Einen Gewinner in diesen auch für die Börse schwierigen Zeiten gibt es in jedem Fall: die Deutsche Börse. Am Aktienmarkt stürzten die Kurse im März ab, es wurde gehandelt wie selten zuvor. Das war freilich schon in den ersten beiden Monaten des Jahres der Fall, als der Deutsche Aktienindex Dax bis auf einen neuen Rekord von 13 795 Punkten kletterte. Auch deshalb wurde eifrig gehandelt. Die Kurse schwankten im ersten Quartal so stark wie selten zuvor. Die Folge: Der Umsatz der Deutschen Börse stieg rasant um 27 Prozent, das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen sogar um 30 Prozent.
Generell verlief der April an der Börse erheblich besser als viele Experten erwartet, beziehungsweise befürchtet hatten. Auch wenn es am letzten Handelstag des Monats wieder deutlich unter die zuvor überraschend genommene Schwelle von 11 100 auf knapp 10 900 nach unten ging. Kein Wunder angesichts der düsteren Wirtschaftsprognosen von Christine Lagarde. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) rechnet im zweiten Quartal mit einem Einbruch um 15 Prozent und für 2020 mit einem Minus zwischen fünf und zwölf Prozent.
Insofern ist das Monatsplus im Dax von zehn Prozent durchaus bemerkenswert. Seit dem Tief im März steht der Index sogar 30 Prozent im Plus. Aber dieser Entwicklung trauen viele Experten nicht. Das Ende der Pandemie, Medikamente und ein Impfstoff sind längst nicht in Sicht. Die schärfste Rezession in Friedenszeiten steht erst noch ins Haus, die Gewinne der Unternehmen brechen in diesem Jahr um 50 bis 80 Prozent ein, schätzt die DZ Bank. Die Zahl der Arbeitslosen und der Insolvenzen werden steigen.
Trotzdem steht die Börse vergleichsweise gut da. Damit reagierten die Kurse, sagt Christian Apelt von der Landesbank Hessen-Thüringen, auf die ersten Lockerungsmaßnahmen, auf einen wieder etwas festeren Ölpreis und die ersten Tests mit einem Corona-Impfstoff. Und auf die üppigen Hilfsmaßnahmen von Regierungen und Notenbanken. „Aber der Schrecken der Konjunkturdaten wird sich fortsetzen“, sagt er auch. Den Dax sieht er bis Ende Juni auf 9500 Zähler abrutschen, bevor es bis Jahresende wieder auf 11 500 hochgeht. Schließlich sollen sich die Konjunkturaussichten im zweiten Halbjahr wieder leicht aufhellen. Auch die DZ Bank erwartet zum Jahresende wieder 11 200 Zähler. Im Dax dürfte es in den nächsten Wochen und Monaten mit hohen Schwankungen seitwärts laufen. Anleger, die durchhalten oder sogar zukaufen, werden aber, so die DZ Bank, belohnt. Langfristig, also über einige Jahre, sollten sie „sehr gute Anlageergebnisse“ erzielen. Deka-Bank-Chef-Ökonom Ulrich Kater erwartet Ähnliches, auch wegen der anhaltend niedrigen Zinsen. „Anleger sehen keine Anlagealternativen mehr, vor allem dann nicht, wenn sich die Wirtschaft in den kommenden Jahren normalisiert.“
ROLF OBERTREIS