DIE BÖRSENWOCHE

Politische Wellen in den Märkten

von Redaktion

Es gibt zweifellos schlechtere Börsenweisheiten als die, nach der politische Börsen kurze Beine haben. Dennoch haben die vergangenen Tage gezeigt, dass beispielsweise die Münchner Sicherheitskonferenz, offizielle Gespräche zwischen den USA und Russland sowie die Bundestagswahl von den Marktteilnehmern erst verarbeitet werden mussten. Für Europa kann von politischen Schockwellen gesprochen werden, die die US-Regierung ausgelöst hat. Für die Sicherheit auf dem heimischen Kontinent müssen die europäischen Staaten künftig wesentlich mehr Verantwortung übernehmen. Und das bedeutet vor allem höhere Verteidigungsausgaben. Diese dürften in erheblichem Umfang schuldenfinanziert sein. In der Konsequenz werden mehr Staatsanleihen begeben werden, die der Anleihemarkt verkraften muss. Dies hat die Renditen ansteigen lassen. Nimmt man für Deutschland den im Bundestagswahlkampf vielfach adressierten Investitionsbedarf für Infrastruktur und die grüne Transformation hinzu, darf der Renditeanstieg bei Bundesanleihen gegenüber der Vorwoche um rund 10 Basispunkte als moderat bezeichnet werden.

An den Aktienmärkten gab es frische Allzeithochs. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schnupperte am frühen Mittwoch kurz an der 23 000-Punkte-Marke. Über die gesamte Woche hinweg gab der Dax indes leicht nach. Seit Jahresbeginn liegen die deutschen Aktien deutlich im Plus. Dies hat auch mit einer gewissen regionalen Rotation zu tun. Große Investoren haben Umschichtungen von den USA nach Europa vorgenommen. Dies mag neben der relativ günstigeren Bewertung europäischer Aktienmärkte mit der schnellen geldpolitischen Lockerung der Europäischen Zentralbank zu tun haben. Die amerikanische Notenbank Fed übt sich derzeit in einer Zinssenkungspause, die von den angekündigten Zollerhöhungen der US-Regierung herrührt. Die in den kommenden Monaten ansteigenden Inflationsraten in den USA sind belastend für den dortigen Aktienmarkt. Auch gab es Hinweise von Unternehmensseite, dass der US-Konsum schwächelt.

Aus deutscher Sicht wird es in den kommenden Handelstagen um die Verarbeitung des Ergebnisses der Bundestagswahl gehen. Eine klare und rasche Regierungsbildung wäre angesichts der Herausforderungen bezüglich der Standortbedingungen für die Unternehmen und der neuen Sicherheitsarchitektur in Europa für die Kapitalmärkte hilfreich. Die zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturindikatoren treten in der Wahrnehmung etwas zurück. Trotzdem sei erwähnt, dass die Vorzeichen für das ifo-Geschäftsklima im Februar gut stehen. Die Woche dürfte mit einem Anstieg des wichtigsten deutschen Konjunkturindikators beginnen. Über die Woche hinweg berichten neun Dax-Konzerne über ihre Geschäftsentwicklung. Bislang verlief die Berichtssaison für den Dax durchaus überzeugend.

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