Nachdem sich die westlichen Aktienmärkte letzte Woche vom DeepSeek-Schock erholt hatten, sorgte Donald Trump mit der Ankündigung von Zöllen gegenüber Kanada, Mexiko und China zu Marktkorrekturen zum Wochenbeginn. Nachdem aber Mexiko und Kanada (die bereits Gegenzölle ausgesprochen hatten) versprachen, die Grenzen zu den USA besser zu überwachen, haben die USA diese Zölle für 30 Tage ausgesetzt. Daraufhin legten Investoren das Thema schnell wieder zur Seite. Die moderaten Gegenmaßnahmen Chinas auf die scharf geschalteten US-Zölle wurden an den Märkten sogar positiv aufgenommen.
Für die Entspanntheit beim Thema US-Zölle gibt es unterschiedliche Erklärungen. Teilweise wird argumentiert, dass Zölle für Trump nur ein Drohpunkt seien, um Zugeständnisse in anderen Politikbereichen zu erzielen. Dieses Argument gilt sicherlich in Bezug auf Mexiko, wo das bilaterale Verhältnis maßgeblich von der Migration, der Top-Priorität für Trump, bestimmt wird. Doch bei Kanada zeigen die Daten, dass die von der US-Seite aufgeführten Themen Migration und Fentanyl vernachlässigbar sind gegenüber dem massiven Handelsbilanzdefizit. Die dauerhafte Vermeidung von Zöllen zwischen den USA und Kanada kann daher nur dann gelingen, wenn von der US-Seite die Bedeutung der Gegenthemen deutlich aufgebauscht wird.
Für den Rest der Welt ist die Verhandlungsposition gegenüber den USA deutlich schlechter, da entweder Trump die Verhandlungspartner nicht respektiert, was zum Beispiel bei Europa der Fall ist, oder kein einfach verhandelbares Gegenthema vorliegt, was beim systemischen Rivalen China zutrifft. Zudem bleibt zu beachten, dass die Trump-Administration das neue Amt für Externe Einnahmen nicht ohne Grund ins Leben gerufen hat. Mit Zolleinnahmen soll ein Teil der geplanten Steuersenkungen finanziert werden. Wir gehen daher in unserem Basisszenario von weiteren Anhebungen der US-Zölle gegenüber China und zusätzlichen Zöllen auf europäische Waren aus.
Mit der Einführung von Zöllen und entsprechenden Gegenmaßnahmen wird sich das globale Konjunkturumfeld verschlechtern und der Inflationsdruck zunehmen. Letzteres wird den Zinssetzungsspielraum der Zentralbanken, vor allem der Fed, einschränken und am langen Ende der Zinskurve zu anhaltend erhöhten Sätzen führen. Neben der Unsicherheit über die Stabilität der globalen Liefer- und Absatzketten sind dies Faktoren, die negativ für die Aktienmärkte sind. Jedoch scheint dort weiterhin die Hoffnung zu bestehen, dass Trump nur „dealen“ und nicht „bezollen“ will. Dabei kommt gerade der Entwicklung der amerikanischen Aktienmärkte eine große Bedeutung zu. Präsident Trump wertet diese als Indikator für den Erfolg seiner Politik. Demnach wird es Kurskorrekturen in der Trump-Politik nur dann geben, wenn die Märkte klare (negative) Signale setzen.