Der Fremdenverkehr ist europa- und weltweit infolge der Corona-Pandemie zum Erliegen gekommen – ein Sektor, der direkt und indirekt für rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung der EU steht. Ein Überblick:
Italien, Spanien, Frankreich
Italien und Spanien wurden früh und hart von der Corona-Pandemie getroffen, und auch Frankreich verzeichnet inzwischen zehntausende Todesopfer. Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind deshalb besonders streng, die wirtschaftlichen Schäden besonders groß. Zugleich spielt der Tourismus in allen drei Ländern eine wichtige Rolle.In Italien arbeiten nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit zwei Millionen Menschen über acht Prozent der Beschäftigten direkt im Tourismus. In Spanien sind es sogar 2,6 Millionen und 13,5 Prozent aller Beschäftigten, in Frankreich 1,4 Millionen und rund sieben Prozent. Italien und Frankreich sind zudem die beliebtesten Reiseziele chinesischer Touristen, die wegen Reisebeschränkungen bereits Wochen vor dem Ausbruch des Virus in Europa ausblieben.
Portugal, Griechenland, Kroatien
Die drei Länder sind in Bezug auf die Zahl der Corona-Infizierten bislang vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Die Abhängigkeit ihrer Volkswirtschaften vom externen Tourismus ist allerdings noch stärker ausgeprägt.
In Griechenland arbeitet laut OECD jeder zehnte Beschäftigte direkt in der Reisebranche. In Portugal ist der Anteil unwesentlich niedriger, in Kroatien liegt er bei 6,6 Prozent. Rund zwei Drittel der Übernachtungen in portugiesischen Hotels werden von Ausländern gebucht. In Griechenland und Kroatien liegt der Anteil bei über 80 Prozent.
Zypern, Malta
Auch die beiden kleinen Inselstaaten empfangen jährlich Millionen internationaler Besucher. Fast 15 Prozent der maltesischen Beschäftigten arbeiten direkt im Tourismus und generieren so knapp 13 Prozent der Wirtschaftsleistung. In Zypern machen Tourismus und dazugehörige Branchen über ein Fünftel der Wirtschaftsleistung aus.
Hinzu kommt die große Abhängigkeit vom Luftverkehr. Der Betrieb im Passagierverkehr ist seit Ausbruch der Pandemie in Europa zusammengebrochen. Die Internationale Luftverkehrsvereinigung IATA rechnet erst im dritten Quartal mit der schrittweisen Wiederaufnahme des europäischen Geschäfts. Bis dahin sind die Inselstaaten für Touristen nahezu unerreichbar.
Deutschland, Österreich
In Deutschland buchen inländische Reisende den Großteil der Hotelübernachtungen. Internationale Besucher kommen meist aus der direkten Nachbarschaft, etwa aus der Schweiz und den Niederlanden. Für den Naturtourismus ist diese Sommersaison vielleicht nicht vollkommen verloren.
Österreich, das deutlich mehr internationale Gäste empfängt, hat die Grenzöffnung zum 15. Juni angekündigt. Der Alpenrepublik spielt in die Karten, dass auch die Wintersaison hier sehr wichtig ist. Bis auf den Skipisten wieder Schnee liegt, hat sich die Lage eventuell wieder gebessert. afp