Eon: Nur jeder Zweite kennt dynamische Tarife

von Redaktion

Kluger Stromverbrauch spart Geld. © IMAGO/Detlef Heese

München – Flexibler Stromverbrauch ist aktuell wahrscheinlich die am meisten unterschätzte Entwicklung in der Energiewirtschaft. Mit wenig Aufwand sparen Verbraucher Geld und schützen das Klima. Eine aktuelle Studie des Energieversorgers Eon und der Forschungsstelle für Energiewirtschaft zeigt das Potenzial – und woran es hakt.

Grundsätzlich funktioniert es so: An der Strombörse schwanken die Preise teilweise um mehrere hundert Prozent am Tag. Das liegt an der Erzeugung aus Wind und Sonne: Wenn sie den Bedarf decken, ist der Strom meist günstig. Windräder und PV-Anlagen haben keine Brennstoffkosten, können also jede Konkurrenz immer unterbieten. Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen müssen nicht nur die Energie beschaffen, sondern auch die EU-Strafgebühr für CO2-Ausstoß bezahlen. Wenn sie hochfahren müssen, wird Strom teuer.

Das Problem: Bei klassischen Tarifen bekommen Verbraucher nichts davon mit. Dabei könnten sie, wenn sie Strom eher in den günstigen Stunden verbrauchen, ihren Geldbeutel und das Klima entlasten:

„In Deutschland ließen sich im Jahr 2025 durch Wärmepumpen, E-Autos, Heimspeicher und Haushaltsgeräte potenziell bis zu 15,6 Terawattstunden Stromverbrauch verschieben“, erklärt Filip Thon, Geschäftsführer der Eon-Vertriebssparte. Das bedeutet: Der Bedarf von zwei Städten der Größe Münchens hätte an günstigeren Stunden gedeckt werden können. Rund die Hälfte entfällt auf Haushaltsgeräte, die andere auf große Verbraucher wie E-Autos. 2030 könnte es doppelt so viel sein.

Das Ergebnis ist aber nur ein Gedankenspiel. Denn um das Preissignal für den Verbrauch zu bekommen, hätten alle Verbraucher dynamische Stromtarife gebraucht, die die Börsenpreise im Viertelstundentakt weiterreichen. Doch laut den Verbraucherzentralen hatten im Oktober nur sieben Prozent der Verbraucher einen solchen. Eon hat erfragt: Nur 44 Prozent der Verbraucher wissen überhaupt, was ein dynamischer Stromtarif ist.

Eine mögliche Erklärung: Volldynamische Stromtarife bergen neben großen Sparpotenzialen auch große Preisrisiken. Eon setzt als etablierter Versorger deshalb eher auf flexible Tarife. Das bedeutet: Der Ladestrom für das E-Auto hat einen Festpreis. Wenn der Versorger den Ladezeitpunkt an sechs Nächten im Monat bestimmen darf, gibt es einen Bonus. Dazwischen gibt es inzwischen viele Facetten am Markt. Grundsätzlich gilt: Je mehr Eigeninitiative und Risikobereitschaft Verbraucher mitbringen, desto höher die Ersparnis.

Es hakt aber auch an der Technik: Um dynamische Stromtarife nutzen zu können braucht es digitale Stromzähler, sogenannte Smart Meter. Und weil Verbraucher erst seit diesem Jahr das Recht auf den Einbau haben, ist Deutschland hier Schlusslicht in Europa.
MAS

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