Ohne große neue Impulse verlief die letzte Handelswoche des Jahres 2022, womit ein sehr schwieriges Jahr für die Kapitalanlage zu Ende geht. Neben den allgegenwärtigen Belastungsfaktoren – vor allem den Folgewirkungen des Ukraine-Kriegs, der Corona-Pandemie und der explodierten Inflationsraten – haben die geldpolitischen Wenden vieler Notenbanken und der massive Zinsanstieg für eine Neubewertung und damit für Kursverluste in nahezu allen Anlageklassen gesorgt.
Zu den wenigen Gewinnern gehörten Energierohstoffe und damit in Verbindung stehende Aktien sowie mit Abstrichen Gold, das aus Sicht von Euro-Anlegern zumindest unter Einbeziehung des deutlich aufgewerteten US-Dollar im Plus liegt. Angesichts der weltweiten wirtschaftlichen Abkühlung im laufenden Winterhalbjahr und des zuletzt nachlassenden Inflationsdrucks ist im kommenden Jahr 2023 zumindest ein weiterer deutlicher Zinsanstieg wenig wahrscheinlich. Zudem wird trotz bereits stark gestiegener Nominalzinsen und tendenziell weiter sinkender Teuerungsraten ein Realkapitalerhalt – also der Ausgleich des inflationsbedingten Kaufkraftverlustes – mit verzinslichen Anlagen nur schwer möglich sein. Beide Aspekte sprechen grundsätzlich für eine wieder stärkere Nachfrage nach realen Anlagen wie Aktien.
Der Start in das neue Jahr dürfte trotzdem verhalten ausfallen. Dabei liegt der Fokus auf der ungewissen Entwicklung in China angesichts der abrupten Beendigung der Null-Covid-Strategie und der massiv steigenden Infektionsraten. Auch die Wirtschaft dürfte durch einen hohen Krankenstand ausgebremst werden. Auswirkungen auf den internationalen Handel sind bereits spürbar, etwa durch die erneute Verlängerung von Abfertigungsstaus vor den Containerhäfen von Shanghai und Zhejiang.
In der kommenden Woche werden für Deutschland und einige andere Eurostaaten die Inflationsdaten für Dezember bekannt gegeben. Gerechnet wird mit sinkenden Preissteigerungsraten und einem Unterschreiten der Marke von zehn Prozent in der Eurozone. Sollten die Erwartungen unterschritten werden, wären positive Impulse für die Aktienmärkte wahrscheinlich. Zudem werden die ISM-Einkaufsmanagerindizes sowie der Arbeitsmarktbericht aus den USA leicht schwächer erwartet, sodass die Spekulation über eine möglicherweise anstehende Leitzinserhöhungspause der US-Notenbank Fed im Zuge einer fortschreitenden wirtschaftlichen Abkühlung für sinkende Zinsen und weiter steigende Aktienmarktnotierungen sorgen dürfte.