euro. Das lag vor am Gewinneinbruch bei Bayer und Continental. Die höchsten Quartals-Gewinne verbuchten Volkswagen, Telekom und Allianz mit 4,5, knapp 3,1 und drei Milliarden Euro. Für eine Entwarnung sei es aber, so Barth, wegen der bekannten Themen zu früh – die lahmende Weltkonjunktur, die Probleme der Wirtschaft in China verstärkt durch die Unterdrückung der Uiguren und die Lage in Hongkong, der ungelöste Handelskonflikt zwischen den USA und China und der Brexit bleiben Risiken für die Unternehmen und damit auch für die Finanzmärkte.

Deshalb hat sich der Dax in den letzten Tagen eher seitwärts bewegt. Mit einem Einbruch der Kurse in den letzten vier Handelswochen aber rechnet kaum ein Händler und Marktbeobachter. Deutlich nach oben gehen könnte es wohl nur, wenn sich die USA und China im Handelsstreit annähern. Aber eigentlich haken die meisten Experten wie Daniel Schär von der Weberbank das Aktienjahr 2019 schon ab. Trotz des deutlichen Anstiegs sieht er keine „überhöhten“ Bewertungen. Aktien bleiben nicht nur nach Ansicht von Schär in Zeiten von Niedrig- und Negativzinsen die bevorzugte Anlagewahl. Und am Zinsumfeld wird sich auf lange Zeit nichts ändern. Stefan Schneider, Chef-Ökonom der Deutschen Bank für Deutschland, rechnet frühestens in drei Jahren mit einer ersten Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB). Es könnte auch fünf Jahre dauern.

Michael Bissinger von der DZ Bank rät aber eher zur Vorsicht. „Die Bewertung ist nicht mehr günstig. Die Kurse haben bereits einiges von der Wende zum Besseren vorweggenommen“.

ROLF OBERTREIS

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