Teuer, oft überflüssig, manchmal sogar schädlich: Bei Putzmitteln ist weniger mehr. © dpa
In fast jedem Haushalt ist der Schrank mit den Putzmitteln viel zu voll – und enthält teure, überflüssige oder sogar schädliche Sprays und Flüssigkeiten. Was man wirklich braucht, damit die Wohnung sauber wird – und auf was sich getrost verzichten lässt.
Von Glasreiniger bis Geschirrspülmittel, von WC-Reiniger bis Power-Fettlöser – die Fächer und Schränke in denen die Haushalte in Deutschland ihre Reinigungsmittel lagern, sind meist gut gefüllt. Mit dabei sind nicht nur die Standard-, sondern zunehmend auch Spezialprodukte. Der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel beziffert den Umsatz mit Reinigungsmitteln in Deutschland im Jahr 2024 auf rund 1,3 Milliarden Euro.
Die Gesamtsumme liegt noch höher, denn zum Beispiel Putzmittel für Böden und Geschirrspülmittel werden nicht unter Reinigungsmittel gezählt, sondern fallen in separate Kategorien.
Genug Grund also, sich zum Frühjahrsputz genau zu überlegen, welche der Flaschen, Sprays und Pulver eigentlich benötigt werden – und wo vielleicht Verzichtbares nach und nach aufgebraucht und durch universellere Reinigungshilfen ersetzt werden kann.
Kühlschrankreiniger, Extra-Putzmittel für Duschkabinen oder Power-Fettlöser für Küchenschränke: Die große Bandbreite an verfügbaren Mitteln sorgt zwar für das Gefühl, für jede Lebenslage die richtige Substanz bereitstehen zu haben. Doch sie hat auch Nachteile: Manche der Reiniger enthalten aggressive Inhaltsstoffe, die der Gesundheit und Umwelt schaden können. So warnt das Umweltbundesamt, dass die Mittel ins Abwasser gelangen – und dass selbst die Kläranlagen es nicht schafften, alle Einzelbestandteile in Gänze herauszufiltern.
Auch die Verbraucherzentralen raten: Weniger ist mehr gilt auch in Sachen Gesundheit. Inhaltsstoffe wie Konservierungsmittel oder Duftstoffe können bei manchen Menschen Allergien auslösen, die Haut oder Atemwege reizen und die Umwelt belasten. Wer darauf achten muss oder möchte, findet Hinweise auf Duft- oder Farbstoffe unter den auf der Produktverpackung angegebenen Inhaltsstoffen. Was also ist sinnvoll im Putzmittelschrank?
■ Allzweckreiniger
Mit einem neutralen Allzweckreiniger lassen sich Fußböden, Fenster und auch die meisten Oberflächen reinigen. Im Handel gibt es sie als Spray oder in einer Flasche mit Ausgussverschluss. Je nach Anwendungszweck kann die ein oder andere Form sinnvoller sein. Allzweckreiniger säubern auf Basis von Tensiden, also fettlösenden Substanzen. Manche enthalten zusätzlich Soda, das soll die Reinigungswirkung unterstützen.
■ Saurer Reiniger
Dazu kommt ein saurer Reiniger, zum Beispiel auf Basis von Essig oder Zitronensäure. Damit lassen sich Kalk und auch Urinstein entfernen. In einer Basis-Version lassen sich solche Reiniger sogar selbst herstellen: Zitronensäure als Pulver (gibt’s in der Drogerie) nach Anleitung in Wasser lösen, auf die betroffenen Stellen auftragen und einwirken lassen. Dann mit einem Schwamm abnehmen. Zitronensäure hat gegenüber Essig den Vorteil, dass der strenge Geruch wegfällt.
Bei ganz hartnäckigen Kalkflecken hilft ein Trick: Ein Stück Stoff – zum Beispiel ein ausrangiertes T-Shirt – in Streifen schneiden. Diese mit Zitronensäurelösung tränken und auf die stark verkalkte Oberfläche auflegen oder, etwa bei Armaturen, drum herum wickeln. Bei dicken Schichten kann das Lösen auch mal ein paar Stunden dauern. Falls die Tücher in dieser Zeit trocknen, noch einmal Zitronensäure nachträufeln. Im Anschluss sollten sich die Verkrustungen gut entfernen lassen.
■ Scheuerpulver
Außerdem hilft ein Scheuerpulver. Das wirkt gegen hartnäckigen Schmutz und Verkrustungen, zum Beispiel in Ecken, die eigentlich öfter gereinigt werden müssten. Das Pulver eignet sich für unempfindliche Oberflächen. Alternativ lässt sich hier, vermischt mit Wasser, auch Natron einsetzen. Natron kann auch Gerüche entfernen, etwa wenn eine Thermoskanne den Kaffeegeruch angenommen hat oder die Sportschuhe zu sehr nach altem Schweiß stinken.
■ Spülmittel
Als Letztes ist ein Spülmittel zum Geschirrspülen per Hand hilfreich. Das kann auch anstelle des Allzweckreinigers eingesetzt werden, ist aber auf den Liter gerechnet häufig teurer, daher kann es ökonomisch gesehen Sinn ergeben, beide im Haushalt zu haben.
■ Was niemand braucht
Von einigem raten die Verbraucherschützer sogar explizit ab: Raumsprays oder Lufterfrischer belasteten die Luft zusätzlich mit Chemikalien. Besser sei stattdessen regelmäßiges Lüften. Das ist auch billiger und beugt zusätzlich möglichem Schimmelbefall vor. Auch vor der Verwendung von Desinfektionsmitteln, wie sie sogar einige im Handel erhältliche Allzweckreiniger enthalten, solle man besser absehen. Die seien zwar in Arztpraxen oder Kliniken unabdingbar – in Haushalten aber höchstens dann, wenn Bewohner ansteckend erkrankt sind und ein entsprechender Schutz anderer vulnerabler Personen nötig ist. Im Zweifelsfall solle dazu ärztlicher Rat eingeholt werden.