Das Spurenelement Selen gilt als Geheimtipp gegen verschiedenste Beschwerden. So soll es vor Erkältungen schützen, für schönere Haare und festere Nägel sorgen oder die männliche Fruchtbarkeit erhöhen. Obwohl es nur in geringen Mengen im menschlichen Organismus enthalten ist, spielt Selen in vielen Stoffwechselprozessen eine Schlüsselrolle, etwa bei der Bildung von Schilddrüsenhormonen oder der Spermienproduktion. Auch für das Immunsystem und zum Schutz vor freien Radikalen ist Selen wichtig.
Deshalb dürfen selenhaltige Nahrungsergänzungsmittel auch gemäß der europäischen Health-Claims-Verordnung mit bestimmten gesundheitsbezogenen Aussagen werben, zum Beispiel „trägt zu einer normalen Immunfunktion bei“ oder „trägt zum Erhalt normaler Haare und normaler Nägel bei“. Wichtig ist dabei das Wort „normal“: Denn anders, als die Werbung häufig suggeriert, hilft eine gesteigerte Zufuhr nicht, bei ausreichend mit Selen versorgten Menschen die physiologischen Funktionen zusätzlich zu verbessern. Im Gegenteil: Eine zu hohe Aufnahmemenge kann negative gesundheitliche Folgen haben und zu neurologischen Störungen, Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Übelkeit und Durchfall führen.
Oftmals wird behauptet, die Böden in Europa seien an Selen verarmt, weshalb die hier erzeugten Nahrungsmittel nicht ausreichend davon enthielten und daher Selen zusätzlich in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zugeführt werden müsste. In der Tat ist etwa in Amerika mehr Selen im Boden enthalten. In Gegenden Afrikas und Zentralasiens wiederum sind die Böden deutlich selenärmer als in Europa. Von dort sind auch, gerade bei einseitiger und regional erzeugter Nahrungsmittelversorgung, Selenmangelerkrankungen bekannt. Diese Situation ist aber nicht vergleichbar mit Europa, wo ein entsprechender Mangel in der Regel nur bei bestimmten Erkrankungen auftritt. Dazu zählen angeborene genetische Defekte im Selenstoffwechsel, Nie- reninsuffizienz, Essstörungen oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen.
Die geschätzte tägliche Zufuhr an Selen bei einer gemischten Kost liegt in Deutschland etwa bei 30 bis 50 Mikrogramm. Diese Menge schwankt je nach Lebensmittelauswahl: Besonders selenreich sind etwa Thunfisch oder Paranüsse (Vorsicht: diese reichern natürliche Radioaktivität an und sollten nur in geringer Menge verzehrt werden).
Da Tierfutter in der Europäischen Union mit Selen angereichert werden darf, tragen tierische Lebensmittel wie Fleisch und Ei konstant zur Selenversorgung bei. Kohl- und Zwiebelgemüse, Hülsenfrüchte, Pilze und Spargel sind gute pflanzliche Selenquellen, die besonders bei einer veganen Ernährung für die Deckung des Bedarfs wichtig sind. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr von Selen 60 Mikrogramm täglich für Frauen, 70 Mikrogramm für Männer an. Um Überdosierungen zu vermeiden, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), eine Tagesmenge von 45 Mikrogramm in Nahrungsergänzungsmitteln nicht zu überschreiten. Kinder unter zehn Jahren sollten keine derartigen Präparate zu sich nehmen.
Im Zweifel sollte man – wie immer – eine Einnahme mit dem Hausarzt besprechen.