In sechs Schritten an die Börse

von Redaktion

VON CORINNA SCHWANHOLD

Seit Jahren erhalten Bankkunden für ihr Erspartes kaum Zinsen. Aktien werden für viele deshalb attraktiver. Bevor es aber mit dem Wertpapier-Handel losgehen kann, benötigen Verbraucher ein Depot. Doch wie findet man ein geeignetes Angebot und worauf muss man achten?

Vereinfacht gesagt ist ein Depot ein Aufbewahrungsort etwa für Einzelaktien, Fondsanteile oder ETFs. Bekamen Kunden im analogen Zeitalter noch einen Sparbrief, den sie theoretisch zuhause aufbewahren konnten, gibt es heute eher digital verwaltete Wertpapiere. Diese landen im Depot und werden dort verwaltet. So kommen Anleger Schritt für Schritt zu ihrem Depot.

Schritt eins: Wahl der Bank

Ähnlich wie ein Girokonto können Verbraucher ihr Depot bei verschiedenen Banken einrichten. Sie werden bei der örtlichen Sparkasse oder Genossenschaftsbank ebenso fündig wie bei Online-Banken. „Hier gibt es kein richtig oder falsch“, sagt der Finanzexperte Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale. „Ebenso wie bei einem Girokonto sollte man sich unter anderem überlegen, ob einem persönliche Beratung wichtig ist oder nicht.“

Sparer, die sich von Bankangestellten beraten lassen möchten, sollten ihr Depot eher bei einer Filialbank einrichten. Wer sich sicher genug fühlt, Wertpapiere alleine zu kaufen oder mit einer telefonischen Beratung zufrieden ist, kann auch Kunde einer Direktbank oder eines Online-Brokers werden.

Schritt zwei: Gebühren vergleichen

Ein wichtiger Punkt ist der Preis für die Depotführung. Zwei Kostenpunkte sollte man dabei besonders im Auge haben: die Grundgebühr und Orderkosten. Gerade Filialbanken verlangen oft eine Grundgebühr beziehungsweise einen Mindestpreis für die bloße Depotführung. „Wer nur für 1000 Euro Aktien kauft und eine jährliche Grundgebühr von 50 Euro zahlt, muss fünf Prozent Rendite erzielen, um alleine diese Kosten zu decken“, sagt Scherfling. Sparer, die nur selten neue Wertpapiere kaufen, sollten daher auf eine niedrige Grundgebühr achten. Der zweite Kostenfaktor sind Orderkosten, die beim Kauf von Fondsanteilen, Aktien oder Zertifikaten fällig werden. „Das können etwa 0,5 oder ein Prozent des Werts sein“, sagt der Verbraucherschützer. Anleger, die oft neue Papiere kaufen möchten, legen ihren Fokus daher besser auf niedrige Orderkosten.

Schritt drei: Günstigste Konditionen finden

Beide Kostenfaktoren hat die Stiftung Warentest bei ihrem letzten Vergleich verschiedener Depots Ende 2019 berücksichtigt. Die Experten untersuchten, wie viel Kunden von Filial- und Direktbanken für die Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren zahlten. Verglichen wurden die Kosten für Depots mit unterschiedlichen Volumina. Auch die Zahl der Transaktionen, also der Käufe und Verkäufe von Wertpapieren, variierte. Das Ergebnis des Finanztests: „Die Spanne zwischen den billigsten Onlineanbietern und den teuersten Filialbanken ist riesig.“ Die Onvista Bank schnitt für alle Depotmodelle am günstigsten ab, obwohl sie die Preise für eine Wertpapierorder im Vergleich zum vergangenen Test angehoben hat. Auch der Discountbroker Flatex war laut Stiftung Warentest sehr günstig. Inzwischen ist das Angebot aber gewachsen.

Schritt vier: Preise kritisch hinterfragen

Generell fällt vor allem für Kunden von Direktbanken die Grundgebühr oft weg. Wer sein Depot dennoch lieber bei einer Filialbank eröffnen möchte, findet laut Stiftung Warentest bei der Targobank und Postbank die günstigsten Konditionen.

Bei vielen Hausbanken kommt man deutlich billiger weg, wenn man seine Wertpapierkäufe selbst online erledigt, anstatt sie von einem Berater durchführen zu lassen. Das bietet sich vor allem für Orders an, für die man keine Beratung benötigt. Es lohnt sich also in jedem Fall, die Preise der einzelnen Anbieter kritisch zu hinterfragen.

Schritt fünf: Gezielt nach Produkten fragen

Wichtig ist auch, sich gezielt nach Produkten zu erkundigen, die man später ordern möchte. Denn nicht alle Banken bieten Wertpapiere aller Handelsplätze wie inländischen Präsenzbörsen, elektronischen Handelsplattformen wie Xetra oder auch ausländische Börsen an. Gleiches gilt für sogenannte Fondssparpläne, bei denen Sparer nicht für einen bestimmten Einmalbetrag Wertpapiere kaufen, sondern jeden Monat eine bestimmte Summe einzahlen. „Wenn man einen ETF-Sparplan haben möchte und die Bank bietet das gar nicht an, hat man möglicherweise ein Depot umsonst eingerichtet“, sagt Verbraucherschützer Scherfling. Hat man sich erst einmal für einen Anbieter entschieden, sind die letzten Schritte schnell erledigt: Online oder in der Filiale können volljährige Kunden ihre Verträge für ein Depot ausfüllen und unterschreiben. Dabei müssen sie sich einmal mit einem Personalausweis oder Reisepass ausweisen.

Schritt sechs: Depot eröffnen

Bei Direktbanken lässt sich dieser Schritt normalerweise per Video-Identifikation oder Postident erledigen. Gemeint ist damit die Identifizierung etwa in einer Filiale der Post oder per Videochat.

Je nach Bank eröffnen Kunden zusammen mit dem Depot ein neues Verrechnungskonto. Auf diesem werden Käufe und Verkäufe von Wertpapieren verbucht. Bei einigen Banken ist auch eine Verrechnung mit dem eigenen Girokonto möglich.

Nach Unterschrift des Vertrags verfügen die meisten Kunden noch am gleichen oder dem nächsten Tag über ihr neu eröffnetes Depot. Der Kauf von Aktien oder Fondsanteilen kann beginnen.

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