Gas-Kunden wissen seit Längerem, dass diese Heizsaison teuer wird. Doch auch wer mit Öl, Strom für Wärmepumpen oder Pellets heizt, muss sich bei der Nebenkosten-Abrechnung auf dramatische Steigerungen einstellen, wie die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online errechnete.
„Wenn Gas knapp ist, wird weltweit auch Öl stark nachgefragt und dadurch teurer“, erklärt dazu co2online-Sprecher Alexander Steinfeldt. Dass am Ende die Preis-Prognose für Heizöl sogar noch schlechter ist als für Gas (1440 Euro für eine 70-Quadratmeter-Wohnung, Gas: 1370 Euro, siehe Grafik), liegt zudem daran, dass die Klimaabgabe für Öl noch höher ist als für Gas. Der Anteil der CO2-Bepreisung an den Gesamtkosten liegt bei acht Prozent für Erdgas und bei zehn Prozent für Heizöl.
„Heizöl war 2020 relativ günstig, deshalb ist hier die prozentuale Steigerung besonders hoch“, so Steinfeldt. 2021 verteuerte sich Heizöl gegenüber dem Vorjahr um satte 51 Prozent, Erdgas um 20 Prozent. Für 2022 sieht die Prognose noch düsterer aus: Demnach dürfte sich das Heizen einer durchschnittlichen 70-Quadratmeter-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus mit Erdgas um 67 Prozent gegenüber 2021 verteuern und mit Öl um 53 Prozent. Das wären beim Gas immerhin 550 Euro mehr im Jahr als 2021, bei Öl knapp 500 Euro mehr als im ohnehin schon teuren Vorjahr. Während die Kosten für Holzpellets 2021 noch vergleichsweise stabil blieben, ist auch dieser Energieträger laut Analyse im laufenden Jahr von deutlichen Preissteigerungen betroffen: Um 54 Prozent soll sich das Heizen mit Holz verteuern und damit im Schnitt um rund 310 Euro pro Wohnung.
„Solch ein starker Anstieg der Heizkosten wurde seit der ersten Veröffentlichung des Heizspiegels im Jahr 2005 noch nie verzeichnet“, teilte co2online-Geschäftsführerin Tanja Loitz mit. „Was im Durchschnitt schon sehr viel ist, kann im Einzelfall auch noch deutlich mehr sein“, fügte Loitz hinzu. „Dazu kommt: Bei vielen Haushalten werden die höheren Kosten in diesem Jahr erst mit der Abrechnung im Jahr 2023 ankommen. Darauf sollten sich die Haushalte rechtzeitig einstellen und entsprechend handeln.“
Grundlage für die Analyse sind mehr als 190 000 Abrechnungen für das Jahr 2021 sowie aktuelle Preis- und Wetterdaten. Das Beratungsunternehmen sieht noch weitreichende Einsparpotenziale durch effizientes Heizen und eine energetische Sanierung. „In einer Wohnung mit 70 Quadratmetern und Gaszentralheizung im Mehrfamilienhaus liegt das Sparpotenzial im Schnitt bei 640 Euro pro Jahr“, teilte co2online mit. Bei einem Einfamilienhaus liege das Sparpotenzial sogar bei 1220 Euro (Gas) beziehungsweise 1075 Euro (Heizöl). 90 Prozent aller Haushalte verbrauchen zu viel Heizenergie, so die Erhebung. „Die meisten Menschen schätzen ihren Verbrauch und den Einfluss schon kleinster Maßnahmen auf die Kosten falsch ein“, glauben die Berater.