Mehr als 37 Millionen Kreditkarten sind derzeit in Deutschland im Umlauf. Nicht alle sind wirklich zu empfehlen. Die Zeitschrift „Finanztest“ hat in ihrer März-Ausgabe für 28 weit verbreitete Kreditkarten ohne Premiumleistungen berechnet, was der Karteneinsatz die Nutzerinnen und Nutzer im Jahr kostet. Fazit: Die Spanne reicht von 0 bis 136 Euro.
Verglichen haben die Finanztester anhand von zwei Modellkunden: Die Standardnutzerin setzt ihre Kreditkarte hauptsächlich für Einkäufe im Internet ein, bezahlt aber auch im Laden damit. Der Reisende nutzt die Karte hauptsächlich während Aufenthalten im Ausland zum Bezahlen und Geldabheben.
Kontaktlos zahlen
Eine Kreditkarte ist neben der Girocard (früher ec-Karte) eine Möglichkeit, bargeldlos zu bezahlen. Mit allen Karten im Test kann man auch kontaktlos bezahlen – also die Karte im kurzen Abstand vor das Kassenterminal halten. Ab 50 Euro – bei der Targobank ab 75 Euro – braucht man die Geheimzahl (Pin).
Neue Regeln ab März
Sehr viele Onlinehändler bieten Kreditkartenzahlung an. Dafür gibt man bisher Kartennummer, Ablaufdatum und Prüfnummer ein. Ab Mitte März 2021 müssen Onlinehändler eine zusätzliche Sicherheitsprüfung durchführen. Das kann zum Beispiel eine Transaktionsnummer (Tan) sein, die man aufs Handy bekommt. Ihren größten Vorteil spielt die Kreditkarte bei Auslandsreisen aus. Fast überall auf der Welt kann damit bezahlt oder Geld abgehoben werden.
Kosten
Kreditkartenanbieter berechnen meist eine Jahresgebühr und auch fürs Geldabheben am Automaten oder im Ausland mit fremder Währung fallen normalerweise Gebühren an. Außerdem hat Finanztest bei Deutsche Bank, Norisbank, Postbank und Targobank eine Wechselkursgebühr im Preisverzeichnis gefunden.
Die fünf besten
Fünf Karten im Test stechen positiv hervor, weil sie kostenlos oder sehr preiswert im Einsatz sind: die Visa-Card der DKB, die Visa World Card von ICS, die Visa-Karte von Barclaycard, die Genialcard der Hanseatic Bank und die Deutschland-Kreditkarte Classic von Paysol.
An den beiden oben genannten Finanztest-Modellfällen wird deutlich, dass sich die Suche nach einer günstigeren Karte lohnen kann. Im besten Fall lassen sich mehr als 100 Euro im Jahr sparen. Zum Beispiel, wenn statt der Mastercard Standard der Deutschen Bank eine der fünf empfehlenswerten Kreditarten zum Einsatz kommt.
Regionalbanken
Im Test sind keine Karten von Sparkassen und Volksbanken. Sie sind dort an ein Girokonto geknüpft. Zur monatlichen Kontoführungsgebühr kommt häufig ein jährlicher Grundpreis für die Kreditkarte zwischen rund 25 und 40 Euro, selten weniger. Vor allem auf Reisen ist Abheben an Geldautomaten mit etwa 2 Prozent und mindestens 5 Euro oft teuer.
Zahlungsaufschub
Bei den gängigen Kreditkarten in Deutschland zieht der Anbieter die Umsätze nur einmal im Monat per Lastschrift vom Girokonto ein. Kreditzinsen verlangen die Anbieter während dieses etwa vierwöchigen Zahlungsaufschubs nicht (Chargecard).
Sofort belastet wird im Test das Konto nur bei der Visa Card der Consorsbank, der ING Visa Card und der N26 Mastercard (Debitkarten). 19 Kreditkarten im Test bieten den Nutzern eine flexible Rückzahlung ihrer Umsätze an, bei acht von ihnen ist sie im Kartenantrag voreingestellt. Es wird nur ein Teilbetrag der Umsätze eingezogen. Der Zahlungsaufschub ist teuer, denn für den restlichen Betrag werden Zinsen von bis zu rund 19 Prozent ab dem Tag der Transaktion fällig. Die Teilzahlung kann man meist im Onlinebanking selbst auf den vollen Ausgleich umstellen.
Das geht aber nicht bei allen Kreditkarten. Im Test sind das die Mastercard Gold der Advanzia Bank und der TF Bank sowie die 1 plus Visa Card der Santander Consumer Bank. Mancher kommt damit klar, die Kartenumsätze selbst zum vorgegebenen Termin zu begleichen. Alle anderen können die Zinsen teuer kommen. Bei Advanzia, TF Bank und auch Targobank fallen bei Bargeldabhebungen immer Zinsen bis zum Ausgleich der Rechnung an.
Haftung
Im Schadensfall haftet der Kunde bis zur Sperre der Kreditkarte mit höchstens 50 Euro, danach nicht mehr. Manchmal entfällt die Selbstbeteiligung, wenn Kreditkarteninhaber nicht grob fahrlässig gehandelt haben. Unberechtigte oder irrtümliche Buchungen können unter Umständen im Chargeback-Verfahren zurückgefordert werden (test.de/chargeback).