Das Angebot des freundlichen Handwerkers klingt eigentlich gut: „Wir haben bei einem Ihrer Nachbarn Dacharbeiten erledigt und von oben gesehen, dass auch an Ihrem Dach etwas nicht in Ordnung ist. Lassen Sie uns doch schnell nachsehen. Das kostet Sie nichts.“ Doch Vorsicht: Solche Offerten sind oft Abzocke.
Wer sich auf solche Angebote einlässt, kann eine böse Überraschung erleben. Oft reißen unseriöse Handwerker Ziegeln vom Dach, sodass eine Notsituation entsteht, mit der viele Hausbesitzer überfordert sind. In Bayern wird das immer wieder zum Problem, vor allem in ländlichen Gebieten, weiß Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern. „Häufig bieten unseriöse Handwerker an der Haustür ihre Arbeiten viel zu teuer an“, sagt die Rechtsanwältin, „oder die Leistungen werden nicht fachgerecht erledigt. Dann sind oftmals Nacharbeiten notwendig. Und das kann sehr teuer werden.“
Dreiste Maschen sind polizeibekannt
Bei Handwerkerleistungen, die spontan an der Haustür angeboten werden, handelt es sich häufig um Dach- und Pflasterarbeiten. „Oft wird mit Schnäppchen oder Gratisangeboten gelockt, sofort angefangene Arbeiten dienen nur als Täuschung und werden nicht beendet“, beschreibt Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes die Masche. „Die Auftraggeber sollen jedoch für die bereits geleisteten Reparaturen zahlen.“ Haustürgeschäfte sind aus seiner Sicht generell keine Schnäppchen. „Die angebotenen Gegenstände, zum Beispiel Teppiche, Besteck, Schmuck oder Handwerkerleistungen, sind meist nur geringwertig oder gar wertlos“, warnt Schmidt. Bewohner sollten vermeintliche Vertreter, Verkäufer oder Handwerker am bestern erst gar nicht in die Wohnung lassen.
Immer eine zweite Meinung einholen
Ganz ausgeschlossen ist es aber nicht, dass auch seriöse Handwerker an der Haustür klingeln, sagt Jens Christopher Ulrich, Sprecher der Handwerkskammer für München und Oberbayern. „Grundsätzlich ist es ja gut, wenn einem Handwerker auffällt, dass zum Beispiel am Dach etwas nicht stimmt“, sagt er. „Aber eigentlich sind viele Handwerksbetriebe im Bereich Bau und Ausbau derzeit gut ausgebaut und akquirieren nicht auf diese Art.“ Hauseigentümer sollten sich deshalb grundsätzlich eine zweite Meinung einholen und sich nicht überreden lassen – vor allem, wenn einem der Betrieb nichts sagt. „Etwas anderes ist es, wenn man die Handwerker kennt: Zum Beispiel, wenn der Betrieb schon einmal Dacharbeiten an dem Haus vorgenommen hat und etwa nach einem Sturm anbietet, nach dem Rechten zu sehen.“
Widerrufsrecht scheitert häufig
Wer unterschreibt, hat rechtlich die Möglichkeit, den damit zustande gekommenen Vertrag zu widerrufen. „Verbraucher, die unaufgefordert von Handwerkern oder Dienstleistern aufgesucht werden und mit ihnen einen Vertrag abschließen, haben grundsätzlich ein Widerrufsrecht“, sagt Holger Freitag, Vertrauensanwalt des Verbands Privater Bauherren. Darüber müssten die Kunden auch informiert werden. „Erfolgte keine oder keine ausreichende Belehrung, verlängert sich die Widerrufsfrist neben den üblichen 14 Tagen nach Vertragsabschluss um zwölf Monate.“
In der Realität sieht das allerdings oft anders aus, sagt Verbraucherschützerin Tatjana Halm. „Theoretisch hat man zwar ein Widerrufsrecht und ein Gewährleistungsrecht – also das Recht, bei mangelhafter Leistung Nachbesserung zu fordern“, sagt sie. „Aber in der Regel scheitert das am fehlenden Kontakt zu den Handwerkern.“ Denn die würden bei getaner Arbeit oftmals verschwinden, ohne irgendwelche Daten zu hinterlassen.
Internet-Recherche kann sich lohnen
„Niemand sollte voreilig etwas unterschreiben, ohne den Text genau gelesen zu haben“, betont Harald Schmidt. „Am besten ist es, Nachbarn oder Bekannte als Zeugen dazuzubitten, denn mit der Unterschrift unter einen Vertrag wird ein verbindliches Rechtsgeschäft abgeschlossen.“
Und auch Tatjana Halm rät dazu, sich immer genug Zeit für die Prüfung des Betriebes zu nehmen. „Man sollte sich nie überrumpeln lassen“, sagt sie. „Verbraucher sollten immer prüfen, wo der Betrieb sitzt. Im Netz tauchen oft Bewertungen und Erfahrungen von anderen Kunden auf – genau so wie ein Preisvergleich.“ Würde der Handwerker drängeln, solle man erst recht nicht drauf eingehen. „Ein seriöser Handwerker würde das nicht tun.“