Als US-Präsident Trump seine Zollliste präsentierte, wurde auch dem hartnäckigsten Optimisten klar, dass das Schwadronieren über Zölle keine Verhandlungstaktik war, sondern Teil eines Plans der USA, ihre Handelsbilanzdefizite abzubauen und die eigene industrielle Basis wiederzubeleben. Der Plan fiel jedoch an den Kapitalmärkten durch. Der Einbruch an den US-Aktienmärkten und der Rückgang der kurz- und langfristigen Zinsen sind Ausdruck der erwarteten negativen Auswirkungen der Trump-Maßnahmen auf die Konjunktur, und die breit angelegte Abwertung des US-Dollars ist zudem Ausdruck des wachsenden Misstrauens in die globale Leitwährung.
Bisher hat nur China, dessen Produkte nun mit Zöllen von 64 Prozent in den USA belegt werden, mit Gegenzöllen reagiert und erhebt nun zusätzlich 34 Prozent auf importierte US-Güter. Andere Staaten dürften folgen, und auch die EU wird sich wehren.
Da in der EU aufgrund der geringen Warenimporte aus den USA die Wirkung von Zöllen begrenzt ist, dürften hier die Dienstleistungen ins Visier genommen werden. Da es dort keine Zölle gibt, wird sich dies in einer Einschränkung der Geschäftsmöglichkeiten zeigen. Die Wirkung dieser Maßnahmen ist aber auf beiden Seiten des Atlantiks vergleichbar mit der von Zöllen.
Die Geschäftsperspektiven der US-Firmen werden sich verschlechtern und in Europa wird die Einschränkung des US-Angebots tendenziell die Kosten erhöhen. Angesichts der Rhetorik aus dem Weißen Haus ist nicht damit zu rechnen, dass die Gegenmaßnahmen dann zum Anlass für „Abrüstungsgespräche“ genutzt werden. Wahrscheinlicher ist, dass Präsident Trump zunächst weitere Zoll-Geschütze auffährt. Letztlich dürfte aber der Druck so groß werden, dass es zu einem Einlenken kommt. Wann das passiert, steht aber in den Sternen.
Wir rechnen also kurzfristig nicht mit einem Ende des von den USA ausgelösten globalen Handelskriegs. Daher dürfte es auch an den Märkten ungemütlich bleiben. Zusätzlich zu den Sorgen um die Konjunktur dürften sich dabei auch die bisher gehegten Hoffnungen auf substanzielle Zinssenkungen von der amerikanischen Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) in Wohlgefallen auflösen. Auch wenn die EZB im April die Zinsen nochmals senken dürfte, erwarten wir, dass die Zentralbanken im Umfeld einer lockeren Fiskalpolitik und steigenden Inflationsdrucks ihre Glaubwürdigkeit wahren wollen und sich auf die Preisstabilität fokussieren werden.