Deutsche und europäische Aktien haben im bisherigen Jahresverlauf eine Wertentwicklung in Höhe von knapp 13 im Falle des Dax bzw. gut 11 Prozent beim Euro Stoxx 50 zu verzeichnen. Obwohl vor allem die deutsche Wirtschaft weiter unter einer ausgeprägten konjunkturellen Schwäche, schwelenden und drohenden Handelskonflikten, der Unsicherheit im Zuge des Ukrainekriegs sowie den allgegenwärtigen strukturellen Problemen des Standorts leidet. Gleichzeitig notiert der US-Aktienindex S&P 500 seit dem Jahreswechsel leicht im Minus.
Entsprechend haben die Zuflüsse von Kapital aus dem außereuropäischen Ausland, insbesondere aus den USA, nach Europa zuletzt deutlich zugenommen. Zu den Hoffnungen auf eine bessere wirtschaftliche Zukunft Europas dürfte auch die Bundestagswahl beigetragen haben. Die Annahme ist, dass sich in Deutschland schnell eine handlungsfähige Regierung bildet, die dringend notwendige Maßnahmen zur Ertüchtigung des Standorts umsetzt. In diesem Kontext richtet sich der Blick auch nach Brüssel, denn auch die neu formierte EU-Kommission hat seit Mitte 2024 mit dem sogenannten Draghi-Paper eine Aufgabenliste mit Vorschlägen zur Verbesserung der Standortqualität vorliegen. Parallel sorgen Zollandrohungen vonseiten der neuen US-Regierung, das erkennbare Abrücken der USA von der transatlantischen Partnerschaft sowie das unkalkulierbare Vorgehen Trumps im Zuge des Ukrainekriegs für stark steigenden Handlungsdruck.
Mit einem möglichen Ende des Ukrainekriegs im Laufe der kommenden Monate könnte sich einer der größten Belastungsfaktoren der vergangenen drei Jahre auflösen. Dadurch würde die Erwartung eines leichten konjunkturellen Aufschwungs in Europa befeuert werden und einen positiven Effekt auf die Unternehmensgewinne nach sich ziehen. Schon die abgelaufene Unternehmensberichtssaison hat einige positive Gewinnrevisionen erzeugt und die im Vergleich mit US-Aktien günstigere Bewertung europäischer Aktien in den Fokus gerückt. Der Trend des Jahresanfangs könnte sich also fortsetzen, wenngleich vor allem geo- und handelspolitische Risiken für deutliche Kursrücksetzer sorgen könnten.
Der am Donnerstag anstehende EZB-Zinsentscheid könnte für etwas Ernüchterung sorgen. Zwar wird eine weitere Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte erwartet, allerdings gibt es Andeutungen, dass danach eine Zinssenkungspause anstehen könnte.