Es wird Gewinnwarnung hageln. Reihenweise, wenn in den nächsten Wochen mehr und mehr Berichte für das erste Quartal vorgelegt werden. Dabei bilden sie nur den Auftakt der beispiellosen Krise ab. Erst Mitte März hatte sie die dramatischen Züge angenommen. Entsprechend werden die Ausblicke auf das zweite Quartal noch düsterer ausfallen, vom dem schon wieder ein Monat mit dem nahezu kompletten Herunterfahren der deutschen Wirtschaft vorbei ist.
„Zwölf der 30 im Deutschen Aktienindex Dax vertretenen Unternehmen haben zu Beginn der Berichtssaison für das erste Quartal bereits eine Gewinnwarnung aufgrund der Coronakrise abgegeben“, sagt Markus Wallner von der Commerzbank. Kein Unternehmen habe bislang die Erwartungen übertreffen können, fast 40 Prozent hätten sie verfehlt. Dies, so Wallner, sei so schlecht wie zuletzt vor zehn Jahren.
Insofern ist erstaunlich, dass sich der Dax stabil und deutlich über der Marke von 10 000 Punkten hält, am Freitag bei fast 10 400. Auch wenn das im Wochenvergleich ein Minus von mehr als 200 Punkten bedeutet.
Joachim Goldberg vom gleichnamigen Analysehaus, das regelmäßig die Stimmung der Anleger untersucht, spricht trotzdem vom größten Pessimismus seit 1999. Andererseits aber haben Anleger seit dem Tief vor gut fünf Wochen von weniger als 8300 Zählern offensichtlich zugegriffen. Aber jetzt überwiegt wohl die Vorsicht. „Nach der deutlichen Erholungsbewegung seit Mitte März ist dem europäischen Aktienmarkt zuletzt etwas Momentum verloren gegangen“, stellt Sascha Rehbein von der Weberbank fest. Das liegt vermutlich auch an der dramatischen Talfahrt des Ölpreises mit zuletzt absurden Zügen durch negative Preise für Termingeschäfte. Das ist ein klares Indiz für die schlechte Wirtschaftslage und die scharfe Rezession, die mittlerweile sichtbar wird. Auch die Konsumstimmung der Verbraucher und die Geschäftserwartungen der Unternehmen sind eingebrochen.
„Die Panik ist verflogen“, stellt Robert Halver von der Baader Bank fest. Doch solange die Faktenlage im Blick auf künftige Lockerungsmaßnahmen nicht eindeutiger werde, rechnet er nicht mit massiven Ausschlägen an der Börse nach oben. „Befreiend für Aktien würden erst nennenswerte Fortschritte bei Corona-Medikamenten und Impfstoffen wirken“, umschreibt Halver die grundsätzliche Lage auch für Börse.
Bis auf Gold, dessen Preis weiter nach oben zeigt, sind Anlagealternativen derzeit rar. Und Zinsen bleiben voraussichtlich noch auf Jahre im Keller. ROLF OBERTREIS