Marktbeobachtern ist die Lage nicht geheuer

von Redaktion

Ist das Schlimmste überstanden? Die Exporte zeigen wieder deutlich nach oben, die Industrie-Produktion ebenfalls. Die Wirtschaft in China kommt wieder in Fahrt, die 30 größten im Deutschen Aktienindex Dax notierten Konzerne haben das schwierige, von Lockdowns geprägte zwei Quartal überstanden – etliche besser als von Experten befürchtet. Der Dax legt in der ersten Augustwoche um gut 300 Punkte oder fast drei Prozent auf rund 12 650 Zähler zu. In den USA verbucht der Aktienmarkt zum Teil sogar neue Rekorde.

Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der DekaBank warnt. „Die Nachrichtenlage ist zunehmend unterschiedlich.“ Nicht alles sei erfreulich. Den wieder aufgehellten wirtschaftlichen Daten stehen steigende Corona-Infektionen genauso gegenüber wie die verschärften politischen und wirtschaftlichen Spannungen zwischen den USA und China.

Dass Gold pro Feinunze erstmals mehr als 2000 Dollar kostet, mag Edelmetall-Enthusiasten freuen. Aber der Rekordpreis ist eben auch ein Krisensignal. Auch Jens Herdack von der Weberbank ist die Lage nicht geheuer. Die Großzügigkeit der Notenbanken, die Wirtschaft und Finanzmärkte mit Billionen-Schweren Anleihekäufen und Null- bis Negativzinsen stützen, wirke in Kombination mit den Hilfsprogrammen der Regierungen „wie ein Brandbeschleuniger für sämtliche Realwerte – also Immobilien, Aktien und eben auch Gold.“

Haben wir schon eine blasenähnliche Entwicklung? Herdack jedenfalls warnt vor Sorglosigkeit am Aktienmarkt. Investoren sollten selektiv und vorsichtig agieren.

„Deutlich besser ist nicht gleich gut“, heißt es bei der Landesbank Hessen-Thüringen. Die anhaltend hohen Infektionszahlen in den USA hätten zu neuerlichen Einschränkungen geführt. Das dürfte die wirtschaftliche Dynamik im zweiten Halbjahr bremsen.

Die Brüchigkeit der Lage zeigen auch die Buchungen bei der Lufthansa auf der Langstrecke. Wegen der weiter geltenden Reisebeschränkungen sind sie mehr als mau. Dabei kann nicht jede Geschäftsbeziehung über den großen Teich oder Richtung Asien auf Dauer nur virtuell über Videokonferenzen gehalten und ausgebaut werden.

Auch Michael Bissinger von der DZ Bank bleibt vorsichtig. Nicht mehr als 12 700 Punkte hat er zum Jahresende im Blick. „Kurse und Fundamentaldaten sind in den letzten Monaten deutlich auseinandergelaufen und die Bewertung ist stark angestiegen.“ Das wichtige Verhältnis von Kursen zu Gewinnen der Unternehmen notiere so hoch wie seit 18 Jahren nicht mehr. Die Milliarden der Notenbanken und Regierungen sorgten zwar für eine Abmilderung der Krise, förderten aber auch die Risikobereitschaft und den Optimismus der Investoren und Anleger. Die Bewertung der Aktienmärkte sei inzwischen stark gestiegen. ROLF OBERTREIS

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