Die chinesische Plattform Shein wirbt mit extremen Billigpreisen. © Monika Skolimowska, dpa
Nach der Abmahnung von deutschen Verbraucherschützern hat die Einkaufs-Plattform Shein eine Unterlassungserklärung unterzeichnet. Das sagte ein Sprecher von Shein auf Anfrage. „Wir arbeiten mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) zusammen, um auf seine Bedenken einzugehen.“ Der vzbv bestätigte den Vorgang. Shein wolle künftig „auf irreführende Praktiken in Deutschland verzichten“, sagte die Vorsitzende Ramona Pop. Der Anbieter müsse seine Website bis zum 1. Juni nachbessern. Das Verfahren wurde damit außergerichtlich abgeschlossen. Falls sich ein Verstoß wiederholt, kann der Verband eine Strafe fordern.
Shein war Ende April wegen mehrerer Verstöße abgemahnt worden. Der Anbieter führe Verbraucher „aufs Glatteis und missachtet Regeln des Verbraucherschutzes“, hieß es. Der vzbv monierte unter anderem manipulative Designs, komplizierte Beschwerdewege, versteckte Kontaktmöglichkeiten, willkürlich erscheinende Rabatthöhen und fehlende Informationen bei Sternchen-Bewertungen. In der Kritik standen auch Pop-up-Fenster mit dem Hinweis „Du könntest jetzt Gutscheine erhalten! Bist du sicher, dass du gehen willst“, die Käufern angezeigt werden. Der vzbv warf Shein auch vor, gegen das Gesetz für digitale Dienste (DSA) zu verstoßen. Die neue EU-Richtlinie sieht eine strenge Regulierung von Inhalten im Netz vor und legt Vorschriften fest, an die sich alle Anbieter halten müssen. So sind diese unter anderem verpflichtet, strikt gegen illegale Inhalte wie Hassrede und Hetze vorzugehen. Für sehr große Online-Plattformen gelten strengere Anforderungen. Plattformbetreiber, die dagegen verstoßen, können mit einer Strafe belangt werden. Die EU ermittelt wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das DSA unter anderem gegen Facebook, Instagram und X (ehemals Twitter).
Shein, das als eines der größten Modeunternehmen der Welt gilt, war Ende April von der EU offiziell als sehr große Plattform eingestuft worden. Nach der Benennung muss der Händler innerhalb von vier Monaten die strengsten Vorschriften des Gesetzes einhalten. Bis dahin gelten weiterhin die Regeln für alle mittelgroßen oder kleineren Anbieter. Shein wurde in China gegründet, hat seinen Sitz inzwischen aber nach Singapur verlegt.
Das chinesische Portal Temu war zuletzt ebenfalls abgemahnt worden und hatte daraufhin eine Unterlassungserklärung unterzeichnet. Handelsexperten und Verbände forderten wiederholt ein strikteres Vorgehen gegen die Online-Händler. „Unternehmen wie Shein machen Einkaufen zum Spiel, das süchtig machen kann“, sagte vzbv-Chefin Pop.