Mittels Zinstreppe investiert man in verschiedene Laufzeiten und hat immer wieder Geld frei, um es neu anzulegen. © Joachim Wendler, Panthermedia
Die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld sind im vergangenen Jahr zwar gesunken. Trotzdem lohnt es sich noch, Geld sicher anzulegen, zumal immer noch Zinsen knapp oberhalb der Inflationsrate drin sind. Was Sparerinnen und Sparer tun können, um 2025 mehr Zinsen herauszuholen – hier ein Wegweiser.
■ Auf dem Girokonto verschenkt man Geld
Größere Geldsummen unverzinst auf dem Girokonto liegen zu lassen, kostet Geld. Zum einen verschenkt man den möglichen Zins, zum anderen verliert das Geld durch die Inflation an Wert.
Beispiel: Wer etwa 10 000 Euro auf dem Girokonto verkümmern lässt, statt das Geld für zwei Prozent im Durchschnitt auf einem Tagesgeldkonto anzulegen, verliert schon 200 Euro an Zinsen pro Jahr.
Und: 10 000 Euro, die fünf Jahre lang auf einem Girokonto unverzinst bleiben, haben bei einer Inflationsrate von 2 Prozent nach fünf Jahren nur noch eine Kaufkraft von 9057 Euro – fast 1000 Euro sind einfach weg.
Merten Larisch, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern, rät deshalb, „überschüssiges Geld auf dem Girokonto einmal im Monat auf ein gut verzinstes Tagesgeldkonto zu überweisen oder dafür gleich einen Dauerauftrag einzurichten“. Damit kann man zum Beispiel am Monatsende, alles was über einem bestimmten Sockelbetrag liegt, aufs Tagesgeldkonto weiterleiten.
■ Parkplatz Tagesgeld für alle Fälle
Tagesgeld ist, wie es der Name schon sagt, täglich verfügbar. Ein Tagesgeldkonto lässt sich deshalb gut als leicht zugänglicher Parkplatz für die finanzielle Notreserve nutzen, etwa für eine Steuernachzahlung oder eine Autoreparatur. Anfang Januar 2025 lag der Zinssatz für Tagesgeldkonten bei durchschnittlich knapp 2,0 Prozent. Trotzdem sind auch bei Geldhäusern mit sehr guter Sicherung der Spareinlagen noch Zinsen von mehr als drei Prozent drin. Zu diesen zählen etwa die Consorsbank, die TF-Bank (Schweden) oder die Renault-Bank, ING oder Volkswagen Financial Services.
Die Top-Zinsen erhalten allerdings nur Neukunden und auch nur für eine begrenzte Zeit von meist drei bis maximal sechs Monaten. Dann heißt es für Kunden weiterziehen. Dabei helfen die immer aktualisierten Tabellen in unserer Zeitung, die auch im Internet bei biallo.de zu finden sind.
Experte Larisch rät Kunden, die nicht ständig von einer Bank mit Aktionszins zur nächsten wechseln wollen, auf die Bestandszinsen zu schauen. Das sind die Zinsen, die die Bank zahlt, wenn es keine Aktionszinsen mehr gibt.
Zu den Banken, die attraktive Bestandszinsen gewähren, zählen zum Beispiel der schwedische Finanzdienstleister Klarna, der liechtensteinische Vermögensverwalter „wiLLBe”, die BMW Bank und die Renault-Bank, die luxemburgische Advanzia Bank oder die Raiffeisenbank im Hochtaunus (Meine Bank).
■ Langfristige Festgelder, weniger Rendite
Wer Erspartes in Festgeld oder in Sparbriefen anlegt, kommt während der vereinbarten Laufzeit nicht an sein Guthaben heran. Dafür sind die Zinsen in der Regel höher als für Tagesgeld. Die vier Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) im vergangenen Jahr machten sich aber vor allem beim Festgeld bemerkbar. So brachte Festgeld mit zwei Jahren Laufzeit dem Biallo-Index zufolge Ende November 2023 noch fast 2,60 Prozent Zinsen im Durchschnitt, ein 15-Jahres-Hoch. Mitte Januar 2025 waren es im Durchschnitt bei neuen Abschlüssen nur noch 1,76 Prozent. Das ist weniger als auf einem guten Tagesgeldkonto.
Bei etlichen Banken mit sehr guter oder guter Einlagensicherung, egal ob aus Deutschland oder aus dem Ausland, sind aber für Laufzeiten von 12 oder 24 Monaten noch Zinsen von 2,50 bis knapp drei Prozent drin, so etwa bei den deutschen Geldhäusern Grenke Bank, ABC Bank oder Cronbank.
■ Inflationstest für Anleger
Wer auf Festgeld oder Tagesgeld setzt, wird keine Reichtümer erwarten, aber doch die Inflation schlagen wollen. Ob das gelingt, kann man sich vorher ausrechnen.
Beispiel: Die Bank gewährt für ein einjähriges Festgeld in Höhe von 10 000 Euro 2,7 Prozent Zinsen. Das ergibt nach einem Jahr 10 270 Euro. Steigen die Verbraucherpreise in dieser Zeit um 2,4 Prozent, wächst das Vermögen real, also nach Abzug der Inflationsrate, um 0,3 Prozent – nicht viel, aber besser als nichts. Zum Trost: Im Jahr 2023 lag die Inflation bei 5,9 Prozent. Kein Zinsangebot konnte damals die Teuerung ausgleichen.
■ Was für welche Laufzeit spricht
Für kurze Laufzeiten spricht derzeit, dass die Zinsen momentan für 12- oder 24-monatiges Festgeld höher sind als für längere Laufzeiten. Sollten Inflation und Zinsen in den kommenden Jahren noch einmal stärker steigen, etwa weil der neue US-Präsident Donald Trump höhere Schutzzölle einführt, sind Anleger im Vorteil, die ihr Geld schnell verfügbar haben und zu dann besseren Zinsen neu anlegen können. Mit längeren Laufzeiten lässt sich hingegen das bestehende Zinsniveau sichern, für den Fall, dass die Zinsen in den nächsten Jahren weiter zurückgehen sollten.
■ Wie man sich eine Zinsleiter baut
Wer sich die Spekulation auf die künftige Zinsentwicklung sparen will, kann sich auch eine Zinsleiter bauen. Dabei wird eine Gesamtsumme Geld in kleinere Chargen aufgeteilt und zu verschiedenen Laufzeiten – ein, drei oder fünf Jahre – angelegt. So haben Sparer einerseits die Möglichkeit, immer mal wieder über einen Teil des Ersparten zu verfügen und neu zu investieren. Andererseits kann man sich mit den längeren Laufzeiten das bestehende Zinsniveau sichern, für den Fall, dass die Zinsen in den nächsten Jahren weiter zurückgehen.
Diese Methode lässt sich zusätzlich optimieren, in dem man größere Beträge in die Laufzeiten investiert, „bei denen der Zinsabstand zum nächstkürzeren Anlagezeitraum am höchsten ist“, rät die Stiftung Warentest.
Wenn der Zinssatz zum Beispiel für eine einjährige Festgeldanlage deutlich höher ist als für Festgeld mit zwei, drei oder fünf Jahren Laufzeit, lohnt es sich natürlich, mehr in das einjährige Festgeld zu investieren.