BÖRSENWOCHE

Nicht vom Goldglanz blenden lassen

von Redaktion

Blickt man auf das Geschehen an den Anlagemärkten in 2025, so überraschen weder Aktien noch Anleihen. Wir sind zwar noch mitten im Zoll-Chaos, welches Donald Trump losgetreten hat, aber an den europäischen und amerikanischen Aktienmärkten hat sich die Lage schon wieder deutlich beruhigt. Der deutsche Aktienmarkt hat sogar schon wieder einen Rekord geknackt. Ihm hat dabei das angekündigte 1000-Milliarden-Sonderschuldenpaket für Rüstung und Infrastruktur der neuen Regierung geholfen, wobei noch niemand beurteilen kann, was so ganz genau jetzt passieren soll. So scheitert etwa die Renovierung maroder Brücken, Schulen und Bahngleise ja nicht nur am Geld, sondern auch am Arbeitskräftemangel. Das viele neue Geld reaktiviert damit keine brachliegenden Ressourcen, sondern führt nur zu einer Umverteilung: Brücken statt Wohnraum wäre das Ergebnis.

Die wirkliche Überraschung des Jahres bilden aber weder die Aktienmärkte noch die Anleihemärkte, sondern der Goldpreis. Gold begann schon im September 2018 zu steigen, aber das typische Muster einer Preisblase zeigte sich erst ab Januar 2024. In nur einem Jahr stieg der Preis von 2000 Dollar je Feinunze auf 2700 Dollar. Getrieben wurde diese Preisentwicklung durch eine noch nie gesehene Goldnachfrage von einigen Zentralbanken. Am meisten Gold kauften 2024 Polen und die Türkei mit jeweils rund 90 Tonnen, gefolgt von Indien mit 72 Tonnen und China mit 44 Tonnen.

Am Markt war man zu Recht der Auffassung, dass sich diese Käufe 2025 abschwächen werden. Die Daten für das erste Quartal 2025 bestätigten diese Erwartung. Dennoch explodierte der Goldpreis auf über 3400 Dollar je Feinunze im April. Auslöser waren private Käufer. Gold-ETF und andere mit physischem Gold hinterlegte Anlageinstrumente zogen Rekordsummen an, deren Volumen ist im ersten Quartal 2025 um 114 Prozent auf 226,5 Tonnen gestiegen. Rechnet man die direkten Käufe von physischem Gold dazu, so kommt man auf einen Anstieg um 170 Prozent auf 552 Tonnen.

Die Gründe sind offensichtlich die geopolitische Unsicherheit und Zweifel am US-Dollar, nachdem Donald Trump die Unabhängigkeit der US-Zentralbank infrage gestellt hat. Trotzdem sollten sich Anleger nicht blenden lassen. Der jetzige Anstieg ist sehr wahrscheinliche eine Panikreaktion, eine kurzatmige Blasenbildung. Es wird kolportiert, Gold werde von Investoren taktisch gekauft, um einen kurzfristigen Trend mitzunehmen. Diese ETF werden bei fallenden Kursen genauso schnell wieder verkauft, wie sie jetzt gekauft wurden. Dann fällt der Preis mit dem gleichen Tempo, mit dem er jetzt gestiegen ist. Über allem steht trotzdem die Frage, wie es mit der Stärke des Dollars weitergeht. Ein Ende seiner internationalen Dominanz würde das alles in ein neues Licht rücken.

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