Zwei Kindersitze fallen durch

von Redaktion

Der ADAC hat Kindersitze getestet. 15 Sitze sind gut, auch ein sehr günstiges Modell überzeugt. Ein Sitz ist aber extrem gefährlich und einer stark mit Schadstoffen belastet.

Die Testvorrichtung des ADAC für Kindersitze. © ADAC

Beim ADAC-Test schnitten immerhin 15 Kindersitze „gut“ ab, sieben waren „befriedigend“. © Ralph Wagner/ADAC

Wer im Internet einen Kindersitz sucht, kann schnell den Überblick verlieren: Es gibt unzählige Modelle in allen möglichen Größen, mit und ohne Isofox-Station. Diese Isofix-Halterungen gibt es in fast allen neueren Autos, in der Regel auf den beiden äußeren Rücksitzen, oft auch auf dem Beifahrersitz. Lediglich die mittleren Sitze auf den Rückbanken haben meist kein Isofix, auch in den dritten Sitzreihen bei Vans sowie bei manchen Bussen fehlen sie.

Doch braucht man Isofix-Stationen zwingend? Und welche Sitze sind wirklich sicher? Das hat der ADAC getestet. Ergebnis: 15 Sitze haben dabei „gut“ abgeschnitten, einige davon auch ohne Isofix-Station, sieben „befriedigend“ und zwei sind durchgefallen.

■ Warnung vor Sitz von Peg Perego

Einer der Sitze schnitt dabei so schlecht ab, dass der ADAC schon vor der Veröffentlichung des gesamten Tests mit einer eigenen Pressemeldung vor ihm warnte: Dem Peg Perego Viaggio Twist mit Isofix-Station für stolze 520 Euro. Vor allem der Frontaufprall sei lebensgefährlich – und zwar für alle Insassen im Auto. „Die Sitzschale reißt aus der Isofix-Station und fliegt mit dem Kind nach vorne“, berichtet Andreas Ratzek vom ADAC-Testcenter. Genau das ist beim Test nämlich passiert. „Die Verletzungsgefahr ist dabei sehr groß.“ Die gefährliche Isofix-Verankerung werde auch für andere Sitze und Babyschalen der Herstellers verwendet. Der Sitz ist seit Herbst auf dem deutschen Markt. Wer ihn gekauft hat, hat zwar kein Anrecht auf Umtausch, kann beim Hersteller aber um Kulanz bitten, so der Autoclub. Zudem sei der Sitz mit Schadstoffen belastet und wäre schon allein deshalb durchgefallen – ein Problem, das auch ein zweiter Sitz hat, nämlich der Silver Cross Discover i-Size. Im Sitzbezug steckt zu viel des Weichmachers DPHP, der die Schilddrüse schädigen kann.

■ Restliche Babyschalen sind allesamt „gut“

Doch es gibt auch erfreuliche Nachrichten. So schneiden die Babyschalen im Test allesamt gut ab. Von Babyschalen spricht man bei Sitzen für Kinder bis maximal 87 Zentimeter Größe. Die relativ gesehen schlechteste Note hat dabei der Maxi-Cosi Pebble 360 Pro 2 mit einer immer noch sehr ordentlichen 2,2. Ob man die 300 Euro teure Schale übrigens inklusive der Isofix-Basisstation Family Fix 360 Pro für weitere 270 Euro kauft, macht laut ADAC zumindest bei der Testnote keinen Unterschied. Das gilt sowohl für die Sicherheit, als auch für die Handhabung. Ohne Isofix-Station befestigt man ihn mit dem Gurt im Auto. Und: Während der Sitz bei einem vorherigen ADAC-Test wegen Schadstoffen im Bezug noch durchgefallen war, hat der Hersteller nun nachgebessert. Jetzt besteht der Sitz auch den strengen chemischen Test des Autoclubs.

■ Testsieger: Der Nuna Pipa Urbn

Testsieger bei den Babyschalen wurde der Nuna Pipa Urbn mit Gesamtnote 1,6. Einziger Haken: der Sitz ist nur bis 75 und nicht bis 87 Zentimeter Körpergröße geeignet, bietet dafür aber sehr viel Sicherheit und Komfort für die Kleinen. Praktisch: Auch ohne Basisstation lässt er sich mit Isofix fest am Sitz verankern und zusätzlich mit dem Gurt sichern. Mit 330 Euro ist er im mittleren Preissegment angesiedelt. Zum Vergleich: Der im Test zweitplatzierte Cybex Cloud mit iIsofix-Station steht für 460 Euro beim Händler, die feste Basis bringt hier tatsächlich Mehrwert zum reinen Sitz, der mit Gurt ins Auto geschnallt wird.

■ Auch eine sehr günstige Schale punktet

Eine sehr günstige und gute Alternative zu den beiden Siegern: Der Lionelo Astrid i-Size. Er kostet ohne Station nur 85 Euro und kommt auf Note 2,2. Mit Station ist er für 170 Euro zu haben und verbessert sich auf eine 1,8 – die gleiche Gesamtnote wie der Cybex Cloud trotz weniger als der Hälfte der Gesamtkosten. Der Preis allein sagt also nicht zwangsläufig etwas über die Qualität einer Babyschale aus. Alle Schalen halten die Babys übrigens mit einem Dreipunktgurt in den Polstern. Zudem haben sie kleine Dächer, meist aus Stoff. Man kann sie aufklappen, wenn die Sonne den Kindern ins Gesicht brennt. Sehr viele Schalen kann man auch auf Kinderwagen montieren, wenn man mit den Kleinen unterwegs ist.

■ Bei Kleinkinder-Sitzen genau hinsehen

Was auffällt: Die besonders variablen Sitze, die sowohl für Babys als auch für Kleinkinder bis etwa vier Jahre und einer Körpergröße von einem Meter und fünf Zentimetern passen, schneiden allesamt etwas schlechter ab als die reinen Babyschalen. Woran das liegt? Die Sitze sind wohl gerade für die Neugeborenen noch etwas zu groß, worunter bei ihnen Halt und Bequemlichkeit etwas leiden könnten. So sind unter den von 40 bis 105 Zentimetern zugelassenen Sitzen zwei von drei Modellen nur „befriedigend“, da weniger sicher und ergonomisch: Der Jané Concord iXpert kommt auf eine glatte Drei, der Storchmühle Niki Start auf 3,4 – trotz einem hohen Preis von 500 Euro. Alle beide sind sogenannte Reboarder, bei denen das Kind rückwärts sitzt, was die Verletzungsgefahr bei Crashs reduziert. Grundsätzlich sollten Kinder mindestens bis zum zweiten Lebensjahr rückwärts sitzen, so ADAC-Experte Andreas Ratzek. Der Joie i-Spin XL, der vom Baby bis zum Zwölfjährigen alles unterbringen kann, schafft ebenfalls nur eine 3,0. Auch ihn kann man aber drehen.

■ Cybex und Maxi-Cosi überzeugen

Meist besser als Universalsitze, die für viele Altersstufen passen: Exakter auf Alter, Größe und Gewicht zugeschnittene Modelle. Als einziger Sitz, der sowohl für Babys als auch für Kleinkinder geeignet ist, kommt der Maxi-Cosi Mica 360 Pro auf eine 2,2. Er kostet aber 470 Euro und für Babys gibt es Schalen mit besseren Wertungen. Bei den etwa Ein- bis Vierjährigen Cybex-Modellen kommen die Cybex-Sirona Gi-Sitze auf die besten Noten. Die Isofix-Basisplatte braucht man dabei nicht zwingend, eine Isofix-Halterung im Auto aber schon, eine Gurtbefestigung ist bei diesem Reboarder nicht vorgesehen. Wer kein Isofix hat, kann sich den Britax Römer King Pro mit Gesamtnote 2,7 ansehen, der aber erst ab 76 und nicht ab 61 Zentimetern Körpergröße passt. Er war der einzige Kleinkindersitz im Test, den man mit Gurt fixieren kann. Das gleiche gilt für den auch für größere Kinder bis sieben Jahre und 1,25 Meter geeigneten Britax Römer Safeway M mit Note 3,4, der sicher, aber sehr fummelig zu bedienen ist.

■ Drei Sitzerhöhungen sind gut

Geht es nur darum, eine Sitzerhöhung für die über einen Meter großen Vier-bis Zwölfjährigen zu finden, ist die Auswahl an guten Modellen wieder größer. Der Avova Sora-Fix erhält vom ADAC eine 2,0, der Maxi-Cosi RodiFix Pro 2 eine 2,1, der Britax Römer Hi-Liner eine 2,8. Sie aller haben Seitenwagen, die verhindern, das die Köpfe der Kinder beim Seitenaufprall ungebremst hin- und herschleudern. Auch bei den Kosten pendeln sie alle um die Marke von 200 Euro. Weniger empfehlenswert hingegen ist der Kinderkraft Xpand 2 i-Size, der Silver Cross fällt wie oben erwähnt wegen Schadstoffbelastung durch.

■ Sitze ausprobieren und nachstellen

Der Test zeige, dass es erhebliche Qualitätsunterschiede bei Kindersitzen gebe, bilanziert Andreas Ratzek vom ADAC. Zudem passt auch nicht jeder gute Sitz auch gut in das eigene Auto. Der ADAC rät deshalb dazu, am besten mit Auto und Kind zum Geschäft zu fahren und den Sitz vor Ort zu probieren. Vor allem bei den Kindersitzen solle man penibel darauf achten, dass der Gurt sich selbstständig wieder aufrollt, nachdem das Kind sich nach vorne gebeugt hat. Bei Kleinkindersitzen und Babyschalen müsse man Gurte und Lehnen regelmäßig nachjustieren, wenn das Kind gewachsen ist. Und: Beim Anschnallen Gurte straff ziehen und die Jacken unter den Beckengurten hervorziehen.

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