Wie das Verbraucherportal Biallo.de berichtet, hat seit Anfang Mai gut die Hälfte der 60 Anbieter, die das Portal im Vergleich gelistet hat, die Festgeldzinsen erhöht, zum Teil in mehreren Schritten. Der Biallo-Index für ein- und zweijähriges Festgeld hat sich in der Folge weit mehr als verdoppelt. Lag das Rekordtief Mitte April noch bei 0,17 Prozent, werden aktuell im Schnitt bereits 0,44 Prozent aufgerufen – Tendenz stark steigend.
Was ist drin an Zins? Das beste Festgeld unter den bundesweiten Angeboten mit deutscher Einlagensicherung bietet im Moment die Deutsche Pfandbriefbank (Pbb Direkt), die zum 1. Juli noch mal eine Schippe draufgelegt hat. So winken bei einer Laufzeit von zwei Jahren jetzt 1,25 statt 0,80 Prozent. Es folgen die Creditplus Bank mit 1,20 Prozent und die IKB mit 1,00 Prozent pro Jahr. Bei den Regionalbanken sind zum Teil noch höhere Zinsen drin. Die PSD Bank Westfalen-Lippe bietet für zweijähriges Festgeld 1,50 Prozent pro Jahr. Auch bei den Sparkassen sind Zinsen über ein Prozent möglich (siehe Kasten).
Wer mehr Zinsen abstauben will, wird im Ausland fündig. Die schwedische Klarna bietet im Moment 1,70 Prozent für zweijähriges Festgeld. Bei der estnischen Bigbank und der italienischen FCA Bank sind es aktuell 1,50 respektive 1,30 Prozent pro Jahr. Weitere gute Angebote findet man bei Weltsparen.de – zum Beispiel von Younited Credit, einer Verbraucherkreditplattform mit Niederlassungen in Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland (unter anderem auch in München). Die Franzosen bieten aktuell 1,62 Prozent für zweijähriges Festgeld.
Sicherheit: Biallo-Experte Sebastian Schick empfiehlt, unabhängig von der Herkunft der Bank, nicht mehr als 100 000 Euro pro Kunde und Institut anzulegen. Denn nur bis zu dieser Höhe sind die Einlagen in der EU gesetzlich garantiert.
Laufzeiten: Auffällig ist, dass die Zinsen vor allem bei längeren Laufzeiten deutlich steigen. Trotzdem empfehlen die Biallo-Experten derzeit eine maximale Laufzeit von zwei Jahren beim Festgeld, da sie davon ausgehen, dass sich der Aufwärtstrend durch die angekündigten Zinsschritte der EZB weiter fortsetzt.
Strategie: Um flexibel auf die Zinsentwicklung reagieren zu können, empfehlen Experten Sparern die sogenannte Treppenstrategie. Das heißt: Man verteilt sein Geld auf unterschiedliche Laufzeiten, etwa auf sechs, zwölf und 24 Monate. So hat man die Möglichkeit, den jeweils freiwerdenden Betrag zu (wahrscheinlich) noch höheren Zinsen anzulegen.
Wie viel gibt es beim Tagesgeld? Beim Tagesgeld ist die Aufwärtsdynamik noch nicht so zu spüren wie beim Festgeld. Aber auch hier reagieren inzwischen erste Anbieter mit Zinserhöhungen. Spitzenreiter im Biallo-Tagesgeld-Vergleich ist die FCM Bank aus Malta, die 0,41 Prozent Tagesgeldzinsen zahlt. Dahinter folgt die estnische Bigbank mit 0,35 Prozent. Bester heimischer Anbieter ist im Moment die Bank11, die für Neukunden drei Monate lang 0,30 Prozent garantiert (danach 0,01 Prozent). Dahinter folgt die Deutsche Pfandbriefbank (Pbb Direkt) mit einer Verzinsung von 0,15 Prozent.
Festgeld statt Aktien? Die Experten von Biallo meinen dazu: „Wir raten nicht dazu, jetzt Geld vom Aktienmarkt abzuziehen und in Festgeld anzulegen, außer man steht kurz vor der Rente oder ist auf Liquiditätssicherung angewiesen. Wer einen ETF-Sparplan am Laufen hat, sollte den jetzt auf jeden Fall konsequent weiter besparen und eventuell die Sparrate sogar erhöhen. Denn aktuell erhält man rund 20 Prozent mehr Anteile für seine Sparrate als noch zum Jahresanfang. Das sollte sich in der nächsten Aufwärtsbewegung – die früher oder später wahrscheinlich kommt – auf jeden Fall auszahlen. Fakt ist: Mit Festgeld und Tagesgeld wird man die nächsten Jahre die Inflation wohl nicht schlagen können, daher sind diese Anlageformen nicht für den langfristigen Vermögensaufbau geeignet.“ Wie sieht es jetzt mit dem Inflations-Ausgleich aus? Leider immer noch nicht gut, wie ein Beispiel zeigt: Bei einer Anlage von 10 000 Euro und einem Zins von 1,7 Prozent hätte man dank des Zinseszinseffekts nach drei Jahren Jahr 10 519 Euro. Bei einer Inflation von sieben Prozent (im Juni lag sie sogar bei 7,6 Prozent) hätte man nach drei Jahren trotzdem 733 Euro weniger Kaufkraft.