DIE BÖRSENWOCHE

Alles blickt aufs Zollpaket

von Redaktion

Schranken für den Handel werden nicht gern gesehen an den Weltbörsen (hier die Wall Street). © Seth Wenig, dpa

Eine weitere Handelswoche liegt hinter uns, die am Kapitalmarkt durch politische Entwicklungen dominiert wurde. Die US-amerikanisch-russischen Verhandlungen über einen Waffenstillstand in der Ukraine waren in ihren Marktauswirkungen neutral, da es weder einen Verhandlungsdurchbruch noch einen ergebnislosen Abbruch der Gespräche gab. Dafür kamen die großen wirtschaftspolitischen Entscheidungen in Deutschland ein gutes Stück weiter: Der Bundestag stimmte den notwendigen Grundgesetzänderungen zu.

Die noch ausstehenden juristischen Klärungen stellen in den Augen der Börsianer nun keine Stolpersteine mehr dar. Die Kurse deutscher Aktien erreichten einmal mehr Höchststände, bevor sie sich zum Wochenschluss wieder etwas zurückzogen. Das Zinsniveau blieb auf seinem zuletzt erhöhten Niveau.

Allerdings ist zu erwarten, dass in den kommenden Monaten auch wieder einmal etwas Ernüchterung einsetzt. Noch stehen die wirtschaftspolitischen Reformvorhaben einer neuen Koalition aus. Hiervon wird es abhängen, welche Durchschlagskraft die neuen Geldtöpfe in der Wirtschaft erhalten werden.

Diese Perspektive spiegelte sich auch in den jüngsten Stimmungsumfragen an den Märkten. Die in der Umfrage des ZEW-Wirtschaftsforschungsinstituts abgefragte Stimmung der Finanzmarktakteure zeigte eine erhebliche Aufhellung der Erwartungen an die Konjunktur bei gleichzeitig unverändert gedämpfter Beurteilung der gegenwärtigen Lage. Ein potenzieller Spielverderber ist nach wie vor die Zollpolitik der US-Regierung. Hier schauen die Märkte gebannt auf den 2. April, wenn Präsident Trump ein neues Zollpaket gegenüber denjenigen Ländern verkünden will, die einen großen Leistungsbilanzüberschuss gegenüber der US-Wirtschaft haben. Ein solches Paket könnte auch die Aussichten für die US-Konjunktur weiter eintrüben. Die US-Notenbank sieht sich dieser Unsicherheit ebenso gegenüber und verzichtete auf ihrem jüngsten Treffen auf eine weitere Zinssenkung.

In der neuen Handelswoche stehen wichtige Wirtschaftsdaten an. Die Einkaufsmanagerindizes aus den europäischen Volkswirtschaften werden auch für den März ein uneinheitliches Bild der Wirtschaft im Euroraum zeichnen. Die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum ist nach wie vor verhalten, aber nicht schlecht. Die Schwäche des europäischen Industriesektors nimmt zwar ab, ist allerdings noch vorhanden. Das wird auch die wichtigste Stimmungsbefragung in Deutschland widerspiegeln: Im ifo-Geschäftsklimaindex wird die Geschäftslage noch ziemlich mau beurteilt werden. Trotzdem sollte das ifo-Geschäftsklima stark ansteigen, weil mit den Vorhaben einer neuen Bundesregierung die Konjunktur deutlich anziehen sollte.

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