Handels-, Verteidigungs- und Fiskalpolitik werden auf absehbare Zeit die Treiber an den Finanzmärkten sein. Diese Woche sorgten sie für eine Achterbahnfahrt.
Die (erwartete) Zinssenkung der EZB um 25 Basispunkte und die Andeutung von Präsidentin Lagarde, die Luft für weitere Zinssenkungen werde dünner, ging dabei fast unter. Der „Whatever it takes“-Paukenschlag der schwarz-roten Sondierer hatte zuvor die Märkte bewegt: Langfristige Renditen für deutsche und europäische Staatsanleihen sprangen nach oben, zwei erwartete EZB-Zinssenkungen wurden ausgepreist, der Euro wertete deutlich gegenüber dem Dollar auf und die Aktienmärkte – zumindest die deutschen – jubelten.
Die Marktreaktion auf das angestrebte Infrastrukturprogramm in Deutschland und die geplanten massiven Ausgaben für die europäische Verteidigung war lehrbuchartig und verdeutlicht die selektive Wahrnehmung der verschiedenen Investorengruppen.
Der Renditeanstieg der Staatsanleihen war neben der erwarteten konjunkturellen Belebung von der Skepsis wegen des drastischen Verschuldungsanstiegs getrieben. Am Aktienmarkt war der Blick dagegen vor allem auf den erwarteten gesamtwirtschaftlichen Wachstumsschub und sprudelnde Unternehmensgewinne gerichtet.
Das Aufbruchsignal der schwarz-roten Sondierer ist zu begrüßen. Ihm müssen jedoch weitreichende Maßnahmen zur Lösung der Strukturprobleme (Bürokratie, Sozialsysteme, Innovationsschwäche) folgen. Auch muss sich Europa bei der Verteidigung auf eigene Füße stellen. Dabei ist der fiskalische Spielraum in vielen Ländern gering.
Zudem blendet der Aktienmarkt aus, dass die Verteidigungsausgaben per se nicht die Produktivität steigern, sondern als Versicherung für unsere demokratische und rechtsstaatliche Grundordnung fungieren. Die wirtschaftlichen Effekte der Militärausgaben dürften sich erst mit der Zeit entfalten, wenn private Investitionen für einen Aufbau der europäischen Produktionskapazitäten sorgen.
Wenn der Fokus auf technologisch hochentwickelte Systeme gelegt wird, sind die Aussichten für eine Belebung der gesamtwirtschaftlichen Produktivität gut.
In der Handelspolitik bleibt der Blick nach Washington gerichtet, wo Präsident Trump täglich mit neuen Schlagzeilen aufwartet. Dies wird am US-Aktienmarkt zunehmend kritisch gesehen. Wir gehen davon aus, dass die Zölle gegenüber Mexiko und Kanada wieder zurückgezogen werden. Das sollte jedoch von den Europäern nicht als gutes Omen gewertet werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es auch hier zu Zöllen kommt.