Ruhe statt Remmidemmi

von Redaktion

VON LAURA FELBINGER

Marienplatz, Friedensengel, Gärtnerplatz: Die üblichen Feier-Hotspots sind menschenleer. An ihren Ständen warten gelangweilte Taxler, die Kundschaft bleibt aus. Wo man hinsieht: freie Straßen –nur Streifenwagen drehen ihre Runden. Eine gespenstische Szenerie mitten in der Silvesternacht. Ruhe statt Remmidemmi. Vor einem Jahr hätte sich das so niemand ausgemalt. Um Mitternacht sind dann doch Böller zu hören, vereinzelt erhellen Raketen den Nachthimmel. Vor allem außerhalb des mittleren Rings, wo die Knallerei auf privatem Boden erlaubt ist: wenigstens ein Hauch von Silvester. Einige Münchner verabschieden sich offenbar besonders gern vom Pandemie-Jahr. Endlich Schluss damit und Hoffnung auf Besserung. Auf dem Olympiaturm steht in leuchtenden Buchstaben: „#Lichtblick 2021“ – was würde besser passen?

Damit sich alle an Ausgangssperre und Böllerverbot hielten, war die Polizei mit rund 1400 Beamten im Einsatz. Es war „eine weitestgehend ruhige Nacht“, sagt Sprecher Gordon Winkel. Trotzdem rückten die Beamten zu über 600 Einsätzen aus, im Vorjahr waren es über 650. Um die Böllerei ging es heuer 43 Mal (Vorjahr: 78), wobei es in nur vier Fällen tatsächlich etwas zu beanstanden gab. Ansonsten war die Polizei 130 Mal wegen Ruhestörungen im Einsatz – und somit deutlich öfter als im Vorjahr (47). Wenige Sachbeschädigungen (drei) und Verkehrsunfälle (acht) sind zu verzeichnen, und auch wegen Körperverletzung mussten die Beamten nur halb so oft wie im Vorjahr ausrücken – immerhin ein Dutzend Mal. Dafür waren Verstöße gegen die Infektionsschutz-Regeln an Silvester 2019/2020 noch kein Begriff: 225 Fälle wurden diesmal angezeigt. 160 davon betrafen die Ausgangssperre, 60 die Kontaktbeschränkungen.

Denn auch an Silvester galt: Drinnen bleiben und Ruhe bewahren – und auch das nur eingeschränkt. Treffen durften sich höchstens fünf Erwachsene aus zwei Haushalten. Nach 21 Uhr durften die Münchner ihre Wohnungen nur in Ausnahmefällen verlassen. Große Partys waren so natürlich nicht möglich – und haben laut Polizei in der Stadt auch nicht stattgefunden.

Für die Feuerwehr war dieses Silvester deshalb besonders entspannt. 271 hauptberufliche Brandbekämpfer waren im Dienst, die Freiwillige Feuerwehr wurde bei Bedarf zusätzlich alarmiert. Im Jahr zuvor hatte die Feuerwehr 116 Klein- und Großbrände in der Stadt verzeichnet. Dieses Mal waren es lediglich 17 Kleinbrände, etwa brennende Mülltonnen. Zudem stand einmal ein Christbaum in Flammen und zweimal gab es einen Brand auf einem Balkon.

Das Verbot großer Silvesterpartys war zwar schade, hatte aber insofern etwas Gutes, als es laut Feuerwehr deutlich weniger Verletzte gab. Die Zahl der Notfalleinsätze ist mit 285 im Vergleich zu 432 Einsätzen im Vorjahr deutlich gesunken. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) vermeldet ebenfalls mit 5222 Einsätzen einen erheblichen Rückgang um 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Eine Überlastung des Rettungsdienstes und der Notaufnahmen konnte laut BRK erfolgreich verhindert werden – da zur Zeit viele Corona-Patienten versorgt werden müssen, ist es wichtig, dass das Gesundheitssystem nicht zusätzlich belastet wird. Die Sanitäter mussten unter anderem deutlich weniger wegen stark alkoholisierter Personen ausrücken.

Ein Ausnahmefall – wenn auch ein ziemlich beeindruckender – ist da der gehunfähige 40-jährige Pole, den die Bundespolizei bereits am Silvesternachmittag mit 4,59 Promille am Hauptbahnhof aufgriff.

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