Wer sich Bauen noch leisten kann

von Redaktion

VON WOLFGANG DE PONTE

Die Finanzierung eines Eigenheimes war – insbesondere im Großraum München – auch schon in den letzten Jahren schwierig. Doch die drastisch steigenden Bauzinsen verschärfen die Lage noch einmal. Was das bedeutet, hat jetzt ein Expertenteam für den „Spiegel“ berechnet. Die Ergebnisse sind alarmierend. Allein durch Arbeit lassen sich die meisten Immobilien in vielen Städten nicht mehr bezahlen, so Jens Rautenberg, Geschäftsführer des Analyseunternehmens Conversio Wahre Werte.

Aus seiner Sicht können sich derzeit nur noch diejenigen den Traum von den eigenen vier Wänden verwirklichen, die entweder ein sehr hohes Einkommen oder ein größeres Erbe zu erwarten haben. In München, Berlin, Hamburg, Köln, Stuttgart, Frankfurt und Düsseldorf können sich nicht einmal mehr Ärzte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 6000 Euro ein Häuschen leisten – in München, Stuttgart und Frankfurt auch nicht im Umland. Für andere Berufsgruppen sieht es dementsprechend noch düsterer aus: Ein Friseur (Single, 1399 Euro netto/Monat) wäre aktuell laut den Berechnungen nur noch im Kyffhäuserkreis (Thüringen) in der Lage, ein Einfamilienhaus (Durchschnittspreis: 121 810 Euro) zu finanzieren.

Und so haben die Experten gerechnet: Alle Beispiele gehen von einem 39-jährigen Käufer mit 50 000 Euro Eigenkapital aus, der seine Immobilie (130 qm, alle Baujahre mit gehobener Ausstattung) mit 65 abbezahlt haben will. Dazu werden die aktuellen Durchschnittsnettolöhne herangezogen und eine jährliche Lohnsteigerung von vier Prozent. Für den Ehepartner gilt der deutsche Durchschnittslohn. Angenommen wird außerdem, dass der Käufer 100 Prozent des Kaufpreises finanziert. 2021 ging das bei diesen Ausgangsbedingungen noch mit einem Darlehenszins von 2,08 Prozent, nun sind es vier Prozent.

Auf Berufsgruppen bezogen heißt dies: Ein Berufskraftfahrer (mit 2044 Euro netto) und sein Ehepartner (2170 Euro netto) können sich in 71 Prozent der Landkreise kein Einfamilienhaus mehr leisten. Das sind noch mal 24 Prozent mehr als 2021; bei einer Bankkauffrau (3444 Euro netto) und ihrem Partner (2170 Euro netto) sind es 50 Prozent der Landkreise und damit 25 Prozent mehr als 2021.

Die Karten zeigen: Ein Haus in Südbayern (in Rot) kann sich praktisch niemand mehr leisten.

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