Weihnachten steht vor der Tür – und viele Eltern und Großeltern wissen immer noch nicht genau, was sie ihren Kindern oder Enkeln schenken sollen. Natürlich könnte man ihnen einfach ein paar Geldscheine in die Hand drücken, doch ist das nicht einfach nur unpersönlich und unkreativ? Das haben wir Birgit Wetjen und Heinz-Peter Arndt gefragt. Die beiden sind Finanzjournalisten, selbst Eltern und haben gerade ein Kinderbuch über Geld veröffentlicht („Das kleine Buch vom Geld“, Carlson Verlag, 5 Euro). Sie sollten sich also bestens mit der Materie auskennen.
Frau Wetjen, Herr Arndt, wie viel Geld geben Eltern durchschnittlich für Weihnachtsgeschenke für ihre Kinder aus?
Birgit Wetjen: Im Schnitt zwischen 100 und 150 Euro pro Kind, aber das variiert je nach Alter der Kinder. Je älter die Kinder sind, umso mehr geben die Eltern für sie aus. In diesem Jahr könnte das Budget jedoch etwas schmaler ausfallen. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa will fast jeder Dritte in diesem Jahr gar keine Präsente kaufen, weil aufgrund der hohen Inflation gar kein Geld übrig ist.
Wie häufig liegt denn Geld unter dem Baum?
Heinz-Peter Arndt: Jeder Fünfte verschenkt Geld, jeder Dritte Gutscheine oder Geschenkkarten. Bei kleineren Kindern ist das sicherlich seltener der Fall, bei größeren schon eher. Jugendliche suchen sich ihre trendigen Sneakers lieber selbst aus und bekommen dann entsprechend Geld oder einen Gutschein von ihren Eltern.
Ist das unkreativ? Oder einfach nur pragmatisch?
Birgit Wetjen: Liebevoll ausgesuchte Geschenke sind natürlich sehr schön. Gerade für kleinere Kinder macht das Auspacken und Ausprobieren des neuen Spielzeugs einen großen Teil eines gelungenen Weihnachtsfestes aus. Jugendliche sehen das aber meist anders. Eine zehnbändige Dudenausgabe von der Patentante mag vielleicht gut gemeint und pädagogisch wertvoll sein. Aber den einen oder anderen Schein zur persönlichen Verwendung finden 15-jährige natürlich cooler. Und am Ende macht es ja auch wenig Sinn, viel Geld für irgendwelchen Krimskrams auszugeben, der dann in der Zimmerecke verstaubt. Besser ist es zum Beispiel, etwas Geld gut anzulegen – da kann man sicher sein, dass die Freude der Kinder über die Jahre deutlich steigt.
Welcher Betrag ist angemessen?
Heinz-Peter Arndt: Das hängt vom Alter der Beschenkten, aber auch von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern ab. Grundsätzlich sollte sich niemand mit Geschenken finanziell überfordern. Und dann kommt es ja auch darauf an, was gebraucht und geschenkt wird. Wenn zum Beispiel ein 14- Jähriger ohnehin ein neues Fahrrad braucht und genaue Vorstellungen hat, dann kann der Betrag auch mal höher ausfallen – wenn die Eltern es sich leisten können.
Wie kann man Geldgeschenke wenigstens etwas persönlicher machen?
Heinz-Peter Arndt: Ich habe in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit kleinen Zusatzgeschenken gemacht – zum Beispiel eine selbstgemischte Tüte mit den Lieblingssüßigkeiten, ein Buch oder eine CD oder einen Gutschein für zwei Kinokarten inklusive Popcorn für Tochter oder Sohn und die beste Freundin oder den Freund.
Viele schenken Kindern regelmäßig Geld, etwa zu Weihnachten oder zum Geburtstag. Ist es sinnvoll, das gleich auf einen Sparplan einzuzahlen?
Birgit Wetjen: Auf jeden Fall! Es muss ja nicht gleich die komplette Summe im Depot verschwinden. Zu Weihnachten bietet sich ein 50/50-Deal an. Mit der Hälfte des Geldes können sich die Kinder und Jugendlichen ihre aktuellen Wünsche erfüllen, die andere Hälfte wandert dann in einen Wertpapiersparplan. An der Börse ist Zeit tatsächlich bares Geld – je länger das Geld angelegt ist, desto stärker wirken Zins- und Zinseszins und desto mehr hat man am Schluss. Und gerade dann, wenn auch Großeltern oder Onkel und Tanten mit einzahlen, macht so ein Sparplan ganz sicher Sinn.
Welche Produkte eignen sich für so etwas?
Heinz-Peter Arndt: Langfristige Sparpläne sollen möglichst breit gefächert und kostengünstig sein. Am einfachsten ist ein Sparplan mit einem ETF-Indexfonds, zum Beispiel auf den MSCI World Index. Damit ist man an der Kursentwicklung der wichtigsten 1600 Aktien der industrialisierten Welt beteiligt. Ein nachhaltiger Index ist der MSCI World Socially Responsible Index, kurz: MSCI SRI. Mit einem ETF auf diesen Index ist man immerhin noch in 300 bis 400 Unternehmen investiert.
Worauf sollte man achten, wenn man für Kinder einen Sparplan einrichtet?
Zuerst muss man entscheiden, ob das Depot auf den Namen des Kindes oder auf den der Einzahlenden laufen soll. Beides hat Vor- und Nachteile. Läuft das Depot auf das Kind, genießt es einen eigenen Freibetrag, das ist steuerlich günstiger. Auf der anderen Seite wird sein Depotvermögen angerechnet, wenn es zum Beispiel Ausbildungsbeihilfe (BAföG) beantragen will. Und man sollte bedenken, dass es mit 18 ohne Wenn und Aber frei über das Geld verfügen kann. Eltern von Jugendlichen wissen: Das kann, muss aber kein Vorteil sein. Wollen Großeltern ein Depot auf den Namen des Kindes einrichten, müssen die Eltern übrigens ihr Einverständnis geben.
Was schenken Sie Ihren Kindern dieses Jahr?
Birgit Wetjen: Mein Sohn ist mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter gerade in eine neue Wohnung gezogen. Da ist viel Praktisches wie Lampen und so weiter gefragt. Ich gehe mit ihnen bummeln, sie suchen aus und ich bezahle – wir werden einen schönen Tag zusammen verbringen. Für meine Enkeltochter habe ich kurz nach ihrer Geburt einen ETF-Sparplan eingerichtet. Ich lasse das Depot auf meinen Namen laufen, weil ich sie später damit überraschen will. Und zu Weihnachten gibt es außerdem ganz viel Oma-Zeit.
Interview: Andreas Höß