Angesichts einer drohenden Energieknappheit im Winter sorgen sich viele Menschen, ob es im Winter zu Engpässen bei Gas und Heizöl kommt oder inwieweit Stromausfälle drohen. Die gute Nachricht: Trotz der angespannten Lage an den weltweiten Energiemärkten gibt es keine gesonderten staatlichen Empfehlungen für den Katastrophenfall. „Unsere generellen Empfehlungen gelten unverändert, völlig unabhängig von der aktuellen Lage“, sagt Henning Hahn, Sprecher des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe unserer Zeitung.
Generelle Empfehlung für den Krisenfall
Da es jederzeit zu Katastrophen wie Stromausfall, Hochwasser oder Sturm kommen kann, hat die Behörde schon vor Längerem einen Leitfaden entwickelt, damit Privathaushalte für Notsituationen vorbereitet sind. Die wichtigste Empfehlung: Generell sollten in jedem Haushalt immer Lebensmittel für zehn Tage vorrätig sein. „Ihr Ziel muss es sein, zehn Tage ohne Einkaufen überstehen zu können“, heißt es in der Ratgeber-Broschüre.
Behörden-Sprecher Hahn ergänzt: „Deutschland hat im europäischen Vergleich ein sehr gutes Stromnetz.“ Dennoch gebe es staatliche Empfehlungen, da jederzeit der unwahrscheinliche Fall eines Stromausfalls eintreten könne. In diesem Fall würde in vielen Häusern auch die elektronischen Steuerungen der Heizungen versagen. „Es geht einfach darum, genug Vorräte zu haben, bis die staatlich organisierte Hilfe kommt –denn die wird immer kommen“, versichert Hahn. Die zehn Tage seien eine grobe Orientierung, Auch sei völlig klar, dass nicht jeder Haushalt eins zu eins die Zehn-Tages-Empfehlung der Behörde umsetzen könne.
Ausreichend Lebensmittel
Um die zehn Tage zu überbrücken, empfiehlt die Behörde für eine Person beispielsweise folgende Lebensmittelvorräte: 20 Liter Wasser, 3,5 Kilo Getreideprodukte, Brot, Kartoffeln, Nudeln oder Reis, vier Kilo Hülsenfrüchte, 2,5 Kilo Obst und Nüsse, 2,6 Kilo Milch und Milchprodukte, 1,5 Kilo Fisch, Fleisch und Eier sowie etwa 350 Gramm Fette und Öle. Leben mehr Menschen im Haushalt, sind entsprechend mehr Vorräte nötig.
Kerzen, Taschenlampe, Campingkocher
Das Bundesamt rät außerdem dazu, ausreichend Medikamente in der Hausapotheke zu haben und genug Hygieneartikel wie Toilettenpapier auf Vorrat zu haben. Für einen möglichen Energieausfall empfiehlt das Amt: Kerzen, Teelichter, Streichhölzer, Batterien, eine Taschenlampe, ausreichend Brennstoffe, eine Heizgelegenheit sowie einen Camping- oder Spirituskocher.
Solarakku statt Notstromaggregat
Von der Anschaffung eines Notstromaggregates ist in den behördlichen Empfehlungen nicht die Rede. Fragt man bei den Energie-Experten der Verbraucherzentralen nach, wird sogar ausdrücklich vor überzogener Panik gewarnt. „Ein Notstromaggregat sollte man sich jetzt auf gar keinen Fall extra anschaffen“, sagt Norbert Endres, Energie-Experte der Verbraucherzentrale Bayern. „Ich vertraue denjenigen, die im Drei-Schichtbetrieb in den Netzleitstellen sitzen und ingenieursmäßig unsere Energieversorgung sicherstellen“, sagt der Experte. Etwas Solidarität sei gut, und die Netzinfrastruktur für Gas und Strom sei technisch sehr effizient. Auch vom Kauf von Heizlüftern rät er ab. Entgegen der offiziellen Empfehlung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe meint Endres, sei es auch nicht zwingend nötig, sich jetzt mit Campingkochern einzudecken.
„Wer wirklich ein bisschen in Stromautarkie investieren will, sollte sich lieber eine kleine, steckerfertige Solaranlage aufs (Garten)Hausdach oder an den Balkon montieren.“ Auch gebe es in Fachgeschäften inzwischen solarbetriebene Akkus zu kaufen – das sei deutlich sinnvoller als ein lautes und stinkendes Notstromaggregat.
Fotovoltaik am Balkon: möglich, aber teuer
Selbst in Mietwohnungen ist es inzwischen möglich, den eigenen Solarstrom zu nutzen. Ein Handwerker muss zur Installation meist nicht kommen. Denn die Geräte werden laut Verbraucherzentralen im einfachsten Fall an eine vorhandene Steckdose gehängt. Anlagenkäufer müssen aber eine Elektrofachkraft mit der Prüfung ihres Stromkreises für die Einspeisung von Solarstrom beauftragen. Das sieht eine Installationsnorm vor.
Gegebenenfalls muss zum Beispiel eine Energiesteckdose nachgerüstet werden. Das wesentliche Element dieser Solaranlagen sind ein oder zwei Paneele, die gemeinsam eine Leistung von höchstens 600 Watt erzeugen. Durch Sonneneinstrahlung wird Gleichstrom produziert. Dieser wird in dem Gerät dann zu Netzstrom umgewandelt – und geht über einen gewöhnlichen Schuko-Stecker in das häusliche Stromnetz über. Die Solaranlagen sind nur für den Eigenbedarf vorgesehen und speisen nicht in das allgemeine Netz ein. Die Verbraucherzentralen sprechen auch von einem Strom erzeugenden Haushaltsgerät, da es sich eigentlich nicht um eine „Anlage“ im technischen Sinn handele. Zwischen 350 und 600 Euro kosten Stecker-Solargeräte mit Standard-Modulen laut den Verbraucherzentralen.
Nachteil: Bei dem zwar im Vergleich zu üblichen Fotovoltaikanlagen niedrigen, dann aber doch recht hohen Preis leistet man aktuell zwar einen kleinen Beitrag in der Energiekrise – und ganz grundsätzlich einen Beitrag in der Energiewende. Die Haushaltskasse hat aber erst mal wenig davon. Ein Standardmodul mit 380 Watt Leistung, das auf einem schattenfreien Südbalkon hängt, liefert laut den Verbraucherschützern etwa 280 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das ist etwa so viel wie ein Kühlschrank oder eine Waschmaschine in einem Zweipersonenhaushalt verbraucht. Es müssen also mehrere Jahre vergehen, bis sich die Investition rechnet. Und etwas mehr Autarkie bringen die Geräte nur in Kombination mit einem kleinen Stromspeicher. Mit Material von dpa
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Die Checkliste des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophen-hilfe ist im Internet als PDF-Dokument zu finden:
www.bit.ly/checkliste-notfall