Unkompliziert am Börsengeschehen teilhaben: Robo-Adviser können bei der Geldanlage helfen. © Boris Roessler, dpa
Wer sein Geld zu attraktiven Konditionen anlegen möchte, sich selbst aber nicht ständig mit den Finanzmärkten beschäftigen kann oder will, kann dies Finanzprofis überlassen. Klassischerweise sind das Banken, Vermögensverwalter und Finanzberater. Diese kosten jedoch verhältnismäßig viel Geld, in Form von Gebühren und Provisionen. Das Internet ermöglicht es Privatanlegern inzwischen, Kapital deutlich kostengünstiger an der Börse zu investieren. Eine immer beliebtere Anlagemöglichkeit sind digitale Vermögensverwalter – die sogenannten Robo-Advisor.
■ Hilfe bei der Geldanlage
Robo-Advisor (zu Deutsch: Roboter-Berater) helfen Anlegern bei der Geldanlage. Das Beratungsgespräch zwischen Vermögensverwalter und Anleger wird dabei an den Computer ausgelagert. „Bei Robo-Advisor findet zwar keine individuelle Beratung statt. Aber die Software klopft ein paar wichtige Punkte ab wie Anlagehorizont und Risikobereitschaft“, sagt Stephanie Heise, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Auf dieser Basis empfiehlt das Programm dann einen Mix aus börsengehandelten Indexfonds (ETF) auf Aktien und oder Anleihen, was eine kostengünstige Anlageform ist“, so die Expertin. Damit fahren ihrer Ansicht nach Kunden, die sich keine individuelle Vermögensverwaltung leisten können, oft besser als mit der üblichen Beratung bei Banken oder Versicherungen. Die Online-Vermögensverwalter übernehmen dann die Konstruktion der Portfolios für die Anleger. Das Analysehaus Deutsche Bank Research bezeichnet Robo-Advice als „eine echte Innovation in der Vermögensverwaltung“.
■ „Den Besten“ gibt es nicht
Welcher Robo-Advisor „der beste“ ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Interessierte sollten sich stets die Angebote einzelner Anbieter genau ansehen und dann überlegen, ob der Robo zu ihnen passt. Das Verbraucherportal Biallo.de hat dazu exemplarisch drei Anbieter unter die Lupe genommen. Um die Portfolios der Anleger zu vergleichen, werden „ausgewogene“ Depots (mittlere Risikoklasse) betrachtet. Sie bestehen häufig zu 50 Prozent aus Aktien, zu 50 Prozent aus Anleihen und weiteren Anlageklassen. Die angegebene Performance bezieht sich auf den Zwölf-Monats-Zeitraum des Gesamtjahres 2024 (Stichtag: 31. Dezember 2024) – vor Abzug der Kosten.
■ Bevestor
Bei dem Robo-Advisor der Sparkassen erfolgt die Umsetzung der Anlagestrategien über Indexfonds (ETFs) und aktiv gemanagte Fonds. Das Portfolio „Select 50“ setzt zu 50 Prozent auf Aktienfonds in Europa, Japan, Emerging Markets (Schwellenländer) und die USA. Die restlichen 50 Prozent bestehen aus Anleihenfonds, Geldmarktfonds und Rohstofffonds. Im Jahr 2024 erzielte das Portfolio ein Plus von 10,64 Prozent. Bevestor erhebt eine jährliche Gebühr von 0,80 Prozent auf den durchschnittlichen Depotwert. Hinzu kommen Fremdkosten, die abhängig vom gewählten Portfolio zwischen 0,11 und 0,26 Prozent betragen.
■ Solidvest
Statt auf passive ETFs setzt Solidvest auf aktiv gemanagte Einzeltitel aus einem globalen Aktien- und Anleihen-Spektrum. Das Portfolio „Solidvest 50/50 Wachstum“ (50 Prozent Aktien / 50 Prozent Anleihen) erzielte 2024 ein Plus von 13,45 Prozent. Bei einer Anlage von 10 000 bis 99 999 Euro fallen Kosten in Höhe von 1,4 Prozent p.a. an. Bei einer Anlage über 100 000 Euro reduziert sich die Vergütung auf 1,1 Prozent pro Jahr. Abhängig von der Performance erhält Solidvest zudem von den Kunden jährlich eine Gewinnbeteiligung in Höhe von zehn Prozent.
■ Fidelity Wealth Expert
Die „Strategie 5” des Robo-Advisor setzt zu 60 Prozent auf Aktien, 35 Prozent auf Anleihen und zu 5 Prozent auf alternative Anlagen wie zum Beispiel Rohstoffe. Im Jahr 2024 erzielte die Strategie ein Plus von 13,10 Prozent. Die Kosten für die Vermögensverwaltungbeträgt jährlich0,55 Prozent des Anlagevolumens. Hinzu kommen die Fondskosten:Die Portfolios bestehen aus eigens aufgelegten Fidelity-Fonds, die durchschnittliche Kosten von 0,88 Prozent pro Jahr verursachen. Die Mindestanlage bei Fidelity Wealth Expert beträgt 50 Euro für monatliche Sparpläne beziehungsweise 500 Euro für einmalige Investitionen.
■ Kosten sparen
Robo-Advisor bieten eine kostengünstige Möglichkeit, die Geldanlage von Finanzprofis managen zu lassen. Dabei verwahrt eine Partnerbank die Wertpapiere, der Robo-Advisor bestimmt die Aufteilung des Geldes. Eine sinnvolle Strategie kann es sein, auf Anbieter zu setzen, die einen Buy-and-Hold-Ansatz („Kaufen-und-Halten“-Ansatz) verfolgen. Dabei werden Wertpapiere langfristig gehalten – anstatt Positionen ständig zu kaufen und zu verkaufen, was am Ende zu hohen Kosten führen kann.
Das Online-Portal „Finanztip“ weißt allerdings auch darauf hin, dass es noch günstiger ist, wenn man sich selbst um die Geldanlage kümmert. Voraussetzung dafür sei ein günstiges Wertpapierdepot, ein gutes Tagesgeld- oder Festgeldkonto sowie das nötige Durchhaltevermögen an der Börse. Ein digitaler Anlagehelfer sei allerdings dann sinnvoll, wenn man einen Teil der Verantwortung für die eigene Geldanlage abgeben wolle. Anleger sollten sich lediglich darüber bewusst sein, dass sie für den Robo-Service einen Aufpreis im Vergleich zur selbst gemachten Geldanlage zahlen.
MIT MATERIAL VON MM
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