Leider sind die Zeiten vorbei, in denen Opa, Oma oder andere wohlmeinende Verwandte für die Zukunft der jüngsten Generation Geld anlegen konnten, das sich dank Zinsen wie von selbst vermehrte. Aber auch in der aktuellen Niedrigzinsphase wollen Erwachsene den Sprösslingen ein finanzielles Polster schaffen, das einmal für Führerschein, Ausbildung oder Studium oder einen Auslandsaufenthalt geplündert werden kann.
Doch wie häuft man heutzutage am besten ein kleines Vermögen an? Die Zeitschrift „Finanztest“ hat die besten Kapitalanlagen ermittelt. Das Fazit: Eltern und Angehörige können zwischen sicheren Festgeldanlagen sowie etwas risikoreicheren Aktien- und ETF-Sparplänen wählen.
Erlaubnis der Eltern
Wer etwa als Oma, Opa, (Paten-)Tante oder Onkel einem Kind Geld schenken will, sollte dies vorher mit den Eltern absprechen, rät Alexandra Langmeyer vom Deutschen Jugendinstitut in München. Stehen die Eltern dem Geldpräsent – aus welchen Gründen auch immer – kritisch gegenüber, sollte man das akzeptieren. Geben Mutter und Vater ihren Segen für ein Bargeld-Geschenk, stellt sich die Frage, wie viel nun genau angemessen ist. „Pauschale Lösungen gibt es nicht, es kommt darauf an, wie viel man geben kann oder will“, stellt Langmeyer klar.
Sparen – aber wie?
Aber nicht nur Bares bietet sich als Geldpräsent an Weihnachten an. Denkbar ist auch, dem Kind einen Sparplan als Geschenk unter den Baum zu legen. Was dafür spricht: „Selbst mit kleinen monatlichen Beträgen von etwa 25 Euro lässt sich langfristig ein Vermögen aufbauen“, erklärt Dirk Stein vom Bundesverband deutscher Banken. Damit kann dann später zum Beispiel die erste eigene Wohnung finanziert werden. Außerdem, so Stein, werde das Kind durch das Geschenk „an die Finanzwelt herangeführt und lernt den Umgang mit Geld“. Je früher das geschehe, desto besser. Als Präsent bieten sich etwa klassische Banksparpläne an. Ihr Nachteil: Sie werfen derzeit kaum Zinsen ab. Im Test von August 2020 (test.de/sparplan) schnitt ein Sparplan der Denizbank mit einer Mindestrendite von einem Prozent im Jahr am besten ab.
Daneben gibt es Aktienfonds-Sparpläne – mit Chancen auf höhere Renditen. Günstiger sind ETF-Sparpläne. ETF – die drei Buchstaben stehen für Exchange Traded Funds, also über die Börse gehandelte Fonds. „Bei ETF-Sparplänen fallen deutlich geringere Verwaltungsgebühren als bei Aktienfonds-Sparplänen an“, erklärt Stein. Die ETF, die einen weltweit breit streuenden Aktienindex abbilden, bieten gute Renditechancen – allerdings nicht ohne Risiko. Aber das ist weniger groß, als viele meinen.
Anlagezeitraum
Denn entscheidend ist aus Sicht von „Finanztest“ der Anlagehorizont. Wer 18 Jahre Zeit hat, ist mit einem ETF-Sparplan gut beraten und muss zeitweilige Kursverluste nicht fürchten. Denn trotz Crashs wie im Jahr 2000 oder der Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 stieg der Aktienmarkt in den vergangenen 20 Jahren im Schnitt um jährlich knapp sieben Prozent. Eltern und Angehörige können binnen 18 Jahren also ein stattliches Vermögen für den Nachwuchs ansparen, wenn sie zeitweilige Verluste einfach aussitzen.
Eigenes Kinder-Konto?
Legt man das Geld auf den Namen des Kindes oder auf den eigenen an? Das muss man sich gut überlegen, denn beide Varianten haben Vor- und Nachteile.
Auf den Namen des Kindes angelegt, bleiben Kapitalerträge 2020 bis 10 245 Euro steuerfrei. Ist das Kind volljährig und beantragt Bafög, muss es zuerst sein Vermögen oberhalb der Grenze von 8200 Euro aufbrauchen. Von Eltern angespartes Vermögen würde dabei keine Rolle spielen. Auch bei der Familien-Krankenversicherung könnten eigene Kapitaleinkünfte über 6261 Euro (Stand 2020) hinderlich sein.
Wichtig zu wissen: Wird auf den Namen des Kindes gespart, gehört das Geld ausschließlich dem Kind. Erwachsene dürfen es nur verwalten. „Auch wenn das Kind minderjährig ist, können Eltern nicht einfach über das Kinderdepot verfügen, als wenn es ihr eigenes wäre“, sagt Stein. Ab dem 18. Geburtstag kann das Kind mit dem Geld machen, was es will.
Was Versicherer bieten
Die Anlage-Angebote der Versicherer – Kinderpolicen oder Ausbildungsversicherungen– sind nach Meinung der Experten keine gute Wahl, sie raten von Kombipolicen aus Geldanlage und Versicherung ab. Sie seien unflexibel und fast immer zu teuer. Besser sei es, wenn Eltern eine Risikolebensversicherung haben, die ihr Kind absichert, falls ihnen etwas zustößt.
Und wie steht’s mit speziellen Kinderprodukten? Für die haben sich Anbieter putzige oder fetzige Namen ausgedacht, wie Oskar, Goldi oder den Ökoworld Rock’n’Roll-Fonds. Bei solchen Produkten missfielen den Testern die hohen Kosten.
Festgeld und Sparbuch
Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, der kann eine Festzinsanlage auf den Namen eines Kindes abschließen. Viel mehr als ein Prozent Zins pro Jahr gibt es für Festgeld mit Laufzeiten zwischen fünf und zehn Jahren aber nicht. Statt Bargeld oder Sparplan kann auch ein klassisches Sparbuch für ein Kind unter dem Weihnachtsbaum liegen, auf das der Schenkende schon eine Einzahlung getätigt hat. Was die Sache attraktiv machen kann: Einige Banken bieten Zinsaufschläge oder Bonuszahlungen an, falls das Sparbuch auf den Namen eines Kindes läuft. Der Schenkende könnte danach regelmäßig – etwa zu Anlässen wie Geburtstag, Kommunion oder Konfirmation – für das Kind Geld einzahlen.