Von Gepäckversicherungen raten Verbraucherschützer ab. Hier gibt es zu viele Fallstricke. © IMAGO/Joeran Steinsiek
Ein Unfall vor dem Urlaub ist doppelt ärgerlich, weil man dann unter Umständen seine langersehnte Reise nicht antreten kann. Finanziell muss er aber kein Beinbruch sein, wenn man gut versichert ist. © IMAGO
Die schönsten Wochen des Jahres können auch zum Albtraum werden. Wenn Sie im Ausland krank werden, die Reise abbrechen müssen oder Ihre Koffer gestohlen werden. Erst recht, wenn es keine Reiseversicherung gibt, die zumindest den finanziellen Schaden ausgleicht. Einige Policen für den Urlaub sind sinnvoll und günstig, andere eher überflüssig. Hier die gängigsten Versicherungen auf einen Blick.
■ Krankenversicherung für das Ausland
Die Auslandsreise-Krankenversicherung ist die sinnvollste Reiseversicherung. Man sollte sie sich unbedingt leisten. Das kann man auch, weil sie im Grunde nicht viel kostet. Gesetzlich Versicherte sind nur in Europa unter anderem beispielsweise über AOK oder Barmer geschützt. Oft wird von den Versicherern aber auch nicht alles bei einer Auslandsbehandlung übernommen. Und die Kosten eines medizinisch notwendigen Rücktransports erhalten Sie nie erstattet, auch nicht von privaten Krankenversicherern. Auslands-Krankenversicherungen springen in diesen Fällen ein.
Von der Stiftung Warentest als mindestens „gut“ bewertete Jahrespolicen bieten einen hervorragenden Reiseschutz und kosten zum Beispiel bei der Europa Versicherung zwölf Euro, beim ADAC 19,60 Euro und bei der Debeka nur acht Euro im Jahr. Während die meisten Versicherer Verbraucherinnen und Verbrauchern über 60 einen deftigen Aufschlag berechnen, gibt es das bei der Debeka nicht. Deren Police wurde sogar mit „sehr gut“ bewertet. Die Barmenia beispielsweise nimmt von jüngeren Leuten für ihre Reiseversicherung 16,90 Euro. Ab einem Alter von 66 Jahren zahlt man dann schon 59,60 Euro pro Jahr. Und die R+V verlangt von 65-jährigen satte 99,00 Euro im Jahr (Tarif JR). Deshalb: Tarife und Leistungen vergleichen!
■ Versicherung für Abbruch und Reiserücktritt
Ebenfalls sinnvoll: eine Reiserücktritts- und Reiseabbruchs-Versicherung. Vor allem bei teureren Urlaubsreisen sollten man sie abschließen. Hat man eine solche Versicherung und wird krank, verliert seinen Job oder es gibt einen Unglücksfall in der Familie, zahlen diese Versicherungen die Stornokosten, wenn man die Reise absagen muss. Und die Stornogebühren können hoch sein, bei einem kurzfristigen Rücktritt oft der volle Reisepreis. Gut, wenn dann die Versicherung einspringt. Bucht man im Internet oder im Reisebüro, wird einem bestimmt ein Reiseschutz angeboten.
Diese Policen sind aber fast immer viel zu teuer! Denn TUI, ITS und Co. schlagen ihre Provision auf den Versicherungspreis auf. Ein Beispiel: Für eine Reise im Herbst auf die Kanaren im Wert von 3658,00 Euro offeriert TUI einem Rentner-Ehepaar eine Versicherungspolice von Allianz Travel zum Preis von 350,04 Euro – wobei nicht einmal klar ist, ob eine Selbstbeteiligung zu stemmen ist oder nicht. Eine Jahrespolice hingegen, bei der man nicht nur diese eine, sondern mehrere Trips unternehmen kann, kostet bei der Allianz direkt gebucht nur 284,00 Euro und ist ohne Selbstbeteiligung.
Klüger ist es also, wenn Sie eine Jahrespolice einer Reiserücktrittskosten- und Reiseabbruchversicherung abschließen, die auch bei mehreren Reisen im Jahr Schutz bietet. Verbraucherfreundlich ist das Angebot des ADAC, bei dem es keine Selbstbeteiligung gibt. Der weltweite Schutz für Rentner bis zu einem Reisepreis von 4000 Euro kostet 301,87 Euro im Jahr. Bei der Ergo sind es 262 Euro und bei Allianz Travel, wie gesagt, 284 Euro. Jüngere Leute zahlen auch für diesen Reiseschutz deutlich weniger. Ist das Paar in seinen 30er-Jahren, kostet das beim ADAC 171 Euro, bei Ergo 145 Euro und bei Allianz Travel 148 Euro pro Jahr.
■ Versicherung für das Reisegepäck
Nicht zu empfehlen sind dagegen Reisegepäckversicherungen. Jahrespolicen kosten zwischen 100 und 200 Euro bei einem Gepäckwert zwischen 4000 und 6000 Euro. Versichert ist dabei etwa Kleidung, Bargeld, Schmuck, Handy oder Tablet, Sportausrüstungen, Brillen und sogar Fahrkarten oder Flugtickets. Das klingt zunächst sinnvoll. Das Problem sind hier jedoch die Versicherungsbedingungen. Sie bieten so viele Fallstricke, dass die Versicherungen sich in vielen Fällen mit Verweis auf Unachtsamkeiten des Versicherten um die Zahlungen drücken können. Überspitzt formuliert: Man muss so gut auf sein Gepäck aufpassen, dass nichts gestohlen werden kann. Nur: Dann ist diese Police eigentlich überflüssig. Und: Auch viele Hausrats-Versicherungen decken etwa Diebstähle aus dem Hotelzimmer ab. Hat man eine Hausrats-Versicherung, lohnt es sich, die Bedingungen einmal genauer zu lesen.
■ Policen für Unfälle mit dem Auto im Ausland
Bei Reisen mit dem Auto ins Ausland bietet Ihnen ein Auslandsschutzbrief finanzielle Hilfe, wenn Sie eine Panne haben, abgeschleppt werden müssen oder das defekte Fahrzeug nach Hause befördert werden muss. Auch ein Ersatzwagen ist in vielen Auslandsschutzbriefen enthalten. Während die Automobilclubs dafür mehr als 100 Euro im Jahr haben wollen, kommen Familien bei Versicherern wie ARAG mit 77,70 Euro, bei Ergo mit 69 Euro oder bei Roland mit 68,75 Euro im Jahr deutlich billiger davon.
■ Mehrere Versicherungen kombinieren hilft
Wer seine Reise tatsächlich von vorne bis hinten komplett absichern will, kann auch mehrere Versicherungen im Paket abschließen. Nimmt man alle in einem Kombinationsangebot von einem Anbieter, gibt es in der Regel einen Rabatt. Ist man unter 60 Jahre alt und will alle drei sinnvollen Policen abschließen, zahlt man für Auslandskrankenschutz, Reiserücktritts- und Auslandsschutzbrief je nach Anbieter insgesamt rund 250 Euro pro Jahr. Als Rentner muss man mindestens 400 Euro im Jahr für das Paket von sinnvollen Reiseversicherungen zahlen.
■ Spartipp: Goldkarten regionaler Banken
Aber es geht auch wesentlich günstiger! Als Kunde einer Volks- und Raiffeisenbank oder einer Sparkasse sollte man ganz einfach deren goldene Kreditkarte erwerben. Die kostet nicht mehr als 100 Euro im Jahr und beinhaltet alle diese Reisepolicen. Es gibt hier zudem keinen Aufschlag fürs Alter und die Versicherer springen auch dann ein, wenn die Reise nicht mit der Karte bezahlt wurde. Aber: Diese Karten sind an ein Girokonto gebunden. Das heißt: Jüngere Leute sparen rund 150 und Rentner 250 Euro im Jahr. Eine entsprechende Karte der Stadtsparkasse München kostet 96 Euro im Jahr, bei der Münchner Bank sind es 99 Euro, bei der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte sind es 79 Euro.
Eine überregionale Goldkarte gibt es von Meine Bank, einer Marke der Raiffeisenbank Hochtaunus. Die bietet zum einen bundesweit ein kostenloses Onlinekonto und in Verbindung eine Goldkarte mit Reiseschutz zum Jahrespreis von nur 75 Euro. Doppelt profitieren kann man auch bei der Deutschen Skatbank. Auch hier gibt es nicht nur ein kostenloses Online-Girokonto, sondern zudem eine goldene Kreditkarte für 80 Euro im Jahr. Und hier ist das attraktive Paket an sinnvollen Reiseversicherungen inkludiert.
Karten ohne Kontobindung wie Miles and More oder American Express helfen einem nicht wirklich, weil sie nur zahlen, wenn die Reise auch mit diesen Karten bezahlt werden. Hat man eine teure Ferienwohnung durch Überweisung beglichen, geht man leer aus.