Honig ist mit Abstand das Bekannteste, aber nicht das einzige Bienenerzeugnis, das der Mensch als Nahrungs- oder Nährstoffquelle nutzt. Wer sich in Drogerien oder im Internet umsieht, findet Nahrungsergänzungsmittel, die Propolis enthalten, Gläser voll Blütenpollen und Ampullen mit Gelée Royale.
Bei der Frage nach dem Nutzen dieser Bienenprodukte prallen oft Welten aufeinander: Auf der einen Seite gibt es mit Verweis auf die hochwertigen Inhaltsstoffe viel Zuspruch, auf der anderen Seite steht die wissenschaftliche Realität, die auf das Fehlen belastbarer Studienergebnisse verweist. Aus diesem Grund hat die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA bislang keinerlei Aussagen zu gesundheitlichen Wirkungen dieser Produkte zugelassen.
Beispiel Propolis: Dabei handelt es sich um eine harzähnliche, mit Wachs, Pollen und Speichelsekreten der Bienen angereicherte Substanz. Im Bienenstock kommt sie als klebriges Baumaterial zum Abdichten und zur Abwehr von Pilzen und Bakterien zum Einsatz. Auch im Labor lässt sich der wachstumshemmende Effekt auf verschiedene Mikroorganismen nachweisen.
Studienbelege für eine ähnliche Wirkung im menschlichen Körper, wie sie in naturheilkundlichen Ratgebern verbreitet werden, sind jedoch rar. Werbeaussagen wie „stärkt die körpereigene Abwehr“ oder „wirkt gegen Entzündungen der Atemwege“ sind deshalb unzulässig.
Ähnliches gilt für den Futtersaft der Bienenköniginnen, Gelée Royale genannt, der gerne als besonders kostbarer Schatz der Natur vermarktet wird. Ihm werden allerlei Wirkungen zugeschrieben: Gelée Royale soll als Anti-Aging-Mittel wirken, Fruchtbarkeit und Libido erhöhen, das Immunsystem stärken, Haut- und Herzgesundheit fördern und Wechseljahresbeschwerden mildern. Nichts davon ist ausreichend wissenschaftlich belegt.
Der Mythos fußt vielmehr auf der Beobachtung, dass die von den Ammenbienen aus Honig und Pollen produzierte Flüssigkeit das außergewöhnlich lange Leben der Königin überhaupt erst ermöglicht und auch ihre Fähigkeit, über 1000 Eier täglich zu legen. Die im Saft enthaltenen Bienenhormone sind beim Menschen allerdings wirkungslos.
Gelée Royale wird erst seit einigen Jahrzehnten als Nahrungsergänzung genutzt und mittlerweile überwiegend in China gewerblich produziert. Dafür wird die Königin aus dem Bienenvolk entfernt, was die Ammenbienen zur Aufzucht einer neuen veranlasst. Deren Larven werden regelmäßig entfernt und das Gelée abgesaugt. Das bedeutet viel Stress für das Bienenvolk, weshalb naturnah arbeitende Imker die Erzeugung von Gelée Royale eher ablehnen.
Zur Ernte von Blütenpollen bringen Imker einen speziellen Vorsatz am Eingang des Bienenstocks an, durch den die einfliegenden Bienen einen Teil der als Nahrung für ihr Volk gesammelten Pollen verlieren. Diese Pollen werden meist in Gläschen zum Beispiel als Zusatz für Müslis oder Salate angeboten. Ihre Zusammensetzung schwankt, je nachdem, von welchen Pflanzen die Pollen stammen. Sie enthalten jedoch genug Eiweiß, um sich „Proteinquelle“ nennen dürfen. Hält man sich an die täglich empfohlene Verzehrmenge von maximal zwei Teelöffeln, ist ihr Beitrag zur Nährstoffdeckung jedoch gering.