Testsieger: das Bügelschloss Abus Granit Super Extreme 2500 für 300 Euro. © Kaiser/dpa
Der Preistipp: das einfachere Bügelschloss Abus Granit 460 für 70 Euro. © Ralph Kaiser/dpa
Das günstige, aber gute Kettenschloss Decathlon 920 Art3 für 60 Euro. © Ralph Kaiser/dpa
Mit den besten Schlössern hatte sogar die Flex viel Mühe. © Stiftung Warentest
Dutzende Fahrradschlösser hat die Stiftung Warentest schon demontiert und zersägt – doch an diesem Exemplar bissen sich sogar die erfahrenen Tester die Zähne aus: Das „Abus Granit Super Extreme 2500“ ist das beste bisher getestete Fahrradschloss seit dem ersten Schlössertest im Jahr 2017. An ihm flexten die Tester 15 Minuten herum. Sie verbrauchten sechs Trennscheiben und mussten den Akku des Winkelschleifers mehrmals wechseln, bis das Bügelschloss zerschnitten war. „Das habe ich noch nie erlebt“, lobt Testleiter Peter Schick. „Sehr gut ist, wenn die Schlösser mindestens drei Minuten den jeweiligen Angriffen standhalten.“
Mit der Testnote 1,2 setzt das Abus-Schloss die neue Allzeit-Messlatte und lässt die bisherigen Spitzenreiter aus dem Jahr 2023 hinter sich: das Hiplok D1000 (Note 1,5) und das Litelok X1 (Note 1,4), die ähnlich haltbar waren und die immer noch im Handel sind. Auch sie waren selbst für die Flex eine Herausforderung und strapazierten die Geduld der Tester gehörig. Neben der Flex bearbeiteten die Tester die Schlösser mit Zangen, Sägen und Bolzenschneidern. Dabei wirkten bis zu 5,5 Tonnen auf die Produkte ein. Die einzelnen Ergebnisse dieser Prüfungen bleiben geheim. Immerhin wollen die Tester nicht verraten, mit welchem Gerät man welchem Schloss am besten zu Leibe rückt. Kleiner Hinweis: Bei den drei genannten tun sich alle sehr schwer.
Das harte Testverfahren zahlt sich für Kunden aus. Immerhin sind die wenigsten Diebe ausdauernd wie Peter Schick und sein Team. Doch die hohe Sicherheit hat ihren Preis. Das Abus-Schloss kostet satte 300 Euro, das Hiplok 280 Euro, das Litelok immerhin halbwegs bezahlbare 170 Euro. Damit sich so ein Schloss lohnt, muss das Rad, das es sichert, schon einen ordentlichen Gegenwert haben. Häufig ist das aber der Fall: Gerade die populären E-Bikes kosten häufig 3000 Euro und mehr, bei Lastenrädern sind solche Preise noch schneller erreicht.
Auch ein paar günstige Modelle überzeugen
Schick hat dieses Jahr insgesamt 19 Schlösser geprüft. Und der Test zeigt: Selbst ein teures Rad muss man nicht zwingend mit einem teuren Schloss sichern – wenn man kleine Abstriche macht. So gibt es neben dem 300-Euro-Schloss von Abus auch ein einfacheres Pendant: das Abus Granit 460 für 70 Euro. Es ist nicht ganz so bombensicher wie der teurere Bruder, erreicht aber bei der Aufbruchsicherheit immerhin die Note 2,3. Weil es ein Kilo leicht ist und sich wie die meisten Bügelschlösser mit einer Halterung am Rahmen befestigen lässt, kommt es auf die gute Gesamtnote 2,3. Für die Stiftung Warentest war das einen Preistipp wert.
Gleiches gilt für das Decathlon 920 Art3, das anders als die Abusmodelle kein Bügel-, sondern ein klassisches Kettenschloss ist. Bei der Aufbruchsicherheit muss das kein Nachteil sein, dort erhielt es die ebenfalls hervorragende Note 0,9. Doch mit 3,2 Kilo ist es sehr schwer und wie andere Kettenschlösser muss man es umständlich im Rucksack transportieren oder um die Sattelstange wickeln, wo es dann unpraktisch baumelt. Dennoch: Insgesamt erhielt es die gute Gesamtnote 1,6. Und der faire Preis von nur 60 Euro ist ein gewichtiges Argument für das Schloss des Sport-Discounters.
Grundsätzlich erfordert jedes Schloss einen Kompromiss, erklären die Tester. Bügelschlösser sind zwar schwer zu knacken und gleichzeitig leicht und gut zu transportieren. Dafür sind sie zu starr und eng, um sein Rad damit zum Beispiel um einen dicken Laternenpfahl zu ketten. Das wiederum geht mit Kettenschlössern bestens, die jedoch schwer und schlecht zu transportieren sind. Faltschlösser wiederum sind kompakt und kommen meist mit praktischer Halterung, sind dafür nicht ganz so sicher.
Apropos Sicherheit: Auch dazu haben Experten einen Tipp. Erstens ist jedes Schloss nur so gut, wie der Gegenstand, an dem das Rad gesichert ist. Also Laterne top, Haselnussstrauch flop. Zweitens kann man sich beim Radhändler für wenige Euro eine Identifizierungsnummer in den Rahmen fräsen oder dorthin kleben lassen. Falls das Rad doch geklaut werden sollte und später irgendwo wieder auftaucht, kann man so nachweisen, dass es das eigene Rad ist.