Riester-Rente ein Auslaufmodell?

von Redaktion

VON ASTRID KISTNER

Vom Staat vollmundig beworben, von Banken und Versicherungen eifrig umgesetzt – vor mehr als zwei Jahrzehnten machte die Riester-Rente Hoffnung auf ein sorgenfreies Leben im Alter. Die freiwillige private Vorsorge solle die Rente absichern, hieß es. Mehr als 16 Millionen Verträge wurden abgeschlossen. Komplizierte Konstrukte, die bei vielen Anlegern mittlerweile einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Reich an Kosten, arm an Rendite sind die meisten Finanzmodelle. Die WISO-Doku „Ärger mit der Rente“, die heute um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird, zieht kritisch Bilanz, gibt konkrete Tipps und fragt: Ist Riester noch zu retten?

Zerknirscht schaut der Namensgeber auf die aktuelle Entwicklung. Die Enttäuschung und Kritik mancher Sparer könne er gut verstehen, sagt Walter Riester im Film von Anja Kollruß. 1998 war der gelernte Fliesenleger Bundesarbeitsminister unter Kanzler Gerhard Schröder. „Für mich war die Umsetzung meiner Idee am Ende ein Kompromiss. Ich wollte, dass alle in die Riester-Rente einsparen müssen und am Ende auch alle begünstigt werden“, erinnert sich der heute 77-Jährige. Doch eine Zwangsrente ließ sich nicht durchsetzen. Begünstigt wurden in jedem Fall die Versicherungswirtschaft und die Finanzindustrie, die Abschlussprämien und Verwaltungsgebühren kassierte. Laufende Kosten verschlingen bis heute einen Teil des Ersparten. Bereits ein Fünftel der privat Vorsorgenden lässt deshalb mittlerweile seine Verträge ruhen. Ein kluger Schritt? „Das lässt sich so nicht pauschal sagen“, meint Finanzexperte Saidi Sulilatu, den WISO zur Rate zieht. Anhand von vier konkreten Fallbeispielen erklärt er in der Doku, welche Schritte im Umgang mit der Riester-Rente sinnvoll sind (siehe unten).

„Individuell kann es sich lohnen, weiter einzubezahlen, um die Zulagen des Staates zu bekommen“, sagt er. Es komme aber immer auf die Verträge an. Alleinerziehende, Singles, Familien, Geringverdiener oder Leute mit einer hohen Steuerlast – jeder Fall muss für sich betrachtet werden. Deshalb lohnt sich der Gang zum unabhängigen Finanzberater. Für Axel Kleinlein, Finanzmathematiker vom Bund der Versicherten, ist die Riester-Rente hingegen in jedem Fall eine Pleite: „Auch wenn sich das Modell für manche Verbraucher auszahlt, muss man sich klarmachen, dass das nichts mit den tollen Angeboten der Versicherer zu tun hat, sondern, dass es hier um unsere Steuergelder geht, die fleißig reingebuttert werden.“

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