Die Schufa, die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, hat großen Einfluss darauf, ob Menschen ein Auto finanzieren, Möbel auf Raten zahlen dürfen oder ob ein Mobilfunkanbieter mit ihnen einen Vertrag abschließt. Die Schufa weiß nach eigenen Angaben von 68 Millionen Menschen in Deutschland, wie viele Girokonten, Kreditkarten oder Handyverträge sie jeweils haben. Sie weiß, wie viele Kredite laufen. Sie weiß auch, wer in der Vergangenheit Zahlungsschwierigkeiten hatte. Die Zeitschrift „Finanztest“ klärt in ihrer jüngsten Ausgabe (Heft 4/2021) wichtige Fragen zur Schufa.
Woher holt die Schufa ihre Informationen?
Rund 10 000 Vertragspartner, darunter Banken, Versandhändler, Mobilfunkanbieter und Energieversorger, melden der Schufa zum Beispiel Girokonten, Kreditkarten, Kredite und andere Verträge. Das ist rechtens, wenn die Kunden zuvor eingewilligt haben. Das tun sie etwa, wenn sie den Antrag auf Eröffnung eines Girokontos oder einen Stromliefervertrag unterschreiben. Die Schufa nutzt zudem auch Daten aus Schuldnerverzeichnissen und Insolvenzbekanntmachungen. Die Schufa speichert persönliche Daten wie Name, Geburtsdatum, Adresse und auch vorherige Wohnadressen.
Was halten Verbraucherschützer von dem Vorgehen?
Die Zeitschrift „Finanztest“ kritisiert: Wer die Zustimmung verweigert, bekommt im Zweifelsfall den Vertrag nicht. Die Einwilligung – im Volksmund „Schufa-Klausel“ – ist in den Verträgen nicht immer deutlich zu erkennen. Deshalb können sich Verbraucher oft nicht erinnern, dass sie der Datenweitergabe zugestimmt haben.
Was macht die Schufa mit den Daten?
Sie berechnet aus den meisten Daten einen Zahlenwert in Prozent, den sogenannten Score. Er beschreibt nicht das Zahlungsverhalten der jeweiligen Person, sondern das einer Gruppe, der die Person laut Schufa angehört. Trotzdem wird der Score herangezogen, um das individuelle Risiko zu bewerten, dass jemand nicht zahlt. Je höher der Score ist, desto besser.
Wie erfährt man, welchen Score man hat?
Verbraucher erfahren auf Anfrage ihren Basisscore, der eine branchenübergreifende Bonität ausdrückt. Viel wichtiger sind aber spezielle Branchen-Scores oder individuelle Scores, die die Schufa tagesaktuell berechnet und ihren Vertragspartnern zur Verfügung stellt. Sie können vom Basis-Score abweichen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass jemand den Baufinanzierungskredit zurückzahlt, muss nicht der Wahrscheinlichkeit entsprechen, dass er eine Rechnung beim Versandhandel bezahlt. Die Vertragspartner der Schufa können den Score anfordern, wenn sie ein berechtigtes Interesse haben, wie eine Bank.
Wie bewertet „Finanztest“ dieses Vorgehen?
Die Experten kritisieren: Die branchenspezifischen Scores bekommen Verbraucher nur, wenn sie für die Bonitätsauskunft der Schufa 29,95 Euro bezahlen. In der einmal im Jahr kostenlosen „Datenkopie“ nach Artikel 15 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) stehen nur Branchen-Scores, die Firmen in den vergangenen zwölf Monaten angefragt und die Schufa an sie übermittelt hat.
Welche Daten nutzt die Schufa für den Score?
Die Schufa nutzt Daten wie Geburtsdatum, Geschlecht und Anzahl der Voranschriften, um den Score zu ermitteln. Auch Finanzdaten wie Girokonten, Kreditkarten, Mobilfunkverträge fließen ein. Hinzu kommen Kreditaktivitäten im vergangenen Jahr, die Höhe der in Anspruch genommenen Kredite, der Zeitpunkt, seit wann Kredite genutzt werden und Zahlungsstörungen. Die Anschrift spielt laut Schufa nur eine Rolle, wenn sie keine kreditrelevanten Informationen von einer Person hat und ein Unternehmen trotzdem einen Score möchte. Informationen über nicht vertragsgemäßes Verhalten können ein durch die Bank gekündigter Kredit, Zahlungsausfälle oder Informationen aus öffentlichen Schuldnerverzeichnissen sein.
Was sagen die Finanzexperten dazu?
Sie sehen das Vorgehen kritisch. Denn wie die Schufa die Kreditwürdigkeit berechnet, bleibt geheim. Das hat auch der Bundesgerichtshof so bestätigt (Az. VI ZR 156/13). Es reiche, wenn sie Auskunft erteile, welche personenbezogenen und kreditrelevanten Daten in die Berechnung eingeflossen seien. Verbraucherschützer kritisieren, dass Kunden weiterhin keine Möglichkeit haben zu prüfen, ob dem Urteil der Schufa eine Fehlannahme zugrunde liegt.
Wenn die Kreditkarte oder der Dispokredit gesperrt wurden, sind dann immer die Schufa-Daten schuld?
Die Daten sind zumindest ein Bestandteil der Entscheidung einer Bank. Es ist empfehlenswert, hartnäckig nach dem Grund zu fragen oder gleich eine Eigenauskunft bei der Schufa einzuholen. Darauf hat jeder Mensch laut der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) Anspruch. Einmal im Jahr muss die Schufa kostenlos Auskunft geben. Wenn falsche Daten enthalten sind, muss sie sie umgehend korrigieren.
Was passiert, sofern der Fehler nicht sofort behoben wird?
Vor einem halben Jahr hat „Finanztest“ berichtet, dass einer Frau aufgrund einer falschen Meldung eines Energieversorgers an die Schufa von einem Tag auf den anderen der Dispositionskredit und die Kreditkarte gekündigt wurden. Den Fehler behob das Unternehmen zwar nach acht Tagen – da waren die Kündigungen aber schon ausgesprochen.
Kann ich selbst darüber bestimmen, wie lange die Schufa meine Daten speichert?
Die DSGVO regelt nichts Genaues. Auskunfteien dürfen Daten speichern, solange es „erforderlich“ ist. Alle Auskunfteien in Deutschland haben sich auf einheitliche Löschfristen geeinigt. Girokonten, Kreditkarten, Rahmenkredite, Mobilfunk- und Stromverträge bleiben gespeichert, solange die Geschäftsbeziehung besteht. Anfragen, wie zu Kreditkonditionen oder Kreditkarten, bleiben zwölf Monate gespeichert. Daten über Insolvenzverfahren sowie Kredite bleiben ab dem Tag, an dem sie beendet oder zurückgezahlt sind, noch weitere drei Jahre im Datenbestand. mm