DIE BÖRSENWOCHE

Bewegte Tage an den Börsen

von Redaktion

Ende Januar bestätigte das Statistische Bundesamt die gesamtwirtschaftliche Schrumpfung Deutschlands im Jahr 2024. Um 0,2 Prozent sank das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt, nachdem schon im Jahr zuvor kein Wachstum zu verzeichnen war. Ein zaghafter Anstieg der staatlichen und privaten Konsumausgaben wurde durch einen erneuten Einbruch der Exporte überkompensiert. Entsprechend verhalten fielen erneut wichtige Stimmungsindizes aus. So stieg zwar der ifo-Geschäftsklimaindex leicht an, die befragten Unternehmen bleiben bezüglich ihrer künftigen Geschäftsaussichten allerdings noch immer sehr pessimistisch. Das GfK-Konsumklima unterstrich die anhaltende Verunsicherung privater Konsumenten angesichts hoher Preisniveaus, geo- und wirtschaftspolitischer Unsicherheiten sowie der steigenden Anzahl von Insolvenzen und Stellenstreichungen. Viele Menschen sparen, anstatt zu konsumieren.

Immerhin senkte die Europäische Zentralbank (EZB) erwartungsgemäß ihre Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte und ebnete den Weg für weitere Zinssenkungen im Jahresverlauf. Denn EZB-Präsidentin Christine Lagarde erwähnte, dass das aktuelle Zinsniveau noch immer restriktiv wirkt, da die Refinanzierung von Krediten zumeist zu höheren Konditionen erfolgt. Der deutsche Standardaktienindex Dax erreichte in diesem Zuge erneut ein Rekordniveau, wobei auch die Hoffnung auf Strukturreformen zur Verbesserung der Standortqualität nach den anstehenden Bundestagswahlen eine Rolle spielen könnte.

In den USA hingegen bleibt die wirtschaftliche Dynamik hoch. Die US-Notenbank Fed verzichtete daher auf eine Leitzinssenkung, obwohl Präsident Trump diese öffentlich einforderte. Zunehmenden Zwist zwischen der Regierung und den geldpolitisch Verantwortlichen in den USA scheint vorprogrammiert, denn die Inflation verharrte zuletzt nur knapp unter der Marke von drei Prozent.

Für die größte Bewegung an den Aktienbörsen sorgte jedoch die Nachricht, dass ein bisher kaum bekanntes chinesisches Start-up-Unternehmen ein den bekannten US-amerikanischen KI-Modellen, bspw. ChatGPT, ähnliches, auf Künstlicher Intelligenz basierendes Sprachmodell zur öffentlichen Verfügbarkeit gestellt hat. Dieses wurde mit erheblich geringerem finanziellen und technischen Aufwand erstellt und führte entsprechend zu deutlichen Korrekturen bei einigen Überfliegern der letzten Jahre aus dem Segment der US-Technologieaktien. Auch wenn deren Geschäftsmodelle weiterhin Bestand haben dürften, könnte künftig stärkerer Margendruck entstehen. Günstigere KI-Anwendungen könnten hingegen für eine stärkere Nutzung in vielen Unternehmen und damit größere Produktivitätssprünge sorgen.

In der kommenden Woche werden Anleger neben den Dezember-Inflationsdaten aus der Eurozone vor allem auf die ISM-Einkaufsmanagerindizes sowie den aktuellen Arbeitsmarktbericht in den USA achten. Sollten diese weiterhin das Bild einer sehr robusten Konjunktur zeichnen, werden zeitnahe Leitzinssenkungen durch die Fed noch unwahrscheinlicher.

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