Wasser aus der Leitung eignet sich fast überall in Deutschland bestens als Trinkwasser, wie Analysen des Umweltbundesamtes und auch ein Leitungswasser-Test der Stiftung Warentest zeigen (wir berichteten). Das letzte Stück seines Weges verbringt das Trinkwasser in der Armatur – zum Beispiel in der Küche. Dort steht es mitunter stundenlang. Welchen Einfluss hat das auf die Qualität des Trinkwassers?
Blei- und Nickelgehalt über Grenzwert
Dazu überprüfte die Stiftung Warentest das Wasser aus 15 verchromten Hochdruckarmaturen über 16 Wochen im Prüflabor auf verschiedene Metalle und Halbmetalle, darunter Blei, Nickel und Arsen. Die Wasseranalysen ergaben Schadstoffurteile von „gut“ bis „mangelhaft“ – verteilt über große und kleine Namen, günstige und teure Modelle. Große Unterschiede zeigten sich aber bei den Blei- und Nickelgehalten, die teils über den Grenzwerten lagen.
Gute Küchenarmaturen ab 69 Euro
Blei kann langfristig die Entwicklung des Nervensystems vor allem bei Babys und Kindern schädigen. Für sie sowie für Schwangere gilt insbesondere: So wenig Blei wie möglich aufnehmen. Doch im Test der Stiftung Warentest belasteten acht Spültischarmaturen das Wasser kurz nach ihrer Installation mit Blei. Wichtig: Bei neu installierten Spültischarmaturen oder wenn Risikogruppen im Haus leben, immer erst das Stagnationswasser aus dem Hahn ablaufen lassen, bevor Sie in der Küche Wasser zum Trinken oder Kochen abzapfen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann eine der fünf besten Küchenarmaturen im Test wählen.
Am günstigsten sind Schütte Cornwall (70 Euro), Bauhaus Camargue Merida (69 Euro) und Hornbach Avital Themse (74,50 Euro). Teurer ist Hansgrohe Talis für 150 Euro und kostspielig Dornbracht Tara Classic für 395 Euro.
Schlechte Noten für Marken-Armaturen
Ganz anders sieht es bei einigen Markenarmaturen aus: Drei Armaturen von Ikea, Blanco und Grohe gaben zum Teil auch noch nach Wochen mehr Nickel ab, als für Trinkwasser erlaubt ist, moniert die Stiftung Warentest und warnt: „Für Menschen mit Nickelallergie kann das problematisch sein.“
Mit mangelhaften oder ausreichenden Noten und Preisen von bis zu 150 Euro sind diese Modelle die Schlusslichter im Test. Der Rat der Tester: „Wer einen neuen Wasserhahn für die Küche kaufen möchte, sollte besser zum Testsieger oder einer der anderen vier guten Küchenarmaturen im Test greifen.“
Vor dem Trinken Wasser laufen lassen
Grundsätzlich gilt: „Wasser zum Trinken oder Kochen deshalb immer erst mal so lange laufen lassen, bis es kühl aus dem Hahn kommt“, empfiehlt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das könne bis zu 30 Sekunden dauern. „Wasser, das in den Rohren stand, ist nicht mehr frisch.“ Neben der Übertragung von Stoffen aus den Armaturen begünstige langes Verweilen auch eine mögliche Verkeimung. Und wenn der Wasserhahn über einen längeren Zeitraum nicht benutzt wird? Dann gilt: „Der erste Wasserschwall morgens oder nach dem Urlaub kann zum Blumengießen, Spülen oder Putzen benutzt werden.“ mm