Sparschwein auf dem Dach

von Redaktion

VON MATTHIAS KUTZSCHER

Renditen von bis zu fünf Prozent sind heute nicht leicht zu erreichen. Allenfalls Aktien werfen so viel ab, doch das ist mit gewissen Risiken verbunden, die viele Anleger nicht eingehen möchten. Hausbesitzer haben eine Ínvestment-Alternative: Ihr Dach.

Was ist Photovoltaik?

Sonnenwärme sammeln und in Energie umwandeln: so funktioniert Photovoltaik. Dabei sind die Solarzellen, die in Reihe geschaltet größere Flächen ergeben, die sichtbaren Elemente der Anlagen. Die Module oder „Panels“ bestehen aus Halbleitern, die aus eng geschichtetem Silizium hergestellt werden. Fällt Sonnenlicht auf diese Schichten, baut sich dazwischen wie in einer Batterie Spannung auf – Strom fließt. Ein Wechselrichter, der quasi als Maschinenraum fungiert, wandelt die Elektrizität dann von Gleich- in Wechselstrom um. Und der kommt bei uns aus der Steckdose.

Von Photovoltaik zu unterscheiden ist die Solarthermie. Auf Dächern sieht man neben Solarzellen häufig auch Solarthermieanlagen. Diese produzieren jedoch keinen Strom, sondern Heizenergie. Dabei erwärmen die Sonnenstrahlen in dünnen Rohren der Kollektoren eine Flüssigkeit soweit auf, dass Dampf entsteht, der im Haus genutzt werden kann. Hierzulande reicht die Kraft der Sonne zwar nicht aus, um nur mit Solarthermie das ganze Jahr zu heizen. Im Frühling und Sommer lässt sich aber zumindest Warmwasser fast ausschließlich auf diese Weise erzeugen.

Rendite

Es ist der Mix aus fallendem Finanzaufwand, gesparten Stromkosten und Einspeisevergütung, der die Rendite bestimmt. So haben sich die Preise für Solaranlagen in den vergangenen zehn Jahren halbiert. Das hat das Solar Cluster Baden-Württemberg e.V. Anfang 2021 ermittelt. Für eine Komplettanlage bis zehn Kilowattstunden Leistung müssten heute nur noch im Schnitt 1200 Euro pro Kilowattstunde kalkuliert werden. Hinzu kommen die geringeren Stromgestehungskosten: Neue Anlagen produzieren der Klimaschutzagentur Niedersachsen zufolge eine Kilowattstunde für etwa 15 Cent. Wer Energie für Herd, Waschmaschine oder Licht vom Stadtwerk bezieht, muss zwölf bis 15 Cent mehr überweisen.

Addiert man die Einspeisevergütung hinzu, mit der der Staat erneuerbare Energien fördert, kann sich nach Berechnungen des Solar Clusters Baden-Württemberg eine jährliche Rendite von fünf Prozent ergeben. „Die Investition ist nach rund 15 Jahren über die Einspeisevergütung und den geringeren Bezug von Strom aus dem Netz abgezahlt“, sagt Franz Pöter, Geschäftsführer von Solar Cluster. „Danach liefert sie mindestens für weitere zehn bis 15 Jahre günstigen Strom.“

Strompreis

Für die Wirtschaftlichkeit einer Anlage ist der Strompreis entscheidend. In den vergangenen Jahren sind die Energiekosten kontinuierlich nach oben gegangen (siehe Tabelle). Weiter so stark werden die Preise aber wohl nicht steigen. Zum einen gehen die Kosten für die Energiewende runter, denn immer mehr ältere Anlagen fallen aus der Förderung und reduzieren damit die EEG-Umlage. Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu bekämpfen, hat die Bundesregierung 2020 zudem ein Konjunkturpaket beschlossen, das auch Stromkunden entlasten soll.

Rechenbeispiel

Vereinfachtes Beispiel: Eine Familie möchte auf ihrem Einfamilienhaus eine große Photovoltaikanlage ohne Speicher errichten. Mit dem Photovoltaikrechner der Stiftung Warentest (https://www.test.de/Photovoltaik-Rechner-1391893-0/) kann sie die mögliche Rendite ermitteln. Für die Anschaffung der Zehn-Kilowattpeak-Anlage fallen 13 000 Euro plus Mehrwertsteuer an. Der jährliche Stromertrag der geplanten Anlage beträgt 950 Kilowattstunden pro Kilowattpeak, wobei die Familie 20 Prozent des erzeugten Stroms selbst verbraucht. An ihren Stromversorger zahlt sie derzeit einen Strompreis von 28 Cent pro Kilowattstunde. Bei einer Einspeisevergütung von aktuell 7,81 Cent pro Kilowattstunde und unter Berücksichtigung von Steuervorteilen und Strompreiserhöhungen kann die Familie mit einer Eigenkapitalrendite nach Steuern von 4,69 Prozent rechnen und innerhalb von 20 Jahren 7310 Euro Überschüsse erwirtschaften.

Speicher

Immer häufiger kommen heute Batteriespeicher in Photovoltaik-Anlagen zur Anwendung. Da sich die Einspeisung von Strom ins Netz wegen der sinkenden Vergütung quasi nicht mehr lohnt, kann es sich rechnen, die Eigenverbrauchsrate zu steigern. Ohne Akku kann man zwischen 20 und 30 Prozent des selbst erzeugten Stroms nutzen, mit Batterie lässt sich der Anteil auf 70 bis 80 Prozent steigern.

Den Strombedarf eines Vier-Personen-Haushalts mit etwa 4.500 Kilowattstunden pro Jahr kann ein Speicher mit einer Leistung von vier bis sechs Kilowattpeak (kWp) decken. Laut Speichermonitoring-Bericht der RWTH Aachen sind die Speicherpreise stetig gefallen. Hochwertige Systeme sind heute schon für 900 Euro pro kWp zu haben.

Bei diesen Kosten sind Speicher laut Ralf Kalisch aber noch nicht wirtschaftlich. Erst bei deutlich unter 800 Euro pro kWp würden sich Batterien im Eigenheim bezahlt machen, sagt der Energieberater der Verbraucherzentrale Niedersachsen und erklärt: „Für jede PV-Anlage mit Speicher muss präzise durchkalkuliert werden, wie viel Solarstrom produziert werden kann, wie hoch der Eigenverbrauch sein soll, wie groß die Batterie sein kann und wie die Nutzungsintensität ist oder auch wie die Lebensdauer der Geräte sein wird.“

Förderung

Die Investitionskosten lassen sich unter Umständen durch Förderprogramme der bundeseigenen KfW-Bank oder der Länder reduzieren. Grundsätzlich gilt: Je intensiver Speicher genutzt werden, desto wirtschaftlicher sind sie. Das geht zum Beispiel mit einem Elektroauto, wenn dieses tagsüber geladen wird. Denn dann kann die Solaranlage den Speicher mehrmals am Tag füllen.

Mehr Informationen

Das achtseitige Dossier zum Thema gibt es unter der Fax-Abrufnummer 09001/25 26 65 53 (1 Minute = 0,62 Euro) bis 27. Mai. Oder senden Sie einen mit 0,95 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,55 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Solaranlage“ an: Biallo & Team GmbH, Bahnhofstr. 25, 86938 Schondorf. Oder Sie schicken eine E-Mail an: ratgeber@biallo.de.

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