Anleger sind mit Scheuklappen unterwegs

von Redaktion

Augen zu und durch: Das bewährte Börsenmotto der vergangenen Tage könnte nach Ansicht von Marktexperten in der kommenden Woche wieder gelten. Dass China als einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands wegen des Ausbruchs des neuen Corona-Virus noch immer ein hoher Risikofaktor ist, sorgt genauso für Schulterzucken wie die allgemein schwächere Konjunktur in Deutschland.

Das Ergebnis ist eine Aktienrally, mit der der Leitindex Dax zuletzt wieder einen Rekord nach dem anderen erzielte. Die jüngste Bestmarke lag nur unweit entfernt von der nächsten runden Marke bei 13 800 Punkten. Experten der Landesbank Helaba sehen dieses Ziel im ersten Quartal des Jahres in Reichweite. Sorgen machen müsse man sich erst bei einem nachhaltigen Rutsch unter 13 330 Zähler – zumindest aus charttechnischer Sicht.

Am Freitag gab der Dax leicht um 0,01 Prozent auf 13 744,21 Punkte nach. Auf Wochensicht gelang dem Leitindex ein Zuwachs von rund 1,7 Prozent.

Analyst Milan Cutkovic vom Währungshändler Axitrader glaubt, dass es weiter aufwärts geht: „Die Investoren sind mit der Berichtssaison bislang zufrieden, und der Dax bekommt den nötigen Rückenwind weiter von der Wall Street“, schrieb er in einem Kommentar. „Sollte es nicht zu einer drastischen Verschlechterung der Lage in China kommen, ist eine Fortsetzung der Aktienrally wahrscheinlich.“

Ein Ende der Covid-19-Epidemie – so die offizielle Bezeichnung des neuen Coronavirus – ist zurzeit noch nicht absehbar. Die Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 in China stiegen mit einer neuen Zählweise zuletzt wieder stark. Ein Problem ist auch die Rückreise von Millionen Chinesen, die nach den verlängerten Ferien wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Dies lässt neue Infektionswellen befürchten.

Weil mittlerweile selbst die Geldpolitiker der Notenbanken vor den wirtschaftlichen Folgen der Krise warnen, werden Aktienexperten denn auch nicht müde zu betonen, dass sich Anleger bei ihrer Schnäppchenjagd absichern sollten.

Dass es nachhaltig aufwärts geht, bezweifelt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Letztendlich leide zurzeit aber die deutsche Industrie unter Gegenwind. „Ohne eine Trendwende hier dürfte der Dax kaum viel weiter steigen“, meint der Commerzbank-Experte.

Getrübte Exportaussichten könnten sich bereits in der kommenden Woche auf den viel beachteten Einkaufsmanagerindex für Februar niederschlagen. Der Index wird am Freitag für Deutschland und Frankreich sowie die gesamte Eurozone veröffentlicht. KAROLIN ROTHBART

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