Unerwarteter Geldsegen: Zurücklehnen kann man sich trotzdem nicht, denn das Vermögen will gut angelegt sein. © alphaspirit, panthermedia
Sei es eine Erbschaft, die Auflösung eines Fonds, oder die Auszahlung einer Lebensversicherung: Viele Menschen bekommen im Laufe Ihres Lebens plötzlich eine größere Summe auf ihr Konto. Doch was tun mit dem Geldsegen? Im Interview beantwortet Udo Preisenhammer von der Stadtsparkasse München in der Filiale Moosach, die wichtigsten Fragen.
Herr Preisenhammer, nehmen wir an ein junger Erwachsener bekommt 100 000 Euro. Was kann man sich davon gönnen?
Der Klassiker wäre ein Auto oder eine schöne Reise, die man sich davor nicht leisten konnte. Es spricht aber auch nichts dagegen, sich eine schöne Uhr zu kaufen, die davor nicht im Budget war. Da gibt es eigentlich kein Richtig und kein Falsch, das ist ganz individuell. Man muss sich nur klar sein: Wenn man das Geld konsumiert, etwa für eine Reise, ist es danach halt weg.
Wie viel von dem Geld kann man ausgeben – und was sollte man zurücklegen?
Gerade Berufseinsteiger sollten lieber den Großteil zurücklegen. Es ist sicher vertretbar, sich mit 20- oder 30 000 Euro seine Träume zu erfüllen. Danach sollte man seine Zahlungsfähigkeit für den Notfall sicherstellen, also einen Notgroschen zurückbehalten, falls mal die Waschmaschine kaputtgeht oder ähnliches. Dieses Geld sollte gut erreichbar auf einem Tagesgeldkonto liegen, in unserem Beispiel vielleicht 10 000 Euro. Der Rest, für die Altersvorsorge, hängt davon ab, wie risikobereit der Mensch ist.
Was heißt das genau?
Aktien bieten oftmals höhere Renditechancen, sind aber nicht so sicher wie Pfandbriefe oder Anleihen. Ein junger Mensch ist meist risikobereiter, weil er mehr Zeit hat, Marktschwankungen auszusitzen. Der wird sich vermutlich mehr Aktien kaufen, am besten in einem Fonds, der das Risiko streut. Ein paar Sicherheitsbausteine ergeben aber natürlich immer Sinn.
Und wenn man sich eine Immobilie wünscht?
Dann kann sich ein Bausparer lohnen. Damit sichert man sich niedrigere Zinsen, was die Kosten senkt. Wenn man genug Zeit hat, kann aber auch erst in Aktien investieren, und sie später für eine Wohnung verkaufen. Wer speziell auf die Rente hinspart, kann auch in eine private Rentenversicherung investieren. Der Vorteil: Wenn die Versicherung bis zum 62. Geburtstag schon 12 Jahre lief, muss man die Hälfte des Ertrags nicht versteuern.
Sprechen wir über einen Menschen kurz vor der Rente, der seine Lebensversicherung ausgezahlt bekommt. Wie nutzt der 100 000 Euro am besten?
In diesem Alter hat man hoffentlich schon vorgesorgt. Warum sollte man sich also nicht eine größere Reise gönnen? Oft sind die eigenen Kinder dann schon in einem Alter, wo sie etwa eine Immobilie anzahlen wollen, da könnte man helfen. Man kann theoretisch pro Person alle zehn Jahre 400 000 Euro steuerfrei an seine Kinder verschenken, das sollte man ausnutzen, wenn es geht.
Und wenn kein akuter Bedarf besteht?
Kann man das Geld auch am Kapitalmarkt anlegen. Da geht es meist weniger um starkes Wachstum, sondern eher darum, das Geld sicher und ertragreich anzulegen. Das sind dann oft Anleihen mit kürzerer Laufzeit, Festgeldkonten oder Aktien, die stabile Dividenden liefern. Mit den möglichen Erträgen kann man seine Rente aufbessern.
Gold ist nach wie vor eine beliebte Anlage. Eignet sich das?
Danach werden wir in unseren Beratungsgesprächen eigentlich immer gefragt. Gold als Sicherheitsbaustein kann sowohl für junge wie auch für Ältere Menschen gut geeignet sein. Man muss sich nur im Klaren sein, dass der Goldpreis schwankt wie eine Aktie und keine Zinsen abwirft. Ich gehe aber davon aus, dass Gold seinen wert nie komplett verlieren wird und bis heute ist der Preis stetig gestiegen. Für die meisten ist das auch kein Spekulationsobjekt: Gold wird oft nicht verkauft, sondern vererbt. In meinen Augen spricht nichts dagegen, zehn Prozent seiner Ersparnisse in Gold anzulegen.