Umweltabgabe verteuert Flugtickets

von Redaktion

Die Lufthansa will Kunden bei Flugtickets stärker zur Kasse bitten, um die Mehrkosten für Umweltauflagen zu kompensieren. Bisher gibt es schon freiwillige Öko-Tickets, doch die sind Ladenhüter. © IMAGO/Andreas haas

Für Lufthansa-Kunden wird Fliegen künftig teurer. Die Kranich-Airline erhebt jetzt eine Umweltgebühr für Flüge, die im kommenden Jahr stattfinden werden. Doch wie rechtfertigt die Airline den Zuschlag? Und dürfte Fliegen insgesamt bald teurer werden? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Abgabe plant die Lufthansa genau?

Die Lufthansa kassiert seit Mittwoch eine neue Umweltabgabe. Sie gelte für alle von der Lufthansa Group vermarkteten und durchgeführten Flüge mit Start aus allen EU-Ländern und Großbritannien, Norwegen und der Schweiz, so die Airline. Der Zuschlag werde für alle Tickets erhoben, die seit Mittwoch ausgestellt werden, und gelte für Abflüge ab dem 1. Januar 2025. Wie viel auf den Ticketpreis aufgeschlagen wird, hängt von der Flugstrecke ab – zwischen einem und 72 Euro, erklärt die Lufthansa.

Wie rechtfertig die Lufthansa das?

Die Airline erwartet massive Belastungen durch die ab dem kommenden Jahr bei Abflügen aus EU-Ländern vorgeschriebene Beimischung von sogenanntem Sustainable Aviation Fuel (SAF), also nachhaltigem Flugkraftstoff. „Für die Lufthansa Group wird dies in Zukunft zu Mehrkosten in Milliardenhöhe führen“, betont der Konzern. SAF koste etwa das 2 bis 2,5fache von Kerosin, erklärt der Hamburger Unternehmensberater Heinrich Grossbongardt. „Bei einer vorgeschriebenen Quote von zwei Prozent ab 2025 ist die Treibstoffrechnung also vier bis fünf Prozent höher“. Erschwerend kommt hinzu, dass es augenblicklich nicht genügend SAF am Markt gibt. Das könnte den Preis zusätzlich treiben. Teurer werde das Fliegen außerdem durch die Ausweitung des EU-Emissionshandelssystems. „CO2-Zertifikate kosten derzeit in der Größenordnung von 80 Euro pro Tonne“, rechnet Grossbongardt vor. Beim gegenwärtigen Kerosinpreis müssten etwa zwölf Prozent zusätzlich kalkuliert werden. Ein Teil davon könne wohl durch die Modernisierung der Flotten aufgefangen werden.

Wieso kommt der Vorstoß genau jetzt?

Für Verwunderung sorgt der Vorstoß vor dem Hintergrund, dass es für die Kranich-Airline wirtschaftlich derzeit gut läuft. Im Geschäftsjahr 2023 hatte die Gruppe das drittbeste Finanzergebnis ihrer Geschichte erwirtschaftet. Allerdings lassen sich schmerzhafte Preiserhöhungen leichter durchführen, wenn die Nachfrage hoch ist, erklärt Grossbongardt. Die Lufthansa folge einem für sie typischen Muster, analysiert der Luftfahrtberater Cord Schellenberg: „So, wie einst Kerosinzuschläge eingeführt wurden, um die nach Meinung der Lufthansa zu stark gestiegenen Treibstoffkosten an die Passagiere weiterzureichen, werden jetzt die Kosten für politisch verordnete Umweltauflagen weitergegeben.“

Gibt es nicht bereits eine freiwillige Öko-Abgabe?

Ja, den erst vor 15 Monaten eingeführten Öko-Tarif „Green Fares“. Die etwas teureren Tickets sollen es klimabewusste Lufthansa-Kunden auf freiwilliger Basis ermöglichen, die durch den Flug entstehenden Umweltbelastung teilweise zu kompensieren. Die Zahl der Nutzer hält sich bislang offenbar in Grenzen: Laut Lufthansa waren es im ersten Jahr durchschnittlich drei Prozent der Kunden. Vor allem Privatreisende blieben mehrheitlich sehr preissensibel, erklärt Grossbongardt.

Könnten anderen Airlines nachziehen?

Mittelfristig dürfte das Fliegen nicht nur für Lufthansa-Kunden teurer werden: Weil die EU-Auflagen für alle europäischen Fluggesellschaften gelten, erwarten viele Beobachter, dass andere Airlines dem Beispiel der Lufthansa folgen werden. „Wenn ein großer Anbieter den ersten Schritt wagt und darauf kein Aufschrei der Öffentlichkeit erfolgt, dürften andere Airlines bald nachziehen“, prognostiziert Schellenberg. Die Vermeidung von CO2-Emissionen und der steigende Preis von CO2-Zertifikaten werde das Fliegen verteuern, erwartet auch Grossbongardt. „Am Ende wird es der Passagier als der eigentliche Verursacher zahlen müssen“. Öffentlich sichtbar würden solche Preissteigerungen aber nur bei solchen Fluggesellschaften, die wie Lufthansa Drehkreuze betreiben und das klassische Modell breit gefächerter und differenzierter Preise anbieten, warnt der Branchenexperte Jörg Schwingeler. Airlines wie Ryanair oder Wizzair kalkulierten anders, erklärt er: Sie böten zu jedem Zeitpunkt nur einen Tarif an, der sich erhöht, je mehr man sich dem Abflugdatum nähert. Umsätze steigerten sie nicht durch feste Preiserhöhungen, sondern durch stärkere und/oder frühere Aufschläge bei kurzfristigen Buchungen: „Wir beobachten hier eine wachsende Differenz zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Preis der betreffenden Airline auf einer Strecke“, sagt Schwingeler: „So lag auf der Strecke von Memmingen nach Alicante im ersten Quartal 2024 bei Ryanair der niedrigste Preis bei 15 Euro, der höchster bei 353 Euro“.

Sind die Umweltauflagen ein Nachteil für Europa?

Das behauptet zumindest die Lufthansa: Die Umweltvorgaben seien ein Wettbewerbsnachteil für EU-Airlines. Fakt ist: Die EU kann nur Vorgaben für Flüge machen, die in der EU starten oder enden. Airlines, die ein Drehkreuz außerhalb der EU betreiben, seien von den damit verbundenen Mehrkosten nur zwischen Europa und diesem Hub unterworfen, erklärt Schwingeler. Schreibe das jeweilige Land keine vergleichbaren Auflagen vor, bleibe ein Teil der Reise von Mehrkosten befreit. Schwingeler nennt ein Beispiel: „Ein Lufthansa-Flug München-Tokio ist vollständig den EU-Regularien unterworfen, eine Umsteigeverbindung über Istanbul aber nur auf der Teilstrecke München–Istanbul. Auf der Strecke Istanbul–Tokio gelten die EU-Auflagen nicht“.

Hilft der Zuschlag der Umwelt denn?

Durch die höheren Preise könnten die Europäer weniger fliegen – so das Kalkül. Allerdings: Verlagert sich wegen der Mehrkosten tatsächlich ein Teil der Nachfrage von zu außereuropäischen Airlines, könnten sich die geflogenen Strecken auf Langstrecke verlängern. Dadurch würden die Emissionen möglicherweise steigen.

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