Rendite mit gutem Gewissen

von Redaktion

Das Geschäft mit nachhaltigen Geldanlagen boomt. In Fonds dieser Art fließt so viel Kapital wie nie. Doch tragen nachhaltige Geldanlagen überhaupt dazu bei, dass sich etwas verändert? Klares Ja, schreibt die Zeitschrift „Finanztest“ in ihrer Januar-Ausgabe – auch wenn der Einfluss nicht immer auf der Hand liegt. So entfalte die Geldanlage in Aktienfonds zum Beispiel ihre Wirkung anders als die in eine grüne Anleihe oder eine geschlossene Beteiligung an einem Windpark.

Ethische Banken

Wer Sparguthaben bei einer nachhaltigen Bank anlegt, etwa als Tages- oder Festgeld, trägt auf zwei Arten zu Veränderungen bei. Die Banken vergeben das Geld der Kunden zum Beispiel als Kredit an soziale Einrichtungen oder Biobauernhöfe. Die GLS Bank etwa hat rund 56 000 Hektar Anbauflächen für die Ökolandwirtschaft finanziert. Auch Privatleute bekommen Kredite, nicht aber Unternehmen wie Waffenproduzenten, Kohlekraftwerke und Atomkraftwerksbetreiber. Mit Geld, das die Institute nicht als Kredit vergeben, kaufen sie zum Beispiel Aktien oder Anleihen.

Aktienfonds

Viele Anleger legen in Aktienfonds an. Sie wollen kein Geld mit Waffen, Kinderarbeit oder anderen umstrittenen Geschäften verdienen. Doch nur weil Kohle- oder Rüstungskonzerne bei manchen Fondsanbietern auf der Ausschlussliste stehen, sind sie ja nicht weg. Kann das Investment trotzdem dazu beitragen, dass die Welt besser wird? „Finanztest“ zitiert Gunter Schaefer, Kommunikations- und Marketingchef bei der Fondsgesellschaft Ökoworld, einer Pionierin im Bereich nachhaltige Geldanlagen. Er sagt: „Mit ethisch-ökologischen und sozialen Investments werden Weichen gestellt.“ Er vergleicht das etwa mit fleischloser Ernährung. „Erst einmal machen es nur wenige, ehe es Trend wird.“ Ökoworld legte Mitte der 90er Jahre, als Nachhaltigkeit noch Nischenthema war, den Ökovision Classic auf. Heute wirft die Finanztest-Fondsdatenbank im –Internet (test.de/fonds) mehr als 1000 nachhaltige Fonds aus. Auch das Thema Impact ist dort angekommen.

Auf den Trend setzt auch die Fondsgesellschaft Deka. Ihr Fonds Deka Nachhaltigkeit Impact Aktien etwa (ISIN: LU 210 958 819 9) ist seit Juni 2020 am Markt. Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka, erläutert in der aktuellen „Finanztest“-Ausgabe, wie Börsenkäufe wirken: „Wenn viele Anleger die Aktien eines Unternehmens kaufen, steigen die Kurse.“ Wenn das Unternehmen neue Aktien ausgibt und sich Geld an der Börse beschafft, bekommt es so mehr Kapital, das es in die Entwicklung neuer umweltfreundlicher Produkte stecken könnte.

Auch mit Florian Koss, Leiter Kommunikation und Marketing bei der Triodos Bank, hat die Zeitschrift gesprochen. Er nennt einen weiteren Effekt steigender Kurse: „Die Vergütung der Manager hängt davon ab.“ Je höher der Kurs, desto besser das Gehalt. „Inzwischen sind sogar Nachhaltigkeitsaspekte selbst Gegenstand der Zielvereinbarungen“, ergänzt Koss. Das stärkt den Anreiz weiter.

Im Nachhaltigkeitstest hat der globale Aktienfonds Triodos Global Equities Impact (LU 027 827 195 1) vier Punkte, das ist die zweithöchste „Finanztest“-Bewertung. Einen hohen Stellenwert hat bei Triodos das Engagement, das Abstimmungsverhalten auf Hauptversammlungen sowie der Dialog mit den Unternehmenslenkern. Da geht es um die Vermeidung von Plastik ebenso wie um Umweltrisiken bei der Herstellung von Batterien. Um für die Anteilseigner mehr Einfluss zu nehmen, schließen sich oft mehrere Anbieter zusammen. „Triodos zum Beispiel hat die Plattform Living Wages mitgegründet, die für existenzsichernde Löhne kämpft“, sagt Koss.

Grüne Anleihen

Geben Unternehmen neue Anleihen aus, fließt ihnen das Geld daraus direkt zu. Normalerweise ist es nicht zweckgebunden. Bei manchen Anleihen, Green Bonds und Social Bonds, ist das anders. Sie finanzieren gezielt ökologische oder soziale Projekte. Staatliche Einrichtungen oder Unternehmen geben sie heraus. Diese müssen selbst nicht grün sein. Einer der größten Green-Bond-Emittenten ist der französische Versorger und Atomkraftwerksbetreiber EdF. Das Geld nutzt EdF etwa für Windparks.

Für den Rentenfonds Erste Responsible Bond Global Impact der österreichischen Gesellschaft Erste Asset Management (AT 000 0A1 EK4 8) kommen die Anleihen nicht infrage. Fondsmanager Martin Cech sagt in „Finanztest“: „Wir schauen uns vorgelagert den Emittenten an. Verstößt das Unternehmen gegen unsere Nachhaltigkeitskriterien, kaufen wir nicht, selbst wenn die Anleihe noch so grün ist.“

Geschlossene Fonds

Über Investmentfonds hinaus gibt es Angebote ganz anderer Art, mit denen sich Anleger sogar direkt an grünen Projekten wie Wind- oder Solarparks beteiligen können. Sie sind oft sehr riskant. Bei geschlossenen Fonds oder Alternativen Investmentfonds (AIF) müssen Anleger hohe Mindestsummen investieren, können schwer vor Laufzeitende aussteigen und tragen Risiken bis zum Totalverlust.

Es gibt auch Unternehmen, an denen sich Bürger beteiligen können, um vor Ort zum Beispiel einen Windpark zu bauen und zu betreiben. Bei einer Analyse von sechs Angeboten für vier Windparks fand „Finanztest“ 2018 aber Haken, wie Risiken durch hohe Kredite.

Crowdfunding

Über Crowdfunding-Plattformen im Internet können Anleger Projekten für erneuerbare Energien, dezentrale Energieversorgung oder Maßnahmen zum Energiesparen Geld zur Verfügung stellen, in der Regel als nachrangige Darlehen über mehrere Jahre. Im Insolvenzfall stehen sie hinter erstrangigen Gläubigern. Meist bleibt nichts für sie übrig. Interessierte sollten streuen und kleine Beträge auf mehrere Projekte verteilen. Einige nicht empfehlenswerte Geldanlageangebote mit grünem Anstrich stehen auf der Warnliste Geldanlage.

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