Hermann-Josef Tenhagen, Gründer des gemeinnützigen Verbraucher-Ratgebers Finanztip, räumt ein, dass das gesetzliche Rentensystem es eigentlich nicht vorsieht, wirklich früh aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. „Aber natürlich geht das, was man früher ‚Rentier‘ nannte: Vom Erarbeiteten, Ersparten oder Ererbten leben.“ Wer sich diesen Traum erfüllen will, muss also sehr gut verdienen oder erben und sehr viel von diesem Geld sparen: „Man kann sich ja ausrechnen, was man zum Leben braucht. Dann muss man überlegen, wo ich dieses Geld herhole, wenn ich nicht mehr klassisch arbeiten will.“
Aber auch für Normalverdiener gibt es Möglichkeiten, der Rente mit 67 ein Schnippchen zu schlagen. In der ersten Folge unserer neuen Serie zur Altersvorsorge gibt Finanz-Experte Tenhagen Tipps für verschiedene Altersgruppen. Wichtig dabei: Je früher man sich mit dem Thema Rente beschäftigt, desto besser. In den weiteren Folgen unserer Serie werden wir uns dann mit der „Rente mit 63“ beschäftigen, aber auch mit Vorsorge-Tipps für all die, die keine üppige Rente zu erwarten haben.
Rententipps für 55+
Pro Monat, den man früher in Rente geht, gibt es 0,3 Prozent Abzüge – das heißt, wenn man drei Jahre früher in Rente geht, sind das 10,8 Prozent weniger, als auf dem Renteninformationszettel angezeigt wird, den man alljährlich zugeschickt bekommt. Ab 50 besteht nun die Möglichkeit, durch zusätzliche Einzahlungen in die Rentenkasse diese Abzüge so auszugleichen, dass ich meine volle Rente bekomme, auch wenn ich vorzeitig zu arbeiten aufhöre. Das ist eine gute Variante, denn derzeit ist die Rendite in der gesetzlichen Rente höher als in einer privaten Rentenversicherung. Das hat damit zu tun, dass die gesetzliche Rente von den realen durchschnittlichen Lebenserwartungen ausgeht – und die private Rentenversicherung von der ihrer Versicherten, die rechnerisch älter werden als der Durchschnitt. Aber man kann auf diese Weise auch die gesetzliche Rente aufbessern, wenn dann trotzdem bis 67 gearbeitet wird.
Für Selbstständige, die auf die 60 zugehen, ist die Rürup-Rente zu empfehlen: Hier gibt es die Chance, steuerfrei größere Summen einzuzahlen. Das Geld muss versteuert werden, wenn man es als Rente entnimmt.
Die dritte Möglichkeit ist: Altersteilzeit. Der Vorteil dabei: Auch wer nur noch 30 Prozent arbeitet, zahlt weiter in die Rentenkasse ein. Die rechtlichen Möglichkeiten, Teilzeit vom Arbeitgeber zu fordern, sind deutlich besser geworden. Auch in Branchen ohne tarifliche Angebote lohnt es sich, mit dem Chef über Altersteilzeit-Modelle zu reden. Denn für die Arbeitgeber ist es attraktiv, auf diese Weise Fachkräfte zu halten.
Rententipps für 40+
In der Lebenssituation der um die 40-Jährigen bezahlen viele Menschen gerade ihre eigene Immobilie ab. Wichtiger als Geldanlage ist da erst einmal, das Haus oder die Wohnung schnell abzubezahlen und schuldenfrei zu werden. Wer Kinder hat, muss die absehbaren finanziellen Belastungen wie Kosten des Studiums meistern – und erst wenn dann noch etwas übrig ist, kann man etwas fürs Alter zurücklegen. Wer nicht so viel zurücklegen kann, kann die geförderten Angebote wahrnehmen: also Riester und Betriebsrente. Die klassische Riester-Rente eignet sich für Sparer, die 20 Jahre oder mehr einzahlen. Für die volle staatliche Förderung muss man vier Prozent seines Bruttogehalts einzahlen, maximal 2100 Euro im Jahr.
Rententipp für 25+
Ein heute 25-Jähriger, der nicht bis 67 oder länger arbeiten will, muss möglichst schnell möglichst viel verdienen und davon möglichst viel zurücklegen. Finanztip empfiehlt Arbeitnehmer, zehn bis 15 Prozent vom Netto zurückzulegen, um einen gewissen Wohlstand im Ruhestand genießen zu können.
Wer früher in Rente will, muss entsprechend deutlich mehr vom Netto zurücklegen. Da das klassische Sparkonto oder Festgelder kaum oder keine Zinsen mehr bringen, kann der Sparer auf Aktien setzen – und wenn er sich nicht mit der Börse beschäftigen kann oder will, auf einen Aktienindex-Fonds. Seit 1975 hätten solche weltweiten Indexfonds im Schnitt 7 bis 8 Prozent Rendite im Jahr gebracht. Es gab allerdings auch 15-Jahresphasen mit nur einem Prozent Rendite, aber auch welche mit 10 Prozent. Verluste gab es über 15 Jahre hinweg jedoch nie.
Mehr Informationen
Wie viel muss ich einzahlen, um meine Abschläge auszugleichen? Welche Anträge sind auszufüllen für freiwillige zusätzliche Einzahlungen? Auskünfte erteilen kostenlos die Beratungsstellen der Rentenversicherung. Die nächste Stelle finden Sie auf der Homepage der DRV (www.deutsche-rentenversicherung.de). Dort können Sie auch Termine online buchen. Die kostenloses Servicnummer der DRV lautet: 0800 / 1000 4800