Berlin – Eine generationengerechte Reform der Alterssicherung ist unumgänglich. An diesen zehn Stellschrauben können die Politiker drehen, um das System zu stabilisieren.
■ Beitragssatz
Wenn die Ausgaben für die Renten steigen, muss auch der Beitragssatz angehoben werden. Er könnte nach aktuellen Schätzungen von derzeit 18,6 Prozent des Lohnes auf 22,3 Prozent steigen und damit so hoch sein wie noch nie. Das ist eine der wichtigsten Stellschrauben für die Rentenfinanzen. An der Belastung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern wird sich auch die Akzeptanz der Rentenversicherung entscheiden. Steigende Ausgaben werden allein den Beitragszahlern aufgebürdet.
■ Rentenniveau
Die Bundesregierung will das Rentenniveau für die nächsten Jahre bei 48 Prozent festschreiben. Das geht zu Lasten der Jüngeren, verhindert aber auch sinkende Rentenansprüche bei Neurentnern. Finanziert wird dies durch die Beitragszahler, also die jüngeren Jahrgänge.
■ Rentenanpassung
Eine Kürzung der Renten ist derzeit gesetzlich ausgeschlossen. Diskutiert wird jedoch die jährliche Anpassungsformel. Bisher orientiert sich die Rentenerhöhung an der Lohnentwicklung. So wird die Teilhabe der Rentner am wachsenden Wohlstand sichergestellt. Denkbar wäre aber auch eine Koppelung der Renten an die Inflation. So bliebe lediglich die Kaufkraft der Renten dauerhaft erhalten und die Rentenkasse dennoch entlastet.
■ Lebensarbeitszeit
Umstritten ist das künftige Renteneintrittsalter. Es steigt in diesem Jahrzehnt noch auf 67 Jahre an. Einige Ökonomen fordern einen weiteren Anstieg, zum Beispiel in dem Umfang, in dem die Lebenserwartung zunimmt. Doch Arbeitnehmer in körperlich schweren Berufen wären die großen Verlierer. Die finanzielle Entlastungswirkung wäre jedoch beträchtlich.
■ Bundeszuschuss
Der Bund zahlt schon heute 100 Milliarden pro Jahr für die Rentenausgaben, die politisch erwünscht sind und für die keine Rentenbeiträge von den Versicherten bezahlt werden. Jüngstes Beispiel für Ausgabenfreude der Politik ist die geplante Ausweitung der Mütterrente. Allein dieses Vorhaben kostet rund fünf Milliarden Euro im Jahr.
■ Zuwanderung und Löhne
Ein hoher Beschäftigungsstand ist der Garant hoher Einnahmen der Rentenkasse. Ebenso sorgen hohe Löhne für stabile Rentenfinanzen. Bei der Erwerbstätigkeit gibt es noch Potenzial nach oben. Investitionen in eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen es zum Beispiel vor allem Frauen, mehr zu arbeiten. Auch qualifizierte Zuwanderung hilft der Rentenversicherung.
■ Beamte
Immer wieder wird die Einbeziehung der Beamten in die gesetzliche Rente gefordert. Die zusätzlichen Einnahmen würden die finanzielle Situation der Rentenversicherung zwar sofort verbessern. Doch der Effekt würde nicht sehr hoch sein, weil nur neue Beamte einbezogen werden könnten. Erst nach und nach würden die Einnahmen daraus nachhaltig steigen. Außerdem entstehen für die Beamten auch hohe Ansprüche an die Rentenversicherung.