Zwischen Korrektur und leichter Zuversicht

von Redaktion

Noch zehn Tage dann gibt es auch für die Börse hoffentlich in einem Punkt Klarheit: Ein neuer US-Präsident kommt oder der alte bleibt. An den Finanzmärkten setzt man mittlerweile mehrheitlich auf Joe Biden. Aber noch bleibt Unsicherheit.

Mit Blick auf den Brexit wächst auch an der Börse mehr und mehr die Überzeugung, dass der Austritt letztlich ohne Vertrag über die Bühne gehen wird – zum Nachteil aller Beteiligten, vor allem aber der Briten selbst.

Mittlerweile ist aber die Corona-Pandemie zur größten Belastung auch für den Aktienmarkt geworden. Die Infektionszahlen steigen dramatisch. Alle reden von einem Impfstoff. Aber den gibt es allerfrühestens Anfang nächsten Jahres. Selbst dann wird es dauern, bis flächendeckend geimpft werden kann.

Diese Ungewissheit lastet auf der Konjunktur, auf den Unternehmen, verunsichert auch Verbraucher und berührt letztlich auch die Finanzmärkte. Nichts hassen Börsianer so sehr wie Unsicherheit. Folglich bewegt sich der Deutsche Aktienindex Dax weiter seitwärts mit Tendenz nach unten. Die Marke von 13 000 hat das Börsenbarometer erst einmal aus den Augen verloren. In der abgelaufenen Woche ging es um rund 250 auf knapp 12 650 Punkte nach unten, zwischenzeitlich waren es sogar nur noch 12 345 – und damit der tiefste Stand seit Ende September.

Es könnte noch weiter nach unten gehen. Gertraud Traud, Chef-Volkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen warnt vor einer „größeren“ Korrektur. Sie sieht eine zu große Gelassenheit bei vielen Anlegern. Robert Halver von der Baader Bank macht sich etwas weniger Sorgen. Ein „eng geknüpftes Auffangnetz gegen drohende Einbrüche“ bietet nach wie vor die „beispiellose Liquiditätsausstattung“ durch die Notenbanken. Außerdem verweist er auf die extrem niedrigen bis negativen Zinsen.

Tatsächlich wird die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrer großzügigen Geldpolitik nichts ändern. Volkswirte spekulieren, dass sie noch weitere Milliarden bereitstellen könnte. Am Donnerstag wird EZB-Präsidentin Christine Lagarde nach der Ratssitzung eine Orientierung geben.

Das gilt auch für die Flut der Quartalsberichte, die in den nächsten Wochen auf den Tisch gelegt werden. Bei Daimler waren die Zahlen bereits überraschend gut. Am Mittwoch öffnet die Deutsche Bank ihre Bücher. Ulrich Kater, Chef-Ökonom der Deka-Bank, schöpft aus den bisher vorgelegten Berichten Hoffnung. Die Unternehmen könnten wieder durchatmen. Die Börse setze auf eine Erholung im nächsten Jahr. „Damit bleiben Aktien mittelfristig aussichtsreiche Anlagen, selbst oder gerade wenn sie bis zum Jahresende noch einmal nachlassen könnten.“ Auch Sascha Rehbein von der Weberbank bleibt zuversichtlich, trotz der Gefahr einer kurzfristigen Korrektur. „Rücksetzer am Markt erhöhen unseren Risiko-Appetit.“ Die Aussichten hätten sich aufgehellt. ROLF OBERTREIS

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