Die nach wie vor hohe Inflation belastet Verbraucher seit Monaten. Die Menschen können sich für einen Euro weniger leisten. Sparer können sich hingegen über steigende Zinsen etwa fürs Tagesgeld freuen.
Warum steigen die Zinsen wieder?
Nach Jahren der Nullzinspolitik hat die Europäische Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die Inflation im Euroraum seit Juli 2022 die Leitzinsen inzwischen neunmal in Folge erhöht. Höhere Zinsen verteuern Kredite. Das kann die Nachfrage bremsen und hohen Teuerungsraten entgegenwirken. Für Kreditnehmer wird es also teurer, Sparer können sich dagegen über steigende Zinsen freuen.
Worin unterscheiden sich Giro-, Tages- und Festgeldkonto?
Das Girokonto ist das Konto für den täglichen Zahlungsverkehr. Dort gehen das Gehalt, die Rente oder das Bafög ein. Die Miete und andere Ausgaben gehen davon ab. „Ohne das Girokonto geht praktisch nichts“, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen. Aber zum Sparen ist es eben nicht geeignet. Zu groß sei die Versuchung, die jederzeit verfügbaren Rücklagen für ungeplante Käufe anzutasten. Um Geld zurückzulegen, sind das Tages- oder Festgeldkonto die bessere Wahl. Mit beiden kann man nicht am normalen Zahlungsverkehr teilnehmen. Sie korrespondieren ausschließlich mit dem eigenen Girokonto.
Auf einem Festgeldkonto legt man Erspartes für einen bestimmten Zeitraum – etwa ein, zwei oder drei Jahre – an und kann in dieser Zeit nicht über das Geld verfügen. Am Ende der Laufzeit fließt das Geld verzinst zurück.
Im Gegensatz dazu ist auf einem Tagesgeldkonto angelegtes Geld jederzeit verfügbar. Per Überweisung lässt es sich vom Tagesgeldkonto zurück aufs Girokonto holen. Diese Flexibilität büßt man im Vergleich zum Festgeld mit einer geringeren Verzinsung ein (siehe Grafiken unten).
Wie lege ich Tagesgeld an?
„Dafür muss man zunächst ein Tagesgeldkonto eröffnen“, sagt Oelmann. Die Verbraucherschützerin rät, vorab die Konditionen verschiedener Banken zu vergleichen. Einmal angelegt, muss das Referenzkonto – also das Girokonto – mit einer Überweisung verifiziert werden. Dann kann man das Geld, das man gerne zurücklegen möchte, vom Giro- aufs Tagesgeldkonto verschieben. Ab dann gibt es Zinsen.
Oelmanns Tipp: Wer sich für eine in Deutschland ansässige Bank entscheidet, profitiert im Insolvenzfall nicht nur von der gesetzlichen Einlagensicherung, die Guthaben bis 100 000 Euro schützt, sondern darüber hinaus auch von den freiwilligen Sicherungsleistungen der Banken.
Greift die Einlagensicherung immer? Was muss man beachten?
Die gesetzliche Einlagensicherung schützt pro Bank und Kunde bis zu 100 000 Euro. Das heißt: Es zählen alle Konten bei der Bank, also nicht nur das Tagesgeldkonto, sondern zum Beispiel auch das Giro- und Festgeldkonto und auch das Verrechnungskonto für ein Wertpapierdepot. Außerdem sollte man beachten, dass manche auf den ersten Blick eigenständigen Banken bei der Einlagensicherung als eine Bank gelten. Laut der Experten des Finanzverbraucherportals „Finanztip“ sind zum Beispiel nur einmal 100 000 Euro pro Kunde abgesichert, wenn man Konten bei Deutscher Bank und Postbank oder bei Commerzbank und Comdirect hat. Oft stammen die Angebote mit den höchsten Zinsen für Tages- oder Festgeld von Banken, die ihre Lizenz in anderen EU-Ländern haben. Auch hier läuft bei einer Pleite die Entschädigung für Kunden über das deutsche Einlagensicherungssystem. Damit hat sich das Verfahren zwar vereinfacht, eine Garantie dafür, dass das Sicherungssystem im Ernstfall auch funktioniert, hat man aber nicht. Letzter Rettungsanker wäre dann der Staat, in dem die Bank ihre Lizenz hat. Experten empfehlen deshalb Konten nur bei Banken zu eröffnen, die aus einem Land mit hoher Finanzkraft stammen. Orientierung bieten dabei die Bonitätsnoten, die die führenden Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch vergeben. Ein sogenanntes Triple-A (AAA) entspricht der höchsten Kreditwürdigkeit. Banken aus Ländern wie Bulgarien, Estland, Kroatien, aber auch Irland oder Italien werden deshalb von den „Finanztip“-Experten nicht empfohlen.
Welche Folgen hat die Inflation fürs Ersparte?
Die Zinsen liegen unterhalb der Teuerungsrate von zuletzt 6,2 Prozent im Juli. Ersparnisse auf Tages- und Festgeldkonten verlieren trotz gestiegener Zinsen daher an Wert. Der Realzins – der Zins für Spareinlagen nach Abzug der Teuerungsrate – liegt bei Tagesgeldangeboten im Schnitt bei minus 4,81 Prozent. Bei Festgeld mit zwei Jahren Laufzeit sind es minus 3,05 Prozent. FRIEDERIKE MARX, CHRISTOPH JÄNSCH, WOLFGANG DE PONTE