Knapp über 15 000 Punkte zur Wochenmitte, zum Wochenschluss wieder mehr 15 550 Zähler – das Auf und Ab im Deutschen Aktienindex Dax setzt sich fort. Eine eindeutige Tendenz ist angesichts von Inflationssorgen, deutlich steigenden Energiepreisen, Lieferengpässen verbunden mit Angebotsverknappungen, gesenkten Konjunkturprognosen und der damit einhergehenden Unsicherheit nicht zu erkennen.
Einige Volkswirte wie Christian Apelt von der Landesbank Hessen-Thüringen erwarten bis zum Jahresende eine Talfahrt des Dax bis auf 14 500 Zähler. Noch skeptischer ist Markus Wallner von der Commerzbank. „Der Dax wird sein aktuelles Niveau wohl nicht halten können, sondern am Jahresende bei etwa 14 200 Indexpunkten liegen“. Walter Vorhauser, Börsenhändler von Oddo BHF warnt, dass vor allem die steigenden Energiepreise die Märkte noch in die Knie zwingen könnte.
Viel kommt auch deshalb auf die gerade angelaufene Phase der Quartalsberichte für das dritte Quartal an. Die Erwartungen sind beträchtlich. Als erster der großen deutschen Konzerne hat SAP berichtet und gute Zahlen vorgelegt. In Europa erwarten Experten ein sattes Gewinnwachstum von mehr als fast 45 Prozent zwischen Anfang Juli und Ende September. Grund: Die trotz allem anhaltende wirtschaftliche Erholung. Und etliche Auguren rechnen sogar mit positiven Überraschungen in den nächsten Wochen.
„Positives Überraschungspotenzial“ sei weiter gegeben, sagt Sven Streibel von der DZ Bank. Den Dax sieht er 15 700 Punkten Ende des Jahres und weitere 800 Zähler höher bei 16 500 Mitte 2022. „Wir bleiben optimistisch bis ins neue Jahr hinein. Aktien bleiben im Umfeld historisch niedriger Kapitalmarktzinsen für risikobewusste Anleger weiterhin alternativlos.“
Ulrich Kater, Chef-Ökonom der Deka-Bank, macht für die jüngste Kurserholung die Hoffnung der Börsianer verantwortlich, dass der Höhepunkt von Lieferengpässen und Inflationssorgen bald erreiche werde. Die Signale dafür sind aber nicht eindeutig.
Robert Halver von der Baader Bank hält einen goldenen Herbst an der Börse noch für möglich. Und 16 000 Zähler bis zum Jahresende. „Die Aktienmärkte scheinen allmählich wieder ein neues Gleichgewicht zu finden.“ Auch die zum fünften Mal in Folge gesenkten Konjunkturerwartungen von manchen Forschungsinstituten schrecken ihn nicht. Ab Frühjahr nächsten Jahres sei mit einer wirtschaftlichen Beschleunigung zu rechnen. ROLF OBERTREIS