Umfeld für Aktien bleibt schwierig

von Redaktion

Die chinesische Volkswirtschaft ist mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Höhe von 4,5 Prozent im ersten Quartal dynamischer als erwartet in das neue Jahr gestartet. Getragen wurde dieser Aufschwung besonders vom privaten Konsum. Nach dem Ende der Corona-Pandemie dürften im Privatsektor weiterer Aufholbedarf und aufgestaute Nachfrage bestehen, die in den kommenden Monaten besonders den Dienstleistungssektor antreiben sollte. Verhaltener hingegen fiel das Wachstum der Industrieproduktion mit 3,9 Prozent aus. Ein deutlicher Aufschwung in der chinesischen Industrie wäre aber eine wichtige Voraussetzung für eine steigende Wachstumsdynamik in anderen exportorientierten Volkswirtschaften wie Deutschland.

Hierzulande profitieren die Unternehmen zwar zunehmend von sinkenden Energie- und Rohstoffpreisen sowie wieder besser funktionierenden Lieferketten, allerdings fehlen in der Breite noch Anschlussaufträge, die nach dem Abbau des Auftragsstaus der vergangenen Jahre eine über das Sommerhalbjahr hinweg steigende Produktion absichern würden. Ein schwieriges konjunkturelles Umfeld, steigende Refinanzierungskosten angesichts höherer Zinsen und eine restriktivere Kreditvergabe haben schon im Januar zu einer um 20,2 Prozent gestiegenen Anzahl an Unternehmensinsolvenzen in Deutschland geführt, wie das Statistische Bundesamt jüngst berichtete

Da vorerst weiterhin nur mit einem schwachen gesamtwirtschaftlichen Wachstum zu rechnen ist, dürfte die Zahl der Insolvenzen in den kommenden Monaten weiter anziehen, wobei bisher jedoch lediglich eine Korrektur der seit dem Beginn der Corona-Pandemie aufgrund staatlicher Stützungsmaßnahmen unnormal niedrigen Insolvenzzahlen erfolgte.

Nur auf den ersten Blick positive Nachrichten gab es vonseiten der Inflation. So sank die Preisniveausteigerung in der Eurozone im März deutlich auf 6,9 Prozent. Allerdings stieg die Kernrate der Inflation ohne die Komponenten Energie und Nahrungsmittel erneut an, auf 5,7 Prozent. Offensichtlich ist der Preisdruck mittlerweile in nahezu allen Produkt- und Dienstleistungskategorien angekommen, weshalb die Europäische Zentralbank vorerst an ihrem restriktiven geldpolitischen Kurs festhalten dürfte.

Angesichts der Gemengelage aus schwacher Konjunkturerholung und anhaltendem (Kern-) Inflationsdruck wird in der kommenden Woche besonders die Veröffentlichung des ifo-Geschäftsklimaindex im Fokus stehen. Zudem wird eine Vorabschätzung der April-Inflationsrate für Deutschland bekannt gegeben. Für weitere positive Impulse an den Aktienmärkten bräuchte es schon sehr stark sinkende Preisniveausteigerungen und konkrete Anzeichen für eine zeitnahe Leitzinserhöhungspause.

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