Frauen trifft Altersarmut häufiger als Männer. Ohne Einschränkungen geht es bei ihnen oft nicht, stellt Irene Götz, Kulturwissenschaftlerin an der LMU München, fest. Sie hat ein Buch mit dem Titel „Kein Ruhestand“ geschrieben.
Warum ist die Situation von Frauen im Alter so viel schwieriger als von Männern?
Sie haben in ihren Erwerbsbiografien viele Brüche, viele Lücken. Wir haben in unserem Buch Frauen befragt, die in der Regel Zuverdienerinnen waren, also die Frauen, die nach dem ersten Kind häufig aufgehört haben zu arbeiten und dann erst wieder anfingen, als die Kinder größer waren. Dadurch fehlen ihnen Rentenpunkte. Wenn dann noch eine Scheidung oder ein Schicksalsschlag wie ein krankes Kind dazukam, das einen daran hindert, berufstätig zu sein, dann ist Altersarmut programmiert.
Wird in Zukunft der Geschlechterunterschied verschwinden, weil es nicht mehr die typische „Hausfrau“ gibt?
Wenn ich mir die Zahlen vom Münchner Armutsbericht von 2017 anschaue, gleicht sich die Altersrente für die, die 2017 in Rente gingen, etwas an. Da betrug die Rente bei Männern durchschnittlich 888 Euro und bei Frauen 804 Euro. Die schlechte Nachricht: Auch Männer haben inzwischen Absenkungen der Rente zu verzeichnen. Das hat einfach damit zu tun, dass generell das Rentenniveau abgesenkt wurde.
Früher in Rente: Ist das bei Frauen überhaupt möglich?
Ich glaube, das ist im Moment eine Tendenz, die nicht ungefährlich ist. Das wird zum Teil politisch zwar bekämpft, dass man sagt, diese Vorruhestandsregelungen sollten nicht mehr so von den Betrieben angeboten werden. Besserverdienende können sich ausrechnen lassen, wie viel früher sie in Rente gehen können, ohne Abschläge, wenn sie jetzt noch mal einen ordentlichen Betrag vorher einzahlen. Frauen können das sehr häufig nicht, dass sie so viel Rente erwirtschaftet haben, dass es schon reicht mit 55.
Interview: Cindy Boden