Wo das Girokonto noch günstig ist

von Redaktion

VON WOLFGANG MULKE

Das Girokonto muss nicht teuer sein. Keine Kontoführungsgebühren und nur 6,50 Prozent Zinsen für den Dispokredit verlangt zum Beispiel die Online-Bank der Commerzbank, die Comdirect. Billiger geht es für Bankkunden im südöstlichen Teil Bayerns derzeit kaum. Das hat das Vergleichsportal Check24 ermittelt (siehe Grafik).

Erster Kontenvergleich mit TÜV-Siegel

Check24 hat als erster Anbieter einen vom TÜV zertifizierten Girokontenvergleich ins Netz gestellt. Damit wird eine gesetzliche Vorgabe umgesetzt. Verbraucher sollen sich leicht und verständlich ein Bild von den unterschiedlichen Konditionen der Banken, Sparkassen und Volksbanken in Deutschland machen können.

Bundesweit geht es noch günstiger

In der bundesweiten Spitzengruppe mit geringen Kosten finden sich neben der Commerzbank und ihrer Direktbank auch viele kleinere Institute wie die Liga Bank Regensburg oder die Ostseesparkasse in Rostock. Gemessen am Dispozins liegt die Volksbank Mindener Land vorne. Allerdings schrecken die jährlichen Kontoführungsgebühren von 177 Euro potenzielle Neukunden wohl eher ab. Da erscheint ein Konto bei der Sydbank schon attraktiver. Der Dispo wird hier mit 3,5 Prozent verzinst, Kontoführung und Karten sind kostenlos. Dass die Sydbank nicht an der Spitze liegt, könnte an den fehlenden kostenlosen Bargeldautomaten liegen.

Vergleich von 550 Kreditinstituten

„Verbraucher erhalten bei uns einen Überblick über Entgelte unterschiedlichster Kontomodelle“, sagt der für die Sparte bei Check24 zuständige Chef Rainer Gerhard. Der Überblick sei umfassend und transparent. Verfügbar sind die Angebote von 550 Instituten. Damit bleiben bei gut 1300 Banken in Deutschland zwar zahlenmäßig viele Geldhäuser außen vor. Doch alle großen Filialbanken, die meisten Direktbanken, große genossenschaftliche Institute und Sparkassen werden vom Portal erfasst.

Aufgeführt werden neben den Grundgebühren für die Kontoführung der Dispozins, Kosten für Kreditkarten oder für das Abheben von Bargeld. Auch die Zahl der Geldautomaten findet sich. Die Darstellung ist trotzdem übersichtlich geblieben. Das Angebot ist zudem kostenlos. Niemand muss sich registrieren lassen. Jede Abfrage bleibt anonym.

EU will für mehr Wettbewerb sorgen

Mit dem Zahlungskontengesetz hat Deutschland eine EU-Richtlinie umgesetzt. Darin wurde unter anderem auch das Recht auf ein Basiskonto für jedermann geregelt. Die EU erhofft sich vom leichten Vergleich der Konditionen für ein Girokonto mehr Wettbewerb zwischen den Banken. Denn damit ist es noch nicht weit her. Die Verbraucher in Deutschland wechseln ihre Hausbank selten. Bei der letzten Erhebung durch den Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentralen gaben gut 70 Prozent der Befragten an, dass sie mit ihrer Hausbank zufrieden sind. Nur zwei Prozent hatten in den zwölf Monaten zuvor die Hausbank gewechselt.

Dabei hat die Bundesregierung den Wechsel schon 2016 erleichtert. Es gibt eine Hilfestellung des Bundesverbraucherministeriums dazu. Viele Banken bieten Neukunden zudem eine kostenlose automatisierte Hilfe beim Wechsel an und informieren dabei beispielsweise die Geschäftspartner der Kunden, die Daueraufträge einziehen. So bleibt dem Verbraucher die umständliche Information seiner finanziellen Verbindungen erspart.

Kontovergleich muss neutral sein

Das zertifizierte Vergleichsangebot von Check24 ist zur Neutralität verpflichtet. Daran verdient das Portal auch nichts. Allerdings wirbt das Unternehmen auf der Webseite für einen zweiten Vergleich der Girokonten, der Check24 Provisionen einbringen kann. Klicken Verbraucherinnen oder Verbraucher den Button an, landen sie bei einem umfassenderen Vergleich von Konditionen für das Girokonto. Auch eine Bewertung der Bank findet sich dort und der Bankwechsel kann sofort eingeleitet werden. Für jeden Neukunden erhält das Portal dann eine Provision der Bank. Ob die Auswahl der hier gelisteten Institute neutral ist, lässt sich nicht prüfen.

Stephanie Heise, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale NRW sieht diese Verquickung kritisch. „Die zertifizierte Seite erweckt den Eindruck, als hätte Check24 insgesamt ein Gütesiegel erhalten“, befürchtet sie. Vielen Verbrauchern sei nicht klar, dass die offizielle Seite von Provisionen lebe.

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